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Mediatorin ohne Stundenplan

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Von: Katja Schuricht

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Nach knapp 24 Jahren kehrt Ellen Kaps der Philipp-Reis--Schule den Rücken. Hinter ihr liegt eine bewegte Zeit. Dazu gehörte der Umzug vom Hohen Weg an den neuen Standort. Die vergangenen zehn Jahre erlebte sie in der Färberstraße.
Nach knapp 24 Jahren kehrt Ellen Kaps der Philipp-Reis--Schule den Rücken. Hinter ihr liegt eine bewegte Zeit. Dazu gehörte der Umzug vom Hohen Weg an den neuen Standort. Die vergangenen zehn Jahre erlebte sie in der Färberstraße. © ksp

Ellen Kaps verabschiedet sich als Leiterin der Philipp-Reis-Schule. Wer ihr als Rektorin der größten Schule im Hochtaunuskreis folgt, ist noch offen.

Friedrichsdorf - Neugierde statt Wehmut, so könnte das Motto für Ellen Kaps' neuen Lebensabschnitt lauten. Denn: Die Vorfreude auf ein Leben ohne Stundenplan ist bei der Leiterin der Philipp-Reis-Schule (PRS) groß. Die 62-Jährige ging zum, Ende des Schuljahres in den Vorruhestand. Pläne habe sie bewusst nicht geschmiedet. "Ich bin gespannt zu schauen, was das Leben ohne Stundenplan mit mir macht, welche Ideen in mir freigesetzt werden", erklärt Ellen Kaps und fügt hinzu: "Auf alle Fälle freue ich mich, ab sofort meine Kinder immer dann besuchen zu können, wenn beide Seiten Lust dazu haben." Besonders gerne werde sie ihre neu gewonnene Zeit mit ihrer eineinhalb Jahre alten Enkeltochter verbringen.

Im Moment aber ist die Zeit an der PRS noch sehr lebendig. Das reicht bis zu ihrer Anfangszeit an der Schule zurück. Zum Beispiel kann sich Kaps gut daran erinnern, wie es sich für sie angefühlt hatte, als sie an der größten Schule im Hochtaunuskreis angefangen hatte. Das war im Jahr 1998. "Es war für mich ein schnelles Ankommen. Das hatte ich dem Geist, der hier weht, zu verdanken", betont sie. "Der Teamgedanke wird hier groß geschrieben."

"Teamgedanke wird groß geschrieben"

In den ersten Jahren, die sie noch im alten Schulgebäude am Hohen Weg erlebt hatte, waren es, wie sie erzählt, genau diese "inneren Werte" der PRS, die gezählt haben. Das habe sich dann mit dem Umzug vor zehn Jahren in die Färberstraße gewandelt: Ab da haben auch die äußeren Werte gestimmt. "Für mich war es eine tolle Erfahrung, diese Entwicklung mitgestalten zu können", so Kaps, und sie erzählt vom Einfallsreichtum und der Bereitschaft des Kollegiums, das neue Gebäude schnell als "berufliche Heimat" in Besitz zu nehmen.

Ausgebildet wurde Ellen Kaps am Kaiserin-Friedrich-Gymnasium (KFG) in Bad Homburg. "Meine erste Schule, an der ich dann nach dem Referendariat Unterricht habe, war die Gesamtschule Konradsdorf in der Wetterau", erzählt sie. Dann ging sie ans KFG zurück. Nach ihrer Elternzeit - Kaps hat drei Kinder - begann ihre Zeit an der PRS. "Hier war alles eine Entwicklung", sagt Kaps.

"Zunächst war das Unterrichten für mich über viele Jahre etwas Wertvolles und ganz Schönes, das mich ausgefüllt hat." Dennoch wollte sie andere Aufgaben übernehmen. Sie wurde Mitglied im pädagogischen Team der Schule. Kaps hat in dieser Funktion den Bereich "Soziales Lernen" mit aufgebaut. Kern dieses Schwerpunkts ist, dass die Schüler eine konstruktive Konfliktlösungskultur lernen. 2008 wurde Kaps dann Teil des Schulleitungsteams und Leiterin des Gymnasialzweigs, 2012 stellvertretende Leiterin der Schule. Zum Schulanfang 2016/2017 schließlich der nächste Karrieresprung: Kaps wurde Nachfolgerin der damaligen Schulleiterin Martina Schilling.

Wie kam sie aber überhaupt zum Lehrer-Beruf? Schon während ihrer eigenen Schulzeit war ihr klar, dass sie einen Beruf lernen möchte, in dem sie mit Menschen zu tun hat. "Informationen weitergeben und vermitteln, das lag mir", blickt sie zurück. Während des Studiums hat Kaps an einem Internat gearbeitet. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war der Frau aus Gießen, die seit vielen Jahren mit ihrem Mann in Friedrichsdorf lebt, klar, dass Lehrerin genau das Richtige ist.

Dass sie direkt nach dem Examen am KFG eine der damals seltenen Referendarstellen bekommen hatte und der damals hohen Lehrer-Arbeitslosigkeit entkommen war, sei Glück gewesen.

Doch Kaps, die Mathe und Deutsch unterrichtet hatte, wollte einen Perspektiv-Wechsel. So lautete die nächste Station in ihrer beruflichen Vita denn auch Gesamtschule Konradsdorf. "Da hab ich das erste Mal in einer Realschulklasse unterrichtet", erzählt sie. Die Vielfalt war es, die sie an der Schulform "Gesamtschule" sofort gepackt hatte.

Und was war ihr immer wichtig? "Es geht im Schulalltag nicht nur um das Vermitteln von fachlichem Wissen", betont sie. "Wichtig ist auch das soziale Miteinander." Geleitet wurde sie immer von ihrem Glauben daran, dass Kinder Konflikte selbst lösen können. "Dabei sehe ich mich nicht als Schiedsrichterin, sondern als Mediatorin, die den Schülern zeigt, wie diese aus sich heraus den richtigen Umgang untereinander finden und die Konflikte so lösen können, dass am Ende alle zufrieden sind", erklärt sie.

Die Vielfalt hat sie sofort gepackt

Das alles lässt Ellen Kaps nun hinter sich. Bleibt noch die Frage nach der Nachfolge. Wer wird nun die Leitung der sogenannten kooperativen Gesamtschule in der Färberstraße übernehmen? Die Antwort dürfte nicht nur das Kollegium, sondern auch Schüler und Eltern interessieren. Das jedoch steht im Moment noch nicht fest. Der Grund: Das Auswahlverfahren sei noch nicht abgeschlossen, heißt es dazu auf Anfrage aus dem staatlichen Schulamt für den Hochtaunus und Wetteraukreis. "Ich bin aber zuversichtlich, dass die Schule zum Beginn des neuen Schuljahres eine neue Leitung haben wird", sagt Amtsleiterin Rosemarie zur Heiden.

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