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Närrische Ökumene im Friedrichsdorfer Orient

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Von: Klaus Späne

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Fast wie in 1001 Nacht: Machen jedenfalls was her die "Boni Bjutie Beus als Wüstentöchter. Das gilt auch für Sultan Werner Zymolka und Sultanine Dieter Mittag. Malvina Schunk und Angelika Harreus hatten den Auftritt nach ein paar Anlaufschwierigkeiten bald im Kasten. Zwischendurch musste auch mal die Maske ran.
Fast wie in 1001 Nacht: Machen jedenfalls was her die "Boni Bjutie Beus als Wüstentöchter. Das gilt auch für Sultan Werner Zymolka und Sultanine Dieter Mittag. Malvina Schunk und Angelika Harreus hatten den Auftritt nach ein paar Anlaufschwierigkeiten bald im Kasten. Zwischendurch musste auch mal die Maske ran. © jp

Statt Präsenz-Fastnacht gibt's "Karneval in Bonifaz" als Video und mit Überraschungsgast

Friedrichsdorf -Gar nicht so einfach, die Wüstentöchter zu dirigieren. Nicht dass eine der "Schönen" herumzicken würde, aber es gibt teilweise noch ein paar Irritationen zur jeweiligen Position. Vor allem weil auch noch der Sultan und die Sultanine mit im Spiel sein sollen. Und auch bei Gestik und Mimik ist partiell noch Luft nach oben.

Lustig ist das allemal anzusehen, wie sich die acht in lila orientalisch anmutende Kostüme gewandten "Damen" mit den bunten Socken da abmühen, bis das Bild endlich stimmig wirkt. Hat zeitweise fast schon Slapstickcharakter à la Monty Python. Aber umso besser, schließlich soll bei der ganzen Angelegenheit ja der Spaß im Vordergrund stehen.

Den hat offenbar auch Malvina Schunk. "Ich hätte nicht gedacht, dass wir für das Endbild am längsten brauchen", sagt sie, als die Szene endlich im Kasten ist. Kasten bedeutet in diesem Fall die Speicherkarte der Videokamera, auf der Schunk festhält, was die zehn nun ja nicht mehr ganz taufrischen Herren des Männerballetts "Boni Bjutie Beus", die sich unter den Kostümen verbergen, vor der Linse so treiben.

Ort und Zeit des Geschehens ist der Gemeindesaal der katholischen Gemeinde Sankt Bonifatius vor ein paar Tagen. Besser gesagt der abgetrennte Teil des Raums, in dem alljährlich der "Karneval in Bonifaz" abläuft. Eine geradezu ikonische Veranstaltung mit um die 300 Besuchern. Nicht so in diesem Jahr. Wie schon 2021 machte die Corona-Pandemie zum zweiten Mal nacheinander einen Strich durch die Rechnung.

Aber ganz ohne "närrischen Segen" wollte man die Fans dann doch nicht ins restliche Jahr schicken. Wenn schon nicht in Präsenz, dann wenigstens ein bisschen virtueller Spaß lautete das Motto von "Boni-Bjutie-Beus"-Vorstandsmitglied Joachim Schunk und Co. Und weil ein Männerballett bei allen unbestreitbaren Reizen keinen Spannungsbogen in Spielfilmlänge halten kann, nahm man weitere bewährte Bonifaz-Akteure mit ins Boot: den Familienkreis Köppern und den "Chor von allen Seiten". Letztere sind mit einem Best-of der letzten zwanzig Jahre vertreten.

Nicht zu vergessen einen "Überraschungsgast", wie Schunk geheimnisvoll ankündigte. Das Ganze zusammengestellt für eine "Karnevalssitzung to go" analog zum Vorjahr, in dem man erstmals eine Veranstaltung aufzeichnete. Damals der Sicherheit wegen in Form von Einzelaufnahmen im Wald. Es waren noch nicht alle durchgeimpft.

Jetzt aber ein weiterer Blick auf die Dreharbeiten in St. Bonifatius. Die Stimmung im Saal ist eigentümlich. Leere Stühle kontrastieren mit bunter Wanddeko, durch den Raum wabernder Schunkelmusik und einem mit gelben Tüchern, Teppichen und Shisha-Pfeife auf orientalisch getrimmten Pavillon. Die Hauptfilmkulisse verströmt einen Hauch von 1001 Nacht. Sie stamme von der evangelisch-lutheranischen Gemeinde Seulberg, erzählt "Boni Bjutie Beu" Ralf Hohmann. Wie auch die Kamele, die bei der Außenaufnahme auf einem Spielplatz eingesetzt wurden. Krippenfiguren wohlgemerkt. Sie sollten die Ankunft im Palast simulieren.

Die Handlung ist mit der heißen Nadel gestrickt. Erst vor kurzem habe man sie sich überlegt", sagt Joachim Schunk. Die übrigen Fastnachts-Vorbereitungen laufen aber seit längerem. Das begann vorigen Oktober mit der Themenfindung: "Orient Café" kam heraus. Seither haben sich die Beus jeden Freitag getroffen und Tänze geprobt. Malvina Schunk hat sukzessive die Choreographie entwickelt. Auch sie ist trotz ihrer 34 Jahre ein alter Hase. "Ich habe sie mit dreizehn Jahren bekommen und bin sie nicht mehr losgeworden", witzelt Malvina über ihr Engagement bei der Truppe. Dazu gehört auch das Drehen und Schneiden des Films. Assistiert von Angelika Harreus, die für Schminke und Beleuchtung sorgt. Joachim Schunk stellt hinterher alle Beiträge zusammen.

Und wie ist das, statt vor Publikum im sterilen Saal aufzutreten? "Auf der Bühne ist das schon etwas anderes",sagt Ralf Hohmann. "Wir können das aber ausblenden." Joachim Schunk ergänzt: Das sei halt wie eine Generalprobe. Die laufe auch ohne Publikum ab. Bleibt noch die Frage nach dem Überraschungsgast. Kein Geringerer als der Seulberger Pfarrer Thomas Krenski. Das hatte sich vor Corona angedeutet, als er mit Narrenkappe im Publikum gesessen hatte. Der Auftritt des evangelischen Pfarrers in Bonifaz habe schon eine über zwanzigjährige Tradition, sagt Schunk. "Das wollen wir beibehalten." Krenski hält einen Vortrag im Stile von "Mainz bleibt Mainz". Närrische Ökumene im Orient sozusagen.

Das 85 Minuten lange Fastnachtsvideo ist ab sofort zu sehen. E-Mail an JoSchunk@out look.com. Dann gibt's den Link.

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