Verwaiste Wasserfläche: Im Juli dürfen die Schwimmer im Freibad endlich wieder ihre Bahnen ziehen.
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Verwaiste Wasserfläche: Im Juli dürfen die Schwimmer im Freibad endlich wieder ihre Bahnen ziehen.

Baden mit Corona-Regeln

"Kreisverkehr" fürs Friedrichsdorfer Schwimmerbecken

  • vonChristiane Paiement-Gensrich
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Eingeschränkter Freibad-Spaß wegen Corona: Die Wasserrutsche darf genutzt werden, der Sprungbrett nicht

Friedrichsdorf -Noch ist die Wasserfläche still und unberührt. Bald aber soll Bewegung in die Becken des Friedrichsdorfer Freibades kommen. Schon laufen die Vorbereitungen für die Öffnung des Schwimmbades unter Corona-Bedingungen. Der Magistrat hat am Freitag grünes Licht gegeben. Diese Woche beraten der Ausschuss für Jugend, Soziales, Kultur und Sport sowie der Haupt- und Finanzausschuss über die Vorgaben. Frühestens vom 1. Juli an dürften dann die Badegäste kommen. "Die Reparatur des Kiosks beschäftigt uns auch noch", erklärte Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Gebäude ist bei einem Brand stark beschädigt worden und werde diese Saison wohl nicht öffnen können.

In Sachen Schwimmen und Planschen unterdessen gilt den Beschlussvorlagen zufolge: Für die Allgemeinheit wird das Bad dienstags bis sonntags von 8 bis 19 Uhr geöffnet. Die Montage sind für den Vereinssport - das Training der DLRG - reserviert. Wer ins Schwimmbad gehen möchte, muss zuvor per Internet ein dreistündiges Zeitfenster reservieren und bezahlen. Das soll über die Homepage der Stadt laufen. Zwischen den Zeitfenstern wird das Bad rund 60 Minuten lang desinfiziert. Jeweils 300 Personen dürfen gleichzeitig ins Bad. Bei einer Aufenthaltszeit von drei Stunden pro Badegast können insgesamt 900 Menschen täglich das Freibad in drei Zeitfenstern nutzen. Und: Die Wasserrutsche wird geöffnet. Dort gibt es ausreichend Warteflächen. Es müssen lediglich Bodenmarkierungen für die Wartenden angebracht werden. Die Nutzung der Rutsche darf ohnehin nur einzeln und mit Abstand erfolgen. Die Sprunganlage dagegen bleibt geschlossen, weil nicht genügend Platz für Wartende vorhanden ist. Auch Duschen und Wärmehalle bleiben - wegen der Gefahr durch Aerosole - geschlossen.

Die Vorbereitungen bis zur Öffnung: Am Eingang sowie in den Sanitär- und Umkleidebereichen werden Desinfektionsmittel-Ständer aufgestellt. In den Wartebereichen vor den Einlasstoren werden Bodenmarkierungen angebracht. Schilder, die über die Organisation der Beckennutzung und die anderen neuen Regeln informieren, werden aufgestellt.

Mund und Nase bedecken

Im Sanitärbereich werden die mittleren Waschbecken gesperrt, so dass die äußeren genügend Abstand beim Händewaschen ermöglichen. Bei den Urinalen wird jedes zweite gesperrt. Bei der Lüftung wird auf Umluftbetrieb verzichtet und 100 Prozent Frischluft gefahren. Die Umkleidekabinen und Spinde befinden sich im Außenbereich und sind überdacht. Hier werden Wartebereiche mit Abstandmarkierungen eingerichtet. Die Erfahrung zeige jedoch, dass die Umkleiden auch im Normalbetrieb kaum benutzt würden. Viele Besucher kleideten sich auf den Bänken am Becken um. Wer ins Bad kommt, wird dazu angehalten, bis zum Betreten der Beckenbereiche einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Für den Schwimmbetrieb empfehle der Deutsche Schwimmverband einen "Kreisverkehr" auf den Sportschwimmer-Bahnen. Das habe sich im Training bewährt, um möglichst viele Trainierende auf begrenzter Fläche schwimmen zu lassen. Etliche Bäder (etwa Wetzlar, Gießen, Oberursel, Bruchköbel und Bad Homburg) setzten das schon seit Jahren auf sogenannten "Sportschwimmer-Bahnen" um. Die Erfahrung seien positiv.

Im Friedrichsdorfer Freibad sollen zwei "Kreisverkehre" eingerichtet werden. Die böten dann ausreichend Platz, so dass sich die Schwimmer auch mit Abstand gegenseitig überholen könnten. Zusätzlich zu den vorhanden Fina-Markierungen sollen noch 1,5-Meter-Markierungen am Beckenrand angebracht werden, damit die Schwimmer Abstände besser abschätzen können. Das Springerbecken soll außerdem auch für die schwimmsportliche Nutzung mit Längsbahnen versehen werden. Das Kinderbecken können aufgrund der fünf-Quadratmeter-Regel (soviel Platz muss jede Person haben) bis zu 18 Personen nutzen.

Das Abenteuerbecken werde viel für Wassergymnastik, Laufübungen und Ähnliches genutzt. Hierbei hielten die Gäste ohnehin mehrheitlich Abstand - aufgrund des erforderlichen Bewegungsradius. Zusätzlich könnten auch hier an einigen Stellen Markierung als Hilfe zum Abstandhalten angebracht werden.

Das Schwimmbad-Personal sei geschult und könne jederzeit eingreifen, auch bei Konflikten. Alle aktuellen Besonderheiten für den Arbeitsschutz, vor allem bei der Ersten Hilfe, könnten ohne erheblichen Mehraufwand umgesetzt werden. Technische Hilfsmittel zur Hilfeleistung seien ohnehin vorhanden. Die persönliche Schutzausrüstung der Mitarbeiter werde um FFP-2-Masken und Einweg-Kittel erweitert. Ohnehin gebe es pro Saison meist weniger als zehn Fälle, die einen intensiveren Kontakt zur Hilfeleistung erfordern. Eine Wasserrettung sei in zehn Jahren nur dreimal erforderlich gewesen.

Keine Zehnerkarten

Der Eintritt kostet dann für Erwachsene 3,50 Euro. Kinder und Jugendliche von 6 bis 18 Jahre zahlen 2 Euro. Der Erwerb von Dauerkarten und 10er-Karten ist aufgrund der Zählung in den Zeitfenstern nicht möglich. Kinder unter 6 Jahren, in Begleitung einer Aufsichtsperson pro Kind, erhalten freien Eintritt. Ermäßigte Eintrittskarten gibt es für Schwerbehinderte mit amtlichem Ausweis (ab Grad der Behinderung 50). Die dort eingetragene Begleitperson hat freien Eintritt. Inhaber eines Friedrichsdorf-Passes können gegen Vorlage der Zahlungsbelege nach Ende der Badesaison eine Ermäßigung in Höhe von 50 Prozent im Amt für soziale Angelegenheiten der Stadt beantragen.

Alle Regelungen gelten bis 6. September. Dann beginnt im Freibad die Winterpause.

Diese Regeln gelten

Das muss im Schwimmbad beachtet werden: Badegäste dürfen, wie im öffentlichen Raum, nur gemeinsam mit Personen aus dem eigenen Haushalt und Personen aus einem weiteren Haushalt kommen. Nötig sind gründliches und häufiges Händewaschen sowie die Nutzung der Hand-Desinfektionsspender im Eingangsbereich und an den weiteren Standorten im Bad. Husten und Niesen muss in ein Taschentuch oder alternativ in die Armbeuge (Husten-Nies-Etikette) erfolgen. Der Mindestabstand von 1,50 Metern zu anderen Personen muss eingehalten werden. Nur die persönliche Sportbekleidung und -ausrüstung einschließlich Badeschuhen, Handtüchern und Ähnlichem darf verwendet werden.

Pro Person müssen fünf Quadratmeter zur Verfügung stehen. Das gilt sowohl für die Außenanlagen als auch für die Wasserfläche. Es darf nur in die vorgegebene Richtung geschwommen werden. Hinweise wie Beschilderungen oder Bahnabsperrleinen sind zu beachten. Die Eltern und Betreuungspersonen sind für die Einhaltung der Abstandsregeln ihrer Kinder verantwortlich.

Auf den Beckenumgängen sind enge Begegnungen zu vermeiden und die gesamte Breite zum Ausweichen ist zu nutzen. An Engstellen wie den Durchschreitebecken und Treppen sind enge Begegnungen zu vermeiden, und es ist gegebenenfalls zu warten, bis die Nutzung möglich und der Weg frei ist.

Betreten des Beckenumgangs und der Sitzflächen sind nur unmittelbar vor der Nutzung der Becken, der Sitzflächen und der Wasserrutsche.erlaubt. Die Schwimm-und Badebecken sind nach dem Schwimmen unverzüglich zu verlassen.

Menschenansammlungen vor der Tür und auf dem Parkplatz sind zu vermeiden. Personen mit einer bekannten oder nachgewiesenen Infektion durch das Coronavirus ist der Zutritt nicht gestattet. Das gilt auch für Badegäste mit Verdachtsanzeichen.

Die finanzielle Situation

Die Gesamteinnahmen an Freibad-Eintrittsgeldern betrugen 2017 insgesamt 161 716,50 Euro, im Jahr 2018 waren es insgesamt 241 901,40 Euro und im Jahr 2019 insgesamt 193 341 Euro. Dieses Jahr rechnet die Verwaltung, bei der Freibadöffnung am 1. Juli, mit 153 990 Euro. Das steht in der Beschlussvorlage, die dem Ausschuss für Jugend, Soziales, Kultur und Sport am Dienstag und dem Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstag vorgelegt wird. Es bleiben demnach, bis 6. September, 59 Öffnungstage. 185 850 Euro wären es bei einer Auslastung mit 300 Erwachsenen pro Zeitfenster und, wegen der Drei-Stunden-Zeitfenster, maximal 900 Besuchern täglich. Erfahrungsgemäß wird aber von einer 60-prozentigen Nutzung durch Erwachsene und einer 40-prozentigen Nutzung durch Kinder und Jugendliche ausgegangen.

Pro verkaufter Eintrittskarte belaufen sich die Bearbeitungsgebühren für ein Online-Webportal auf etwa 0,50 Euro. Dieser Betrag geht von den Einnahmen noch ab. Die Anschaffungskosten für die Nutzung und Installation des Online-Webportals können noch nicht beziffert werden. Für die Saisonkräfte (Kassendienst und Beckenaufsicht) fallen während einer normalen Badesaison Personalkosten in Höhe von rund 120 000 Euro an. Bislang wurde für die Badesaison 2020 lediglich eine Saisonkraft angestellt.

Bei einer Schließung würden etwas weniger Stromkosten anfallen, da zum Beispiel die Pumpen weniger arbeiten müssten. Auch die Gaskosten würden niedriger ausfallen, da das Wasser nicht aufgeheizt werden müsste. Die Ersparnisse lassen sich aber nicht seriös beziffern, da die Gaskosten je nach Witterung stark variieren.

Die Material- und Unterhaltungskosten bleiben unabhängig von einer Öffnung relativ gleich. Würde man das Freibad bereits jetzt einwintern, müsste man zum Beispiel für die längere Dauer der Überwinterung entsprechende Chemikalien zusätzlich kaufen. Dies würde Ersparnisse etwa beim Chlorverbrauch vermutlich ungefähr ausgleichen. Die Unterhaltungskosten der Freibadanlage fallen weitgehend unabhängig von einer Öffnung an. Von Christiane Paiement-Gensrich

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