Musisch bildnerische Werkstatt

Kreativ mit Nadel und Faden

Emsige Betriebsamkeit herrscht im ersten Stock der Musisch bildnerischen Werkstatt (MbW). Fünf Mädchen zwischen neun und 13 Jahren sitzen konzentriert an ihren ratternden Nähmaschinen. Das Angebot kommt gut an, so dass ein weiterer Kurs geplant ist.

Von Christel Wösner-Rafael

Lea-Sophie steht am Zuschneidetisch und schneidet ihre Herzchen für ihr nächstes Projekt aus: ein Schmusekissen. „Es wird ein sogenannter Hotel-Kissenbezug ganz ohne den Reißverschluss und Knöpfe und ohne sichtbare Nähte“, erklärt Claudia Germer, die den Kurs leitet. Es hätte so viele Anmeldungen für den Wochenend-Kurs „Kreatives Gestalten mit der Nähmaschine“ gegeben, dass bereits ein zweiter Kurs ausgebucht sei.

Lea-Sophie erklärt ausführlich, was sie bisher gelernt hat. „Wir haben zuerst einmal die Nähmaschine kennengelernt und genau untersucht, was ist in dem Werkzeugkästchen. Dann haben wir alle Materialien angeschaut, dann den Oberfaden eingelegt und dann ging’s an den Unterfaden.“ Sehr gewissenhaft erzählt sie von der Spule und wie der Unterfaden hochgeholt werden kann, und dann wurden die ersten Nähte geübt.

Stolz hebt Hannah ein Täschchen hoch. „Das ist für Papiertaschentücher, es hat keinen Reißverschluss und keine Knöpfe. Die Tücher kann man schnell und einfach herausziehen.“ Danach nähen die Mädchen den Bezug für ein Schmusekissen. Und da sind die Herzen in allen Größen sehr gefragt. „Leider wollte niemand meinen Hasen“, bedauert die Kursleiterin und stellt ihn demonstrativ neben eine Nähmaschine.

Dann ist das Unglück passiert, bei Lola hat der Unterfaden „genöckt“ (sich festgefahren), nichts geht mehr. Die Leiterin hilft: „Zuerst die Spule herausnehmen, die verwickelten Fäden herausziehen, dann wieder richtig einfädeln, eine Umdrehung mit dem Handrad machen, um den Spulenfaden heraufzuholen, die beiden Anfangsfäden festhalten, Füßchen auf den Stoff senken.“ Und schon geht es problemlos weiter.

Neue Stoffe

Auf einem Tisch liegt ein riesiger Stoffberg. „Wir verwenden keine gebrauchten Stoffreste; die Mädchen zahlen einen Pauschbetrag für Materialien, und alle Stoffe sind neu“, so Germer. Natürlich könnten die Mädchen auch mitgebrachte Stoffe im Recycling verwenden, doch die meisten würden sich für neue Stoffe entscheiden.

Dann braucht Eva einen Rat, auch Rosalia hat eine Frage. So hüpft die Kursleiterin von Nähmaschine zu Nähmaschine und erklärt, wie die Herzen auf den Stoff appliziert werden.

Hannah seufzt laut vor sich hin. Ist etwas passiert? „Nein“, lacht sie, „es knistert einfach in mir, weil es so wahnsinnig Spaß macht.“ Klar, dass sie sich schon auf den nächsten Tag freut, dann wird eine Wende-Umhängetasche genäht aus zwei verschiedenen Stoffen.

Kursleiterin Claudia Germer ist mit der Nähmaschine aufgewachsen. Ihre Mutter war in Oberstedten eine gefragte Schneiderin. „Sie nähte Abendroben und Anzüge; ich hatte keine üblichen Bauklötze, sondern spielte mit leeren Garnrollen und Papprollen. Mit 4 oder 5 Jahren begann ich eigene Designer-Klamotten für meine Barby-Puppen zu nähen“, schmunzelt sie. Wegen der großen Nachfrage wird die MbW möglicherweise nach den Sommerferien einen weiteren Nähkurs für Kinder anbieten.

Weitere Informationen zum aktuellen Kursprogramm des Kulturvereins in der Hugenottenstraße 90 gibt es unter Telefon (06172) 137858 oder im Internet unter . Anfragen werden auch unter der E-Mail-Adresse info@mbv-ev.de beantwortet.

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