Gruppenbild ohne Badegäste. Nach dem Ende der Saison herrscht beschauliche Ruhe im Freibad, abgesehen von den Arbeiten, um die Anlage winterfest zu machen: Das Team um Max Faber und Vanessa Wilzek, das nun durch den bisherigen Azubi Tizian Sadegor ergänzt wird.
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Gruppenbild ohne Badegäste. Nach dem Ende der Saison herrscht beschauliche Ruhe im Freibad, abgesehen von den Arbeiten, um die Anlage winterfest zu machen: Das Team um Max Faber und Vanessa Wilzek, das nun durch den bisherigen Azubi Tizian Sadegor ergänzt wird.

Corona-Badesaison ist zu Ende

Kurzes Vergnügen im Friedrichsdorfer Freibad

  • Klaus Späne
    vonKlaus Späne
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Trotz Corona-Einschränkungen fällt die Schwimmbad-Bilanz positiv aus, und ein neues Kassensystem wird auch installiert.

Friedrichsdorf -Kevin ist ein verdammt fieser Bursche. Bringt einfach strahlenden Sonnenschein und viel warme Luft und gaukelt zwei Wochen nach Beginn des astronomischen Herbsts noch einmal Sommer vor mit warmen bis sehr warmen Temperaturen. Ideale Voraussetzungen also für einen Sprung ins kühle Nass, ein paar Runden im Schwimmerbecken oder um sich von der Rutsche zu stürzen. Aber zu spät. Die Saison ist vorbei. Da kann das Hoch, das Kevin ist, noch so hoch hinaus.

Außerdem war der Andrang in den letzten Tagen eh nicht mehr so groß. "Durch die niedrigen Nachttemperaturen haben wir gemerkt, dass die Besucherzahlen zurückgegangen sind", sagt Vanessa Wilzek. Aber auch so sind die stellvertretende Schwimmbadleiterin und ihre Kollegen dieser Tage gut beschäftigt. Einmotten heißt die Devise, das heißt das Bad für die Wintermonate präparieren. Wilzek etwa räumt am Tag unseres Besuchs unter anderem die Beckenabsperrung weg. Tizian Sadegor, bis vor kurzem Azubi und nunmehr frischgebackener Fachangestellter für Bäderbetriebe und neues Team-Mitglied, baut den größten Teil der Infotafeln mit den Corona-Regeln ab. Und Schwimmbadleiter Maximilian Faber springt sowieso zwischen technischer Anlage und Außenbereich hin und her.

Stellt sich natürlich die Frage der Fragen in diesem besonderen Jahr: Wie ist es gelaufen? "Gar nicht ohne", sagt Wilzek. Man sei froh, sie ohne Zwischenfälle überstanden zu haben. Und das will was heißen, denn zum ersten Mal in der Geschichte des Bads gab es das Badevergnügen, wie auch andernorts, nur unter besonderen Regeln. Sprich drei Zeitfenster, in denen maximal 180 Besucher hineindurften, Karten lediglich im Vorverkauf erhältlich, Hygiene- und Abstandsregeln nebst Schwimmautobahn, bei der nur in eine Richtung geschwommen werden durfte.

Viel positives Feedback

"Die Leute waren hochzufrieden damit", hat Wilzek beobachtet. Sowohl Schwimmer als auch andere seien aber auf ihre Kosten gekommen. Und sogar ein paar Schwimmabzeichen konnten in der Zeit abgenommen werden. Das einzige Manko während der verkürzten Saison: Der Sprungturm war zu, ansonsten aber waren sämtliche Attraktionen geöffnet. Und wie sah es mit dem Einhalten von Corona-Benimmregeln aus?

Geradezu unheimlich diszipliniert sei es abgelaufen, sagt Wilzek. Die meisten Gäste hätten sich selbst diszipliniert. "Wir müssen Badegästen und Mitarbeitern einen Riesen-Dank aussprechen", bekräftigt Maximilian Faber die Beobachtung der Kollegin. Nur vereinzelt sei mal eine Maske am Eingang vergessen oder der Abstand nicht eingehalten worden. Und auch die Zeitfenster-Sache habe gut geklappt. "Wir haben viel positives Feedback bekommen", sagt Faber.

Jetzt aber ein paar Zahlen zur Corona-Saison. Insgesamt verzeichnete das Bad zwischen dem 2. Juli und dem 6. September 23 841 Besucher. Klar, kein Vergleich zu früheren Werten von rund 80 000 Badenden, aber bei einer um die Hälfte verkürzten Öffnungszeit und einem nicht durchgehend heißen Schaukelsommer "nicht so schlecht", sagt Faber. Im Schnitt seien pro Tag 411 Gäste gekommen - von insgesamt 900 möglichen.

In diesem Zusammenhang sei noch ein Phänomen in diesem besonderen Jahr erwähnt. Dass sich die Badegäste durch Corona nicht nachhaltig abschrecken ließen, zeigte sich daran, dass manche zu Spitzenzeiten sogar via Facebook Eintrittskarten gesucht hatten, wie Wilzek berichtet. Und manche Stammgäste erwiesen sich als so treu, dass sie sich gleich für die ganze Saison eingedeckt hatten.

Und manche, die anfangs noch Bedenken wegen der Abstände hatten, kamen mit der Zeit zurück, nachdem sich durch Mundpropaganda herumgesprochen hatte, dass die Regeln eingehalten würden und das Badevergnügen generell fast wie immer sei.

Auch personell wirkten sich die geänderten Öffnungszeiten aus, zumal auch die Montage dieses Mal wegfielen - sie wurden als Vereinstag und für die Grundreinigung genutzt. Dabei blieb zwar die Zahl der Mitarbeiter bei etwa 25, allerdings wurde das Stundenkontingent reduziert.

Eingangsbereich wird umgestaltet

Aber nach der Saison ist vor der Saison, und somit wird nun erst einmal klar Schiff gemacht. Will heißen, die technische Anlage wird außer Betrieb genommen, der Wasserspiegel im Becken wird abgesenkt, Filter werden gespült, Pumpen abgeschaltet, ein paar Rohrleitungen ausgetauscht. "Wir brauchen dafür circa vier Wochen", schätzt Faber. Außerdem beginnen die Vorbereitungen für das neue Kassenkonzept. Nein, ausnahmsweise kein Corona-Ding. Die Kassenautomaten, die im vorletzten Jahr den Geist aufgegeben hatten, werden durch ein neues System ersetzt, wie überhaupt der Eingangsbereich umgestaltet wird mit neuen Drehkreuzen sowie barrierefreiem Zutritt, bei dem Kinderwagen und Rollstuhl besser passieren können. Dafür wurden Fördermittel des Landes beantragt.

Und natürlich richtet sich auch jenseits von Technik der Blick bereits auf die kommende Saison. Dann wieder alles wie früher? Nein, er glaube nicht, dass 2021 ganz ohne Einschränkungen ablaufen werde, sagt Maximilian Faber. "Ich persönlich rechne damit, dass es in irgendeiner Form Auflagen geben wird - vielleicht nicht ganz so streng", wagt er eine Prognose.

Und was das Wetter betrifft: Demnächst hat es sich ausgekevint. Ab Mittwoch sollen die Temperaturen nach unten gehen. Wie stark die Abkühlung sein wird, steht noch nicht fest.

Eine weitere Einschränkung in diesem Badesommer war der geschlossene Kiosk. Wahrscheinlich durch eine Brandstiftung wurde dieser Ende Mai so stark beschädigt, dass er geschlossen bleiben musste. Manche Kinder hätten das fehlende Eis vermisst, sagt Schwimmbadleiter Maximilian Faber, ansonsten habe sich das Fehlen des Kiosks wegen der Zeitfenster nicht so stark bemerkbar gemacht. Eine Sanierung während des laufenden Badebetriebs war nicht möglich, aber nun sollen die Arbeiten an dem komplett eingerüsteten und abgesperrten Gebäude beginnen. Die ersten Vorbereitungen wurden bereits in den letzten Monaten getroffen. Ein Gutachter war vor Ort, die ramponierten Innenräume wurden komplett gereinigt, auch um den Brandgeruch herauszubekommen. Außerdem wurde das Innere des Kiosks vorbereitet, so dass die Zimmerer mit der Holzkonstruktion loslegen können. Dies betrifft den beschädigten Dachstuhl, der erneuert wird. Dazu wird demnächst ein Kran aufgestellt. Danach folgt der Innenausbau. Die Arbeiten sollen in der Woche ab dem 21. September beginnen, informiert Raphael Bohle vom städtischen Hochbauamt. Nach Oktober gehe es dann relativ zügig. Die Kosten für die Sanierung werden mit rund 150 000 Euro veranschlagt. Nächstes Jahr werde der Kiosk dann schöner als vorher sein, sagt Bohle .

Noch ein paar Zahlen zur Badesaison 2020. Am besten besucht war die Woche zwischen dem 10. und 16. August. In dieser Zeit war das Bad zu 82 Prozent ausgelastet. Am schlechtesten lief es nach zuvor drei guten Wochen am Stück in der komplett verregneten Zeit zwischen dem 24. und dem 30. August, da betrug die Auslastung nur 17 Prozent. Am besten frequentiert von den drei Zeitfenstern war während der Ferienzeit der mittlere Slot zwischen 12 und 15 Uhr; außerhalb davon der letzte Slot.

Interessant ist auch der Blick auf die Chemie, zumal in Corona-Zeiten Desinfektion hoch im Kurs stand. Im Freibad etwa wurde in der einstündigen Pause zwischen den Slots gereinigt, auch zwischendurch sind Mitarbeiter mit Desinfektionsmitteln über die Anlage gelaufen. Im Schnitt seien 20 Kilo pro Tag durchgegangen inklusive dem, was fürs Personal benötigt wurde, sagt Faber. Es habe keine Schwierigkeiten gegeben, da man sich frühzeitig im Januar eingedeckt habe. Damit seien zwischenzeitliche Lieferengpässe überbrückt worden, bei denen Desinfektionsmittel und Ständer für Prospekte rar waren. Summa summarum wurden in der Saison an die 250 Kilo an Reinigungsmitteln verbraucht. Am Ende habe man dann ein gutes Gefühl gehabt, sagt Faber. Von Klaus Späne

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