In dieses Gebäude am Houiller Platz soll die Stadtbücherei einziehen.
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In dieses Gebäude am Houiller Platz soll die Stadtbücherei einziehen.

Corona bremst Investitionen

Ohne Fördermittel keine neue Bibliothek in Friedrichsdorf

  • vonChristiane Paiement-Gensrich
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Die Planungen für die neue Stadtbücherei konkretisieren sich, aber wegen der Corona-Krise steht der Eröffnungstermin in Frage

Friedrichsdorf -Die neue Stadtbücherei am Houiller Platz sollte eigentlich Anfang nächsten Jahres öffnen. Ob das klappen wird, ist angesichts der Corona-Krise fraglich. 54,25 Prozent der Umbau- und Baunebenkosten sollten aus dem Städtebauförderungsprogramm "Lebendige Zentren" kommen, hat die Stadt geschätzt. Außerdem hat die Verwaltung die Förderung mit Landesmitteln über die Hessische Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken beantragt. Gerechnet werde mit einer Förderquote von jeweils 45 Prozent. Wann und ob die Zuschüsse bewilligt würden, könne nicht verbindlich gesagt werden, heißt es in einer Beschlussvorlage, die am Donnerstag in der Stadtparlamentssitzung besprochen werden soll. Die Zusagen müssten abgewartet werden.

Die Bücherei soll in den Räumen des ehemaligen italienischen Restaurants "Classico" und des früheren Tedi-Marktes untergebracht werden. Die Stadt würde die Flächen mieten. Wie es dort nach dem Umbau aussehen könnte, zeigt die Machbarkeitsstudie eines auf Bibliotheken spezialisierten Architekturbüros, das der Beschlussvorlage beiliegt.

Um Platz zu gewinnen, soll, auf Kosten des Vermieters, die Fassade umgebaut werden, so dass die jetzigen Arkaden in die Gebäudehülle integriert werden. Insgesamt wären dann 580 Quadratmeter nutzbar, davon knapp 70 Quadratmeter durch den Fassaden-Umbau. Hinzu kommt die 38,3 Quadratmeter große ehemalige Restaurant-Terrasse.

Die Machbarkeitsstudie beginnt mit einem Zitat: "Die Bibliothek wandelt sich in ihrer Gestalt zum Kommunikationsort und Möglichkeitsraum. Sie ist nicht allein Ort zur Aufbewahrung und Bereitstellung von Medien, wie in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Bibliothek (als "Buchbehälter" übersetzt)." Weiter heißt es, sie gewinne m Zeitalter der Digitalisierung als physischer Raum für persönliche Begegnungen zunehmend an Bedeutung.

Nicht nur lange Regalwände mit 1,20 Meter breiten Gängen dazwischen könnten die neue Bücherei prägen, sondern auch ein Zeitschriften-Bereich, ein Lesecafé, ein Veranstaltungsbereich mit 60 Stühlen, ein Außen-Lesebereich, ein Kinderbereich mit Sitzstufen und ein Lernlabor. Letzteres wäre als 50 Quadratmeter große Rückzugsmöglichkeit gedacht und solle eine besondere Atmosphäre für jugendliche Nutzer bieten. Er eigne sich für das Arbeiten mit Schulklassen, Workshops und Gaming-Angebote.

Zudem ist eine überdachte Außenrückgabe geplant. Damit die Nutzer außerhalb der Öffnungszeiten Medien zurückgeben können.

Für Bibliotheksverwaltung und Personalraum sind 69 Quadratmeter vorgesehen, für den Sanitärbereich samt barrierefreier Toilette und Baby-Wickelraum sowie Technik- und Lagerfläche 44 Quadratmeter. Als reine Bibliotheksfläche bleiben 450 Quadratmeter.

Nächste Schritte

Die Mietvertragsverhandlungen seien abgeschlossen, 89 000 Euro pro Jahr im Haushalt dafür vorgesehen, heißt es in der Beschlussvorlage. Der Mietvertrag solle für 20 Jahre geschlossen werden. Die Einmalkosten für den Innenausbau der Bücherei - den die Stadt bezahlt - betrügen rund 1,05 Millionen Euro, ziehe man die eventuellen Landesförderungen ab, müsse die Stadt noch mit 543 968 Euro rechnen. Die laufenden jährlichen Mehrkosten für den Bücherei-Betrieb werden auf 172 870 Euro geschätzt. Das entspräche einer Erhöhung der Grundsteuer B von derzeit 17 Punkten.

Aber: Ohne Fördermittelzusage keine neue Bibliothek. Bis die Sache geklärt und das Projekt verwirklicht ist, muss die Stadtbücherei am alten, zu klein gewordenen und nicht behindertengerechten Standort im Institut Garnier bleiben.

Am 30. März sind zudem die "Hinweise zur Anwendung des Kommunalen Haushaltsrechts im Umgang mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie" an die Kommunen ergangen. Darin geht es um Notregelungen zum Kommunalen Haushaltsrecht. Und die Gemeindevorstände werden dazu aufgefordert, angesichts der veränderten finanziellen Lage verantwortungsvoll abzuwägen, welches Geld unbedingt ausgegeben werden muss, und welches nicht.

Trotzdem werden die Stadtverordneten am Donnerstag gebeten, den Planungen für die neue Stadtbücherei zuzustimmen. Auf dieser Grundlage könne das Vorhaben weiterverfolgt werden. Die nächsten Schritte wären unter anderem die Ausarbeitung eines Mietvertrages und die Vorbereitung eines Interessenbekundungsverfahrens für die Entwurfs- und Ausführungsplanung.

Von Christiane Paiement-Gensrich

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