+
Billigkette Tedi ist der jüngste Neuzugang im Carré.

Unsichere Zukunft

Modegeschäfte im Taunus Carré stecken in der Warteschleife

  • schließen

Die Modebranche steckt bundesweit in der Krise. Durch die Insolvenz von AWG und Gerry Weber könnte dies auch Auswirkungen auf das Taunus Carré haben – im ungünstigen Fall.

Bunt wird der Modesommer 2019. Einen Vorgeschmack darauf bekommt, wer dieser Tage durch die Bekleidungsgeschäften im Taunus Carré bummelt. Kräftige Grün-, Blau- und Gelbtöne haben dort Einzug gehalten, sei es bei Esprit, s.Oliver, AWG oder Gerry Weber. Rein optisch kommt das jedenfalls alles sehr optimistisch rüber.

Vielleicht ein trügerischer Optimismus, denn derzeit schwebt über gleich mehreren Geschäften des Einkaufszentrums die unsichere Zukunft wie ein Damoklesschwert. Grund dafür ist, dass die jeweiligen Mutterhäuser pleite sind. Das betrifft sowohl AWG und die mit ihr in Friedrichsdorf verbundenen Franchise-Läden Esprit und s.Oliver als auch Gerry Weber.

Die Allgemeine Warenvertriebsgesellschaft mbH (AWG) mit Hauptsitz im baden-württembergischen Köngen vor knapp 20 Tagen Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt (siehe Text unten). Gerry Weber, dessen Zentrale in Halle in Westfalen sitzt, hat diesen Schritt bereits Ende Januar dieses Jahres vollzogen. Es waren dies zwei weitere Hiobsbotschaften aus einer Branche, die sich gerade in schweren Zeiten befindet und die an vielen Fronten zu kämpfen hat.

Online-Konkurrenz

Da wäre das Konsumverhalten der Verbraucher, die immer häufiger online bestellen und dafür in Kauf nehmen, dass die Innenstädte veröden. Und die generell ihr Geld lieber für Handys und Reisen ausgeben. Aber auch die aggressive Billigkonkurrenz wie Primark und der viel zu warme Sommer und Herbst 2018 machten ihnen das Leben schwer. Andere Probleme sind hausgemacht wie im Fall von Gerry Weber, das nach Meinung von Experten in der Vergangenheit zu viele eigene Filialen eröffnet hat.

Beide Handelsketten haben nun während einer dreimonatigen Schutzschirmphase Zeit, sich zu sanieren. Fragt sich, ob und inwieweit dies auch Auswirkungen auf die Geschäfte im Carré haben könnte.

Zunächst einmal gilt festzuhalten, dass der Geschäftsbetrieb in beiden Ketten weitergeht. Löhne und Gehälter werden weiterbezahlt. Sie seien über das Insolvenzgeld gesichert. AWG-Geschäftsführer Albrecht Maier erklärte, alles daran zu setzen, um die Arbeitsplätze erhalten zu können. Dennoch: Für den Sanierungsplan werde in alle Richtungen geprüft, sagte Veit Mathauer, Sprecher der AWG während des Schutzschirmverfahrens. Dabei gebe es zwei Grundrichtungen: Geld von Investoren auftreiben oder untersuchen, ob der Betrieb verkleinert werden, sprich das Filialnetz gestrafft werden muss.

Rentabilität wird überprüft

Die Handelskette aus dem Landkreis Esslingen besitzt derzeit 290 Filialen. „Alle werden auf Rentabilität überprüft“, sagte Mathauer. Grundsätzlich gebe es gute und weniger gute Lagen. In welcher Kategorie Friedrichsdorf rangiert, konnte er nicht sagen. „Die Filiale gehört aufgrund der Kombination mit s.Oliver- und Esprit-Stores zu den etwas größeren.“ Die Kombination aus Hauptfläche und Markenstores habe man auch an anderen Standorten. „Ansonsten gibt es keine größeren Besonderheiten.“

Auch über die Zukunft von einzelnen Standorten könne noch keine Aussage getroffen werden. Ziel des Schutzschirmverfahrens sei es, das Unternehmen möglichst fortzuführen – „idealerweise ohne Schließungen“, sagte Mathauer.

Ähnliches lässt Gerry Weber vernehmen. „Die Rentabilität von Filialen überprüfen wir sowieso im laufenden Prozess“, sagte ein Unternehmenssprecher. So sei vorgesehen, von den rund 1200 Filialen 230 Verkaufsflächen zu schließen. Es gebe eine entsprechende interne Liste. Diese Zahl sei aber nicht definitiv. Es könnten mehr oder weniger werden. „Im Moment können wir nichts dazu sagen“, meinte der Sprecher. „Wir werden das publik machen, wenn es an die Umsetzung geht.“ Derzeit laufe das Geschäft weiter wie bisher. Am meisten sei den Filialen geholfen, wenn sie soviel wie möglich verkauften.

Auch in den Geschäften der beiden Modekonzerne im Taunus Carré ist offenbar noch nichts Konkretes bekannt. Die Aussagen gehen dieser Tage von „wir wissen nichts“ bis „wir sind im Moment optimistisch eingestellt, dass es weitergeht“. Auch Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) weiß noch nicht mehr. Es habe geheißen, dass es weitergeht, was auch immer das bedeute, sagte er. „Ich hoffe, dass es weitergeht.

Carré-Betreiber ILG Immobilienfonds will hierzu kein Statement abgeben, wie es auf Anfrage hieß. Immerhin konnte man vor nicht all zu langer Zeit mit dem Einzug der Billigkette Tedi einen Neuzugang verbuchen – nach vorausgegangener jahrelanger Vakanz.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare