Sängerinnen und Sänger zwischen Feldern, von oben gesehen.
+
Sängerinnen und Sänger zwischen Feldern, von oben gesehen.

Ton-Aufnahmen unter Corona-Bedingungen

Lieder aus Burgholzhausen: "Es wird gut, sowieso"

  • vonOlivera Glicoric-Fürer
    schließen

LaCappella-Sänger drehen Musik-Video und radeln auch dazu

Burgholzhausen -Die wöchentlichen, größtenteils virtuellen Chorproben waren wie "ein Stück Normalität" in einer Zeit, in der plötzlich alles Kopf zu stehen schien, sagt Emilia Fürer (13). Und Mia Hoffmann (13) ergänzt: "Wenigstens ein Hobby, an dem man in der Corona-Zeit noch festhalten konnte." Mia und Emilia sind zwei von 23 Sängerinnen des Burgholzhäuser Chors "LaCappella dolce". Gemeinsam mit gleichaltrigen Sängern des Ensembles "LaCappella DieJungs" haben sie unter der Leitung von Veronika Bauer über mehrere Wochen ein Musikvideo zu Mark Forsters Song "Sowieso" aufgenommen.

"Das passt genau", findet Mia: "Egal was kommt, es wird gut, sowieso", zitiert sie eine Zeile des Refrains. Jetzt ist das Video auf Youtube zu sehen und es ist anrührend schön. Chorleiterin Bauer hat es geschafft, unter erschwerten Bedingungen ein professionelles Video zustande zu bringen. Unterstützt wurde sie dabei von ihrem Sohn Lukas Bauer, der als Toningenieur für die Aufnahmen der Stimmen verantwortlich zeichnete. Und von Laura Pelzer, die Regie führte: Sie arrangierte und filmte die Gruppe und schnitt die Aufnahmen später zu schönen Sequenzen zusammen. Etwa 35 Mädchen und Jungen singen da mit Begeisterung. Aber sie bewegen sich auch, radeln oder rennen. Vage Erinnerungen an Zeiten ohne Hygienekonzept und Mundschutz werden wach. "Endlich konnten wir uns mal wieder sehen", sagt Hannah Rehermann (11). Auch wenn das Treffen draußen im Feld stattfand, auf Fahrrädern, mit Abstand, während die Drohne des Seulberger Fotografen Reiner Harscher die Kinder aus der Luft filmte.

Im Takt der Musik

Die Gesangsaufnahmen selbst wurden einzeln in einem provisorischen Tonstudio, das im katholischen Gemeindehaus Heilig Kreuz in Burgholzhausen aufgebaut war, aufgenommen, "unter Einhaltung der Corona-Regeln", unterstreicht Bauer. Die Mädchen und Jungen sangen einzeln den Text in ihrer jeweiligen Stimme ein: "Das war gewöhnungsbedürftig", gesteht Mia, aber da Veronika Bauer die jeweiligen Stimmen selbst eingesungen und als Aufnahme den Sängerinnen und Sängern zur Verfügung gestellt hatte, war es einfacher: "So hatten wir immer Vronis Stimme im Ohr." Das Einsingen, ganz allein, mit großen Kopfhörern auf den Ohren, während Toningenieur Lukas Bauer und Kamerafrau Laura Pelzer entsprechende Anweisungen gaben, "das ist mutig", findet Bauer. "Ich hätte mich das als junger Mensch nicht getraut." Auch weil eine der Regieanweisungen lautete, die 10- bis 14-Jährigen sollten sich vor einer weißen Wand singend bewegen, ein bisschen tanzen vielleicht.

Die Bildaufnahmen im Tonstudio hat Pelzer zu kleinen Quadraten zusammengeschnitten, die ein bisschen an die nun üblichen Videokonferenzen erinnern. Diese Ausschnitte springen in schnell wechselnden Folgen mit den Outdoor-Aufnahmen, den radelnden Kindern oder sich öffnenden Türen, "immer geht 'ne neue Tür auf, irgendwo", gemäß Forsters Text, über den Monitor.

Und während die Bilder im Takt der Musik wechseln, hört man den Chorgesang der LaCappella-Mädchen und -Jungen. Lukas Bauer hat den Ton gekonnt zusammengefügt: "Es klingt fast so, als sängen wir wirklich nebeneinander", findet Mia: "Es ist ein schönes Gefühl, das Video zu sehen, weil wir viel Arbeit hineingesteckt haben." Auch Veronika Bauer freut sich über das Ergebnis. Denn eben das, weiß die Chorleiterin, brauchen die Kinder: Ein Ziel, auf das sie hinarbeiten.

Hanna Jünemann (13) vermisst noch was anderes: "Das Singen in der Gruppe macht mehr Spaß", gerade weil "man nicht allein singt". Eigentlich. Doch die Hygieneregeln in der Corona-Pandemie verbieten das gemeinschaftliche Singen seit über einem Jahr. Und trotzdem singen die "LaCappella"-Sänger weiter, jedes Kind für sich vor seinem Computer in seinem Kinderzimmer.

Gesangsproben in den virtuellen Raum

Die Chorleiterin reagierte nämlich umgehend auf die Bestimmungen und verschob die Gesangsproben in den virtuellen Raum: "Das war zwar langweilig", findet die elfjährige Hannah Rehermann, aber "besser als gar nichts". Anfangs habe man sich über Zoom getroffen, erklären die Mädchen, "da hat man sich nur selbst gehört und die anderen überhaupt nicht". Mittlerweile hat Bauer ein anderes Programm im Einsatz: "Jetzt kann man auch die anderen hören, fast wie bei einer richtigen Probe", beschreibt Hannah Rehermann. Hilfestellungen beim Installieren der Software gab der Student Niklas Thorsson, der in der Gruppe "DieMänner" mitsingt: "Er hat sich immer Zeit für uns genommen", freut sich Bauer über die Unterstützung. Auch die Ensembles mit den erwachsenen Sängern proben online, wenn auch nicht in der Regelmäßigkeit wie die Teenager.

Die Chorleiterin weiß, dass gerade das angehende oder zarte Teenageralter viele Umbrüche mit sich bringt - stimmlich, körperlich, psychisch. "Auch Mädchen kommen in den Stimmbruch", doch während Jungen dann aussetzen, können die Mädchen weitersingen. Sie beobachtete aber auch: "Einige Kinder stecken die Pandemie nicht so leicht weg." Je nach Gemüt des Kindes. Jetzt können sie, wann immer sie Lust haben auf aufbauende Verse, ihr Video im Netz anschauen. Zu sehen ist es auf Youtube: "Sowieso - LaCappella dolce & DieJungs".

Wie alles begann

Es waren ihre beiden Töchter, die Veronika Bauer vor 20 Jahren dazu brachten, das erste "LaCappella"-Ensemble an der katholischen Heilig Kreuz Kirche in Burgholzhausen zu gründen. Aus dem einfachen Grund: Es gab keine Kinder- und Jugendchöre in der Nähe. Über die beiden Jahrzehnte wuchs die "LaCappella"-Familie zu beachtlicher Größe an.

Heute zählt sie sieben Ensembles, darunter auch die beiden ursprünglichen Chöre "Ensemble LaCappella" und "LaCappella 2.0", die sich als Projektchöre etwa sieben Mal im Jahr zusammenfinden, derzeit auch virtuell. Das Singen in der katholischen Gemeinde St. Marien in Bad Homburg ist wegen der Größe der Kirche mit wenigen Sängern auch in der Pandemie erlaubt: "Aber Singen mit drei Metern Abstand ist eine kleine Herausforderung", schmunzelt Bauer, doch auch das meistern die Sängerinnen mit Bravour. In der Kirche St. Marien ist mittlerweile der Kinderchor für Kinder von sieben bis etwa zehn Jahren angesiedelt, der wird von Anna Stumpf geleitet, freudig verkündet sie den Namen, den sie für den Kinderchor frisch aus der Taufe gehoben haben: "Piccolinis."

Die preisgekrönten LaCappella-Chöre sind weit über die Stadtgrenzen Friedrichsdorfs bekannt, die Liste der Auszeichnungen für die einzelnen Ensembles ist lang, dazu gehören unter anderem Bundespreise "Jugend musiziert", Erstplatzierungen beim "Hessischen Chorwettbewerb", beim "Hessischen Chorfestival" und beim regionalen Henninger Musikpreis.

Wie es Bauer schafft, die Kinder zu motivieren, über sich selbst hinauszuwachsen, Bauers Visionen umzusetzen - ohne dabei die Augen zu verdrehen ob der vielen Anstrengung und der vielen Arbeit? "Das machen die Kinder selbst". Und was motiviert die 56-Jährige, immer weiterzumachen? "Die Kinder." Von Olivera Gligoric-Fürer

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare