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Am Ziel: Stephanie Dösch nimmt sichtlich zufrieden die Lieferung entgegen, die ihr Michael Schäfer überreicht hat.

Neues Angebot

Lieferservice nimmt Fahrt auf

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Seit knapp vier Wochen läuft der neue Friedrichsdorfer Lieferservice. Die lokale Alternative zu Amazon & Co. kommt bei Kunden und Geschäftsleuten zwar gut an. So mancher sieht aber noch Steigerungspotenzial.

Bei dieser Geschwindigkeit müssen sich Amazon und andere Internethändler ziemlich warm anziehen. Die Uhr zeigt 16.23, als Michael Schäfer seinen weiß-grünen Elektrowagen in einer steilen Seitenstraße in Dillingen abstellt, zu einem hellblauen Flachdachgebäude geht, an der Haustür klingelt und seine Lieferung einer sichtlich erfreuten Kundin überreicht.

Keine zehn Minuten zuvor ist Schäfer in der Buchhandlung Schiefersteins auf dem Landgrafenplatz und nimmt aus der Hand von Ute Schieferstein zwei Päckchen entgegen. Ein Buch und ein Kalender, bestellt von einer Kundin, die am Vortag im Laden gewesen sei und gleich bezahlt habe, verrät Schieferstein.

Schäfer, ein sportlicher 42-Jähriger Mann, hat den Auftrag zuvor per WhatsApp auf sein Smartphone erhalten. Ebenfalls per Handy konnte er nachschauen, welches Fahrzeug aus der städtischen E-Carsharing-Flotte gerade frei ist. Es ist das Prinzip, nach dem der neue Friedrichsdorfer Lieferservice funktioniert.

Kunden zufrieden

Seit dem 22. Oktober bieten derzeit 15 örtliche Geschäfte unter der Regie des Gewerbevereins und mit Unterstützung der städtischen Wirtschaftsförderung ihren Kunden die Möglichkeit, sich Waren aus ihrem Sortiment frei Haus liefern zu lassen.

Los geht's: Ute Schieferstein übergibt Michael Schäfer die bestellte Ware.

„Viele unserer Kunden begrüßen das sehr“, erzählt Ute Schieferstein. Auch für Ältere und Leute, die nicht gut laufen können, sei der Service positiv. Nicht zu vergessen der eigene Vorteil. „Wir haben damit die Chance, die Kunden nicht an das Internet zu verlieren“, sagt Schieferstein und formuliert damit einen Grundgedanken dieses über Friedrichsdorf hinaus strahlenden Pilotprojekts. Dieses scheint, so die erste Bilanz nach knapp vier Wochen, ein Erfolgsmodell zu werden.

Attraktivität erhöhen

„Es läuft gut an“, sagt Wirtschaftsförderer Uwe Hild. In der Regel gebe es zwei bis drei Fahrten pro Tag, nur selten werde der Dienst nicht in Anspruch genommen. Zufrieden zeigt sich Hild auch darüber, dass nicht nur Friedrichsdorf beliefert wird, sondern auch Menschen aus Rodheim, Rosbach oder Bad Homburg. „Luft nach oben gibt es aber immer“, sagt Hild.

Großflächige Plakate werben für den neuen Service. Fotos (3): Y. Späne

So sehen das auch Geschäftsleute, die an dem Lieferservice beteiligt sind. Es laufe zwar sehr positiv, die Abwicklung sei wesentlich reibungsloser als er gedacht habe, und der Fahrer super flexibel, ist Dieter Kraft voll des Lobes. Der Inhaber von „Obst Kraft“ auf dem Landgrafenplatz gehört neben der Buchhandlung und einer Metzgerei bisher zu den Hauptprofiteuren des Angebots. Dennoch sieht Kraft noch Entwicklungspotenzial. Vor allem was das Gewinnen neuer Kunden betrifft. Dies könne aber auch daran liegen, dass man selbst bisher nicht offensiver für den Service geworben habe und dieser ein bisschen „nebenher“ gelaufen sei.

Kraft nennt auch Punkte, bei denen nachjustiert werden könnte. Etwa ein größeres Sortiment anbieten, um die Attraktivität zu erhöhen – vor allem in Gestalt eines Bäckers.

Man stehe bereits in Verhandlungen mit einem Filialisten, zeigt Uwe Hild, dass diese Botschaft auch bei ihm angekommen ist. Dieser müsse sich noch mit seiner Geschäftsführung abstimmen. Ein Hindernis auf diesem Weg habe man bereits aus dem Weg geräumt: Bisher seien die Lieferungen nur für mittags vorgesehen gewesen. Davon ist man nun abgerückt, was es ermöglicht hat, dass sich ein Friedrichsdorfer Unternehmen einmal pro Woche jeweils montags mit frischem Obst für seine Mitarbeiter beliefern lässt.

Und wer weiß, vielleicht sind diese demnächst ebenso zufrieden wie die Buchhandlungs-Kundin in Dillingen. „Super, perfekt gelaufen“, schwärmt Stephanie Dösch, nachdem ihr Michael Schäfer die Lieferung übergeben hat. Das sei ihre erste Bestellung gewesen. „Ich wollte einfach vor Ort kaufen und die örtlichen Buchhandlung unterstützen.“ Und das letzte Mal sei es sicher auch nicht gewesen, dass sie den Lieferservice in Anspruch genommen habe.

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