Neues Quartier

Ökosiedlung für 125 Millionen Euro

  • vonChristiane Paiement-Gensrich
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140 Einfamilienhäuser, Doppelhäuser, Reihenhäuser und Garten-Stadthäuser sowie 210 Eigentums- und Mietwohnungen sind bis 2021 auf dem Gelände Plantation/Petterweiler Holzweg geplant. Aber zuerst werden die Schützen umgesiedelt.

Der Eisspeicher und der siebenstöckige Wohnturm aus Holz sind sicher die beiden spektakulärsten Bauten, die auf dem Gelände Plantation/Petterweiler Holzweg entstehen sollen. Insgesamt sind auf dem sieben Hektar großen Gelände 150 Gebäude mit 350 Wohneinheiten für rund 800 Menschen – Familien, Paare und Singles aller Altersklassen – geplant. In einer Pressekonferenz stellten Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) und Vertreter des Bauträgers Frank-Gruppe gestern neue Details zur Ökosiedlung vor.

Das Gelände gehört seit 21. April der Frank-Gruppe, der Kaufvertrag mit der Stadt wurde am 21. April protokolliert. 12 Millionen Euro wollte die Stadt erzielen. Insgesamt investiert der Bauträger 125 Millionen Euro. 140 Einfamilienhäuser, Doppelhäuser, Reihenhäuser und Garten-Stadthäuser sind geplant. Ferner Eigentums- und Mietwohnungen in zehn Gebäuden zu je drei Stockwerken plus Staffelgeschoss. Hinzu kommen eine Anlage für betreutes Seniorenwohnen mit 50 Wohnungen und Pflegestation für Kurzzeitpflege, die auch einen Mittagstisch im Nachbarschaftstreff anbieten soll. Die meisten Seniorenwohnungen haben zwei Zimmer, die Hälfte von ihnen wird öffentlich geförderter Wohnraum sein. Außerdem vorgesehen: eine Kindertagesstätte, eine Bäckerei, ein Café und ein Bistro.

Ein 3750 Quadratmeter großer trapezförmiger Park soll zwischen den beiden neuen Wohnvierteln „An der Plantation“ (südlicher Teil) und „In den Obstwiesen“ (nördlicher Teil) entstehen. Die vorhandenen Bäume sollen möglichst erhalten bleiben. An der Plantationen entstehen zwischen den Häusern zudem kleine „Westentaschenparks“. Zuallererst muss aber das Schützenhaus in den neuen Sportpark verlegt werden. Das ist für Ende dieses Jahres vorgesehen. 2016 folgen die Erschließungsarbeiten. Dazu gehören Leitungen, Straßen und Parkanlagen. Und die Kreuzung zwischen Hugenottenstraße und Homburger Landstraße wird zum Verkehrs-Kreisel umgebaut – was ohne Vollsperrung möglich sei, so der Bürgermeister.

Kristallisationswärme

2017 startet der Hochbau des Quartiers „An der Plantation“, überwiegend mit begrünten Dächern. Das Feuerwehrhaus wird integriert. 2019 beginnt der Hochbau „In den Obstwiesen“. 2017/18 wird der Wohnturm – mit insgesamt 15 Wohnungen – gebaut. Und 2021 soll alles fertig sein. Der Vertrieb startet bereits Mitte 2016.

Wärme für Heizung und Wasser bekommen die künftigen Ökosiedlung-Bewohner aus besagtem Eisspeicher, auch wenn sich das eher frostig anhört. „Das ist ein großer unterirdischer Beton-Behälter voller Wasser (Durchmesser 18 Meter, Tiefe drei Meter). Dem Wasser wird Energie entzogen, die dann zum Heizen verwendet werden kann“, erklärt Ronald Klein-Knott, Vorstand der Frank-Tochter GEV, die für die städtebauliche Entwicklung zuständig ist. Kristallisationswärme nennt sich das. Wenn viel Wärme verbraucht wird, gefriert das Wasser, wird aber mit überschüssiger Solarwärme von den Dächern wieder erwärmt. Wer sehen möchte, wie die Anlage funktioniert, kann das Info-Häuschen über dem Behälter aufsuchen. Auch ein Blockheizkraftwerk gehört zur Heizanlage. Die Häuser werden nach dem neuen KfW-Effizienzhaus-Standard gebaut, der von 2016 an gilt. Bei den Baustoffen werde auf eine gute CO 2-Bilanz geachtet.

In dem Wohngebiet wird Tempo 30 gelten. Die Autos sollen in drei Tiefgaragen verschwinden, auch Einfamilienhäuser mit Garagen im Untergeschoss sind vorgesehen. So können Fußgänger und Radfahrer von Autos ungestört durch das Wohngebiet spazieren und rollen. Wem das zu anstrengend ist, der nimmt den Bus. Zwei Haltestellen werden eingerichtet. Außerdem werden Ladestationen für Elektro-Fahrräder und Elektro-Autos aufgestellt. Auch Car-Sharing ist geplant.

Professor Dr. Joachim Pös von der Nassauischen Heimstätte Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft, die die Stadt bei dem Vorhaben beraten hatte, lobte, mit der neuen Siedlung werde „ein Stück Baukultur“ realisiert. Die Ziele hatten Stadt und Träger öffentlicher Belange vorgegeben. Mehrere Bauträger hatten ihre Ideen für das Areal ausgebrütet und der Stadt vorgelegt. Vier Anbieter kamen in die engere Wahl. Ilka Rosenthal und Ulrich Nützel vom Stadtplanungsamt überprüften nach und nach, ob die technischen Lösungsvorschläge der Bauträger auch funktionieren. Bei zwei öffentlichen Terminen durften die Bürger die Ergebnisse begutachten, Fragen stellen und Hinweise geben. Über 1000 Interessierte machten davon Gebrauch. Insgesamt ein Jahr hat dieses „Dialogorientierte Verhandlungsverfahren“ gedauert.

„Köpfe haben geraucht“

Im März traf das Stadtparlament die Entscheidung für den Entwurf der Frank-Gruppe. „Die Ideen-Findung hat großen Spaß gemacht. Nächtelang haben unsere Köpfe geraucht“, verriet Marc Schauenburg, geschäftsführender Gesellschafter der Frank-Gruppe. Die Firma sitzt in Hamburg, hat 230 Mitarbeiter, eine Niederlassung in Hofheim und baut seit rund 40 Jahren Wohnanlagen im Taunus. Das Unternehmen ist nicht nur Bauträger und Projektentwickler, sondern verwaltet auch rund 20 000 Wohn- und Gewerbeeinheiten aus eigenem und fremdem Bestand. Das ist auch bei den Mietwohnungen der Friedrichsdorfer Ökosiedlung geplant.

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