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Keine Berührungsängste: Sofia (7) schaut und hört sich mit dem Tiptoi-Stift in der Stadtbücherei Friedrichsdorf ein Buch an. Die pinkfarbene Toniebox steht schon bereit, um anschließend Geschichten von Janoschs Tigerente zu hören.

Neue Medien

Multimediale Angebote erobern die Stadtbücherei

Immer weniger Bundesbürger greifen zum Buch, lautet ein aktueller Trend. Vor allem junge Lese werden immer weniger. Die Stadtbücherei Friedrichsdorf setzt dem den Einsatz neuer Medien entgegen. Immer mit der Hoffnung, neue Freude am Schmökern zu wecken.

Der kleine Max knickt die Ohren des quadratischen Kästchens um. Das Hörspiel „Benjamin als Baggerfahrer“ ertönt lauter. Am anderen Ohr gedrückt, und es wird wieder leiser. Auf einmal klopft er wie wild auf die eine Seite der Box und das Hörspiel spult zurück.

Dabei ist es kein Problem, wenn die Box mal herunterfallen sollte – sie ist sehr stabil und haptisch sehr ansprechend gebaut. Vorne befinden sich die Lautsprecher, die den Sound wiedergeben. So oder so ähnlich könnte es aussehen, wenn ein Kind damit spielt.

Womit? Die Rede ist von den Tonieboxen, die derzeit voll im Trend liegen. Die Funktionsweise: Auf die Boxen werden magnetische Figuren aufgesetzt, die darstellen sollen, was gerade abgespielt wird. Erst wenn Max den Elefanten Benjamin Blümchen auf die Box setzt, kann es losgehen.

„Eine Figur entspricht einem Hörspiel“, erklärt Stadtbücherei-Leiterin Kristina Wachsmuth. „Wir als Bücherei sehen die Tonieboxen als eine tolle Ergänzung unseres Sortiments. Ich kann mir vorstellen, dass die kleinen Figuren, also die Tonies, die Kreativität der Kinder fördern und sie zum Spielen animiert.“

Eine Mediothek

Zurzeit beherbergt die Stadtbücherei 20 Tonies, was 20 Geschichten zum Ausleihen entspricht. „Die Nachfrage ist groß. Wir sehen uns daher nicht mehr als klassische Bücherei, sondern als Mediothek. Wir bieten mittlerweile nicht nur Bücher an, sondern alle möglichen Medien.“, so Wachsmuth. Von Hörspielen über Nintendo-DS-Spiele sei alles dabei. Hinzu kommt auch noch der „Onleihe-Verbund Hessen“; eine Online-Bibliothek , bei der man immer und überall jede Menge Medien ausleihen kann.

Zum multimedialen Angebot der Stadtbücherei gehören auch die „tiptois“. Diese sehen zunächst aus wie ganz normale Bücher. Doch das besondere daran, ist der zusätzliche Stift. Mit diesem wird das Buch zum Leben erweckt. Durch Berührungen mit dem Stift, erklingt in jedem Bild auf der Seite eine Geschichte, ein Geräusch oder ähnliches.

Natürlich kann man die Tiptoi-Bücher auch ganz „normal“ lesen und sich eigenen Geschichten ausdenken, wenn man möchte. Die Reihen unabhängigen Bücher mit Stiften sind für Kinder ab drei Jahren angedacht.

Kinder sind technikaffin

Berührungsängste der Kinder mit den neuen Medien sieht sie nicht. „Kinder wachsen heutzutage ja sowieso technikaffin auf“, sagt Wachsmuth, „Ich denke also, dass die ,tiptois‘ eine tolle Erweiterung der normalen Bücher sind. Vor allem hoffe ich, dass Kinder, die zwar an Technik aber nicht dem Lesen interessiert sind, so einen Zugang zu Literatur bekommen.“ Denn genau das sei eine der wichtigsten Aufgaben einer Bücherei.

„Wir versuchen, mit der Zeit zu gehen. Ich selber habe ein Smartphone – ich sehe es auch nicht als Feind. Wir hier in der Bücherei möchten die volle Medienvielfalt repräsentieren und helfen, damit umzugehen“ erklärt die Büchereileiterin. Sie habe auch keine Angst vor dem Bücheraussterben. Allerdings werde sich die Nutzung wahrscheinlich verringern, mit Sicherheit aber verändern. „Ich glaube aber nicht, dass das Medium Buch komplett verschwinden wird.“, gibt sich Wachsmuth optimistisch. Dennoch müsse man den Tatsachen ins Auge schauen: „Deshalb bieten wir virtuelle Lösungen an, wie zum Beispiel die Onleihe. Auch haben wir WLAN zum arbeiten oder surfen.“

Wachsmuths großes Ziel ist es, Freude am Lesen zu vermitteln. Sie sagt: „Es gibt so unendlich viele Bücher, und Kinder sollen begreifen, was man alles lesen kann, wenn man diese Kompetenz erst einmal erworben hat. Es ist der erste Schritt, um sich die Welt zu erschließen. Wir sehen uns daher als Kompetenzvermittler.“

von JULIA LINDNER

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