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Im Köpperner Kino gibt es ab sofort nicht nur Filme zu sehen, sondern auch selbst geschneiderte Baumwoll-Masken zu kaufen. Christine und Achim Weidinger, haben gleich zwei davon angezogen und einige Modelle auf dem Empfangstisch ausgebreitet.

Filmvorführungen nach Corona-Zwangspause

Köpperner Kinobetreiber will mit dem Publikum in die neue Situation hineinwachsen

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30 bis 40 Gäste pro Vorstellung dürfen ins Filmtheater Friedrichsdorf-Köppern kommen, aber wegen der Pandemie-Gefahr nur mit Maske

Köppern -Endlich wieder Filme auf der großen Leinwand anschauen: Im Filmtheater Friedrichsdorf-Köppern gab es gestern Abend nach Wochen wieder die erste Vorstellung - unter strengen Hygieneauflagen zum Schutz der Gäste und der Beschäftigten vor der Covid-19-Pandemie. Heute um 20 Uhr beginnt der Streifen "Die perfekte Kandidatin" und morgen um die gleiche Zeit startet "Somewhere Else Together".

Für alle Vorführungen gilt: Die Besucher müssen sich spätestens eine Stunde vor Beginn telefonisch anmelden. Die Nummer lautet: (0 61 75) 10 39. Wer einen Kino-Platz ergattert hat, muss die Karte 30 Minuten bis 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn abholen. Außerdem müssen alle Gäste ein Formular mit Name, Anschrift und Telefonnummer ausfüllen, denn der Kino-Betreiber muss eine Gästeliste führen. - Für den Fall, dass eine Corona-Infektionskette zurückverfolgt werden muss.

300 Quadratmeter großer Saal

Außerdem muss der Kinogänger folgendes unterschreiben: "Ich versichere, dass ich nicht an Covid-19-typischen Krankheitssymptomen (vor allem Fieber, Husten und Atemnot, Geschmacks- und Geruchsstörungen) leide, außerdem versichere ich, dass ich nicht unter Quarantäne gestellt bin." Die Formblätter gibt es im Kino und auf der Internet-Seite www.kinokoeppern.de zum herunterladen und ausdrucken.

150 Plätze hat das Kino insgesamt. Wegen der Abstandsregeln dürfen aber nur 30 bis 40 davon in dem gut 300 Quadratmeter großen Saal besetzt werden. "Für eine Person müssen fünf Quadratmeter gerechnet werden", erklärt Kinobesitzer Achim Weidinger. Und: "Ich mache einen Sitzplan, an den sich die Gäste halten müssen." Daher gehe ohne telefonische Anmeldung nichts.

Im Kino-Schaukasten hängt ein Info-Blatt, auf dem erklärt wird: "Der Aufenthalt im Kino ist nur alleine oder mit einer weiteren Person oder gemeinsam mit den Angehörigen des eigenen und eines weiteren Hausstandes gestattet. Bei Begegnungen mit anderen Personen ist ein Mindestabstand von 1.50 Metern einzuhalten." Weidinger sagt: ""Familien und Paare dürfen zusammensitzen. Je nachdem wie viele Familien kommen, dürfen dann mehr oder weniger Kinositze belegt werden." Heilfroh ist er, dass sein Saal drei Gänge hat. So verteilen sich die Gäste. die zu ihren Sitzen unterwegs sind, gut.

Am Kino-Eingang stehen Desinfektionsmittel-Spender für die Hände. Auf dem Boden kleben Abstands-Markierungen. Wer eintritt, muss eine Maske tragen und sie im Gebäude auch aufbehalten. Im Kinosessel angekommen darf sie abgelegt werden, aber nur wenn der Abstand zu anderen Personen mindestens 1,50 Meter beträgt. "Der Saal wird automatisch durchlüftet, die ständige Versorgung mit Frischluft ist gewährleistet.", erklärt Weidinger.

Bevor der Film losgeht, werden die Informationen zu den Hygiene-Vorschriften auf der Leinwand gezeigt. Nach der Vorstellung werden an den Plätzen Armlehnen und Tische desinfiziert. Auch Türgriffe, Armaturen und Sanitäranlagen, werden regelmäßig desinfiziert.

Selbst geschneidert und waschbar

Übrigens: Wer seine Maske zu Hause vergessen hat, oder sich eine hübsche neue kaufen möchte, der bekommt im Kino selbstgenähte Baumwoll-Masken. Achim Weidingers Ehefrau Christine steht nämlich nicht nur öfters an der Kino-Kasse. Sie kann auch mit der Nähmaschine professionell umgehen, denn sie ist gelernte Schneidermeisterin. "Zum Masken-Nähen braucht man keinen Meisterbrief", sagt sie zwar lachend. Aber wer das Metier gelernt hat, für den ist es ein Leichtes, auch gleich den richtigen Schnitt für so eine kleine Mund-Nasen-Bedeckung zu entwerfen.

15 bis 20 Minuten brauche sie, bis ei ne Maske fertig sei, verrät Christine Weidinger. Mit der Masken-Herstellung angefangen hat sie etwa drei Wochen vor Ostern. "Meine älteste Tochter ist Lehrerin und brauchte eine Maske. Sie hat sich aus meinem Fundus einen rot-weißen Stoff ausgesucht", verrät die Näh-Expertin. Seitdem hat sie zahlreiche Verwandte mit Masken versorgt. "Inzwischen ist in unserer Familie ein Stoff mit einem grafischen Fuchs-Muster der Renner."

Zudem hat Christine Weidinger ein Kleingewerbe angemeldet und für eine Gaststätte und ein Autohaus Masken genäht. "Insgesamt werden es jetzt 350 Masken gewesen sein", schätzt sie. Ein paar Stoffvorräte hatte sie zum Glück noch. Gummiband zu bekommen war da schon schwieriger. "Ich musste zehn Tage auf eine Lieferung warten." Ob man auch bunt bedruckte Masken in die Kochwäsche geben kann? "Der Baumwolle macht das nichts aus", erklärt sie. Die Farben würden aber mit der Zeit ausgewaschen. Am liebsten übrigens näht die Köppernerin Blusen, Kleider und Taschen. Gelernt hat sie bei dem Haute-Couture-Betrieb Toni Schiesser in Frankfurt. Dort hat sie auch danach als Gesellin und Meisterin gearbeitet. Für die Meisterprüfung musste sie unter anderem eine Bluse, ein doppelreihiges Leinenkleid, einen Mantel und eine Jacke anfertigen, erinnert sie sich. Rund 30 Jahre ist das jetzt her. Zurück in die Gegenwart und ins Kino: Fürs kommende Wochenende plant Achim Weidinger zwei Vorstellungen täglich, eine am Nachmittag und eine am Abend. Reine Kinderfilme zeigt er jedoch vorerst nicht. "Wir stellen uns vorsichtig auf die neue Situation ein und können nur mit unserem Publikum gemeinsam da hineinwachsen", sagt er.

Achtung: Wegen dringender Arbeiten an einer Gasleitung im Bereich des Köpperner Bahnübergangs ist derzeit keine direkte Zufahrt nach Köppern aus Richtung Bad Homburg möglich. Wer zum Kino möchte, fährt über die Umgehungsstraße B 455 bis Köppern Nord. Dann kommt er quasi aus Richtung Friedberg/Rosbach und kann direkt in die Köpperner Ortsmitte und bis zum Kino fahren.

Von Christiane Paiement-Gensrich

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