Solistin Maxine Troglauer (Bassposaune) mit dem Landesjugendsinfonieorchester auf der Saalburg.
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Solistin Maxine Troglauer (Bassposaune) mit dem Landesjugendsinfonieorchester auf der Saalburg.

Junge Talente auf der Saalburg

Maxine Troglauer lässt auf der Saalburg die Bass-Posaune singen

  • Christiane Paiement-Gensrich
    VonChristiane Paiement-Gensrich
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Lions-Club Friedrichsdorf-Limes präsentiert Saalburg-Konzerte mit Landesjugendsinfonieorchester

Friedrichsdorf -Kurz vor 20 Uhr auf der Saalburg: Drei junge Mädchen in eleganten Abendkleidern bringen Bassgeigen zu ihren Plätzen. Und ganz hinten an den Schlag-Instrumenten haut ein junger Mann zur Probe zwei Mal auf die Pauke. Die Musiker gehören zum Landesjugendsinfonieorchester (LJSO) Hessen. Zum letzten Mal führen die rund 50 jungen Leute gemeinsam auf, was sie seit dem Frühjahr auf der Landesmusikakademie in Schlitz einstudiert haben.

Mit Schlägen auf Pauken, große Trommel und Tamtam geht es los. Dann folgen die Blechbläser. Die "Fanfare for the Common Man" von Aaron Copland (1900 - 1990) mit ihrem Trommel-Gewitter klingt majestätisch und ist dem durchschnittlichen Menschen gewidmet, dessen tägliches Handeln in Krisenzeiten das Wohl der Allgemeinheit sichert. Copland hatte sich von einer Rede des US-amerikanischen Vizepräsidenten Henry A. Wallace inspirieren lassen, der mitten im Zweiten Weltkrieg das "Jahrhundert des Normalbürgers" ausgerufen hatte.

Schon seit 1978 lädt der Lions-Club Friedrichsdorf-Limes alljährlich zu zwei Konzerten mit dem LJSO auf die Saalburg ein. Im Corona-Jahr 2020 mussten die Vorstellungen abgesagt werden. Jetzt konnten die Konzerte zumindest unter Pandemie-Bedingungen stattfinden.

Während normalerweise in die Principia, das Stabsgebäude des alten Römerkastells, 500 Zuhörer passen, waren diesmal pro Konzertabend nur 150 Gäste erlaubt. Die Stühle standen zumeist in Zweiergruppen und 1,50 Meter weit auseinander. Alle Zuhörer mussten am Eingang ihre Nachweise zu Impfung, Genesung oder Test vorlegen.

Auch die jungen Instrumentalisten, sie sind zwischen 13 und 20 Jahre alt, waren weniger zahlreich als sonst. "Normalerweise sind es 70 bis 80 Musiker", berichtete Lions-Präsident Dr. Gerd Brücks. Vor sechs Wochen schon waren beide Aufführungen ausverkauft. Die Einnahmen jedoch, die immer für die wohltätigen Aufgaben des Lions-Clubs verwendet werden, sind nun wesentlich niedriger als sonst. Trotzdem: "Wir freuen uns, das Konzert durchzuführen", sagte Brücks.

Bei der Ouvertüre "Die Hebriden" von Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) glaubte man immer wieder, die Wellen zu hören, die die schottische Inselgruppe umspülen. Sie sind das dramatische Hauptthema, das abgelöst wird von ruhigen Holzbläser-Passagen, so ruhig und einsam, wie die Inseln selbst - eine musikalische Landschaftsmalerei.

Schöner Kontrast

Jazzig wurde es dann, gemischt mit klassischen Tönen und orientalischen Klängen. "subZERO", Konzert für Bassposaune und kleines Orchester, des 1961 geborenen Schweizer Komponisten Daniel Schnyder war der Hit. Vor allem dank der grandiosen Solistin Maxine Troglauer, die ihre Bassposaune bald fröhlich und übermütig singen, dann wieder eifrig quasseln, später klagen und auch das ein oder andere Mal brummen ließ. Wunderschön als Kontrast der klare reine Geigenton.

Später, bei der Zugabe, improvisierte die Solistin zudem basierend auf einem Thema von Schnyder und zeigte, wie man gleichzeitig die Bassposaune spielen und in sie hineinsingen kann. Dissonante Multiphonics präsentierte sie so dem entzückten Publikum. Vor zehn Jahren hatte Maxine Troglauer selbst im LJSO mitgespielt. Seit August 2019 absolviert sie ihr Masterstudium in New York City bei dem renommierten Bassposaunisten David Taylor.

Nach der Pause postierten sich die Blechbläser rechts und links an den Eingängen zum Saal. Und Dirigent Friedrich Praetorius stand gar in der Mitte des Zuschauerraums. Gespielt wurde nun Giovanni Gabrielis (1557 - 1612) festliche "Canzon Septimi Toni" aus dem 1597 erschienen Sammelband "Symphoniae Sacrae". Zu seiner Zeit wurde dort gern mit im Zuschauerraum verteilten Sängern und Musikern experimentiert, um Stereo-Effekte zu erzielen und eine raumgreifende Musik zu ermöglichen.

Weiter ging es mit Mozarts Sinfonie Nr. 35 D-Dur KV 385 "Haffner", komponiert als Auftragswerk zur Verleihung eines Ehrentitels. Und der Dirigent schöpfte den prächtig-freudigen Orchesterklang voll aus. Eine Zugabe schließlich musste sein: der 6. Ungarische Tanz von Brahms. Alles zusammen eine großartige Leistung der jungen Musiker.

Der Lions-Club Friedrichsdorf-Limes unterstützt unter anderem die Sprachförderung von Migrationskindern und finanziert an allen Grundschulen der Stadt das Projekt "Klasse 2000", ein Programm zur Sucht- und Gewaltprävention. Informationen unter www.lions-club-friedrichsdorf.de.

Von Christiane Paiement-Gensrich

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