Areal Plantation/Petterweiler Holzweg

Ökosiedlung mit Energiezentrale

  • vonKatja Schuricht
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Bis zu 300 Wohneinheiten sollen auf dem Gelände Plantation/Petterweiler Holzweg entstehen. Wie sie aussehen sollen, entscheidet das Parlament erst nach der Bürgermeisterwahl.

Für eine Toplage muss es schon etwas Besonderes sein: Am höchsten Punkt der Ökosiedlung, in einem spitz zulaufenden Dreieck, könnte möglicherweise bald ein Holzhochhaus stehen. „Wie ein Leuchtturm würde dieses Gebäude an dieser exponierten Stelle stehen. Durch seine halbe Elipsen-Form könnte man von den Wohnungen aus einen Rundumblick genießen“, beschrieb Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne). Das Holzhochhaus ist der Vorschlag eines Investors, wie man diese Spitze am nordwestlichen Ende des Areals am besten nutzen kann.

„Das ist das Spannende. Jeder der vier Investoren, die jetzt in unserer engeren Auswahl sind, hat originelle Lösungen parat.“ Ein anderer möchte die gleiche Fläche mit Bäumen bepflanzen und dem nächsten schwebt dort die Errichtung von drei Doppelhäusern vor.

„Ursprünglich hatten sich für das Projekt Ökosiedlung nach der europaweiten Ausschreibung zwölf Investoren beworben“, erzählt Burghardt. Die Wählerinitiative „Bürger für Burghardt“ hatte am vergangenen Samstag anlässlich der Bürgermeisterwahl zu einem Spaziergang über das Gelände der „Ökosiedlung“ auf dem Gelände Plantation/Petterweiler Holzweg eingeladen. Rund 35 interessierte Bürger haben an der einstündigen Ortsbegehung mit dem Rathauschef teilgenommen.

„Von den 12 Investoren haben wir acht ausgesucht. Davon wiederum sind vier abgesprungen. Jetzt sind wir dabei, die übrig gebliebenen vier Konzepte auszuwerten.“ Dieser Prozess werde, so Burghardt, Anfang März abgeschlossen sein. Dann wird die Auswertung den Gremien vorgelegt. Am 26. März dann, so Burghardt weiter, werden die Stadtverordneten in ihrer Versammlung entscheiden, welcher Investor den Zuschlag bekomme.

35 Kriterien

„Bei der Auswertung gilt es, verschiedene Kriterien zu bewerten. Insgesamt sind es 35“, informiert der Rathauschef. Dabei gehe es um ökologische, soziokulturelle und städtebauliche Aspekte. „Aus ökologischer Sicht ist für uns der Erhalt des großen alten Baumbestands auf dem Areal wichtig.“ Allerdings sei klar, dass nicht jeder einzelne Baum erhalten werden kann. „Deshalb erhält der Investor die Auflage, für jeden gefällten Baum einen Ausgleich zu schaffen.“ Auch lege man Wert auf die Verwendung von wiederverwertbaren Baustoffen. „Als Maßstab für die Vergabe an Pluspunkten dient uns aus ökologischer Sicht ein Musterhaus mit bundesweit festgelegten Standards“, berichtet Burghardt. Aus soziokultureller Sicht sei bei der Planung des Quartiers zu beachten, dass die Siedlung für Familien ebenso attraktiv gestaltet werden soll wie für Senioren. „Das Miteinander soll gefördert werden. Deshalb soll es auch eine Begegnungsstätte, ähnlich wie in der Taunus Residenz, geben.“ Zudem bekommt das Quartier einen eigenen Kindergarten – allerdings mit privatem Betreiber.

„Was den Punkt Städtebau betrifft, liegt der Fokus darauf, wie gut den Investoren eine Verbindung des Neuen mit dem Bestehenden gelingt.“ Ein wichtiger Aspekt ist, so der Bürgermeister weiter, wie die Anbindung an den Verkehr und die Erschließung an die Parkplätze der Feuerwehr gelöst wird. Burghardt: „Die Konzepte sehen den Bau eines Kreisels an der Stelle vor, an der heute die Einmündung der Homburger Landstraße in die Hugenottenstraße ist.“

Natürlich, ergänzt Burghardt, sei für die Stadt auch die Wirtschaftlichkeit ein entscheidendes Kriterium für oder gegen einen der vier Projektentwickler. „Wir wollen mit dem Verkauf des Areals mindestens 12 Millionen Euro erzielen“, sagt der Rathauschef. Für den Investor kommen zu diesen Kosten noch geschätzte 9 Millionen Euro für die Schaffung der Infrastruktur dazu.

Wie mehrfach berichtet worden, ist auf der 70 000 Quadratmeter großen Fläche der Bau von 280 bis 300 Wohneinheiten – Einzelhäuser, Reihen- und Doppelhäuser sowie Mehrfamilienhäuser – geplant. „Aus städtebaulicher Sicht ist dieses Projekt etwas Besonderes. Denn das Areal ist zum einen relativ groß. Zum anderen ist es trotzdem ganz nah an der Innenstadt“, betont der Bürgermeister. Hinzu kommt die gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

S-Bahn in Köppern

„Denn wenn die Ökosiedlung 2019 fertig sein wird, wird vermutlich auch die geplante Verlängerung der S-Bahn-Linie von Friedrichsdorf nach Usingen fertiggestellt sein. Dann wird der Köpperner Bahnhof, der von der Ökosiedlung aus gut zu erreichen ist, zum S-Bahnhof“, meint Burghardt. Zeitgleich, verrät Burghardt, wird dann auch der Umbau des Friedrichsdorfer Bahnhofs zu einem barrierefreien Bahnhof abgeschlossen sein. Auch der Anschluss an die Buslinie 54 werde in den Konzepten zur Verkehrsanbindung der Ökosiedlung an die Homburger Landstraße berücksichtigt. Von der Einrichtung einer Bushaltestelle werden auch die Bewohner des Wohngebiets Waldkristall profitieren. Wenn alles nach Plan läuft, sagt Burghardt, könne 2016 mit dem Bau der Ökosiedlung begonnen werden. Der erste Schritt steht auch schon fest: der Abriss des Schützenhauses. Denn an dessen Stelle sollen, das sehen alle vier Konzepte vor, die Energiezentrale der Ökosiedlung sowie die Kindertagesstätte mit Unter-Dreijährigen-Betreuung entstehen. Eine elegante Lösung für den aufgeschütteten Wall der Schießanlage liegt ebenfalls vor: Dieser Bereich soll entkernt und zu einer Parklandschaft umgewandelt werden. „Als grüne Lunge der Ökosiedlung.“

Der Investor, der den Zuschlag bekommt, hat die Auflage, den Schützen eine neue Vereinsunterkunft inklusive Schießanlage am Sportpark zu bauen.

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