Minifeuerwehren

Ohne die Kleinen geht es nicht

Einmal pro Woche wuseln Mädchen und Jungen im Alter von sechs bis zehn Jahren zwischen Löschfahrzeugen herum. Sie rollen Schläuche, basteln, spielen gemeinsam und lernen viel über Brandschutz und Feuerlöschen.

Seit 2011 gibt es bei drei Freiwilligen Feuerwehren ein Angebot für jüngere Kinder. Bei diesen Minifeuerwehren machte seinerzeit Seulberg den Anfang, drei Jahre später folgte Köppern, und seit 2016 üben sich die Kurzen bei der Feuerwehr Mitte am Strahlrohr. „Für die Kinder muss das einfach die Feuerwehr zum Anfassen sein, nur angucken funktioniert nicht“, betont Sandra Kalweit, die zu den ehrenamtlichen Teamern bei den Seulberger Minis gehört.

In allen drei Minifeuerwehren dürfen die Fahrzeuge beklettert und genau in Augenschein genommen werden. Dann wieder gibt es kleinere Übungen, bei denen Einsätze mit Schläuchen, Verteilern und Strahlrohren in Kindergröße simuliert werden. Zum Eisessen geht es schon mal im roten Einsatzfahrzeug.

Insgesamt tummeln sich derzeit knapp 50 kleine Feuerwehrfans an den drei Standorten. Die teilen sich wie folgt auf: In Seulberg sind 17 Mädchen und Jungen dabei, in Köppern 14 und in Mitte sind es 18. Die meisten Kinder stoßen durch Mundpropaganda dazu oder werden von Freunden mitgebracht. Der Zuspruch ist insgesamt sehr gut. Zum Teil so gut, dass zwischenzeitlich Wartelisten eingeführt werden mussten, um die Gruppenstärken nicht zu groß werden zu lassen.

Gegenseitige Besuche, Ausflüge zu anderen Wehren oder Rettungsdiensten und das Kräftemessen bei der Minifeuerwehr-Olympiade auf Kreisebene gehören zum Programm. Auch die Theorie kommt nicht zu kurz, egal, ob es um den richtigen Notruf am Telefon geht oder die verschiedenen Warnschilder.

„Es ist einfach super, wie interessiert die Kinder sind und was sie sich alles merken können“, freute sich die Teamerin Sandra Kalweit beim Infoabend „Minifeuerwehren“, zu dem Stadtbrandinspektor Ulrich Neeb ins Gerätehaus der Köpperner Wehr am Donnerstagabend eingeladen hatte.

Für ihn steht fest: „Ohne unsere Minifeuerwehren geht es nicht. Diese Kinder sind unsere zukünftigen Kameraden.“ Erst zu den Minis, dann mit zehn Jahren zur Jugendfeuerwehr und schließlich vom 17. Lebensjahr an zu den Einsatzkräften, so könnte eine Feuerwehrkarriere aussehen. Genau das hat jetzt als Erste eine junge Seulbergerin erreicht, die vor Jahren bei den Minis angefangen hat, wie Teamerin Yvonne Henz berichtet.

Tatsächlich geht es neben dem Spaß für die Kids auch darum, frühzeitig für genug Nachwuchs bei den ehrenamtlichen Einsatzkräften zu sorgen, denn „Quereinsteiger in späteren Jahren gibt es kaum“, so Neeb.

Auch deshalb sei diese Kinder- und Jugendarbeit so wichtig. Als Anerkennung für das Engagement gab es jetzt eine 1000-Euro-Spende der Friedrichsdorfer FDP. Dabei geht es schon bei den Miniwehren auch um bestimmte Werte wie Kameradschaft und Zusammenhalt.

„So etwas üben wir ganz gezielt in Rollenspielen“, erklärte Elke Saalmüller-Würth, die stellvertretende Leiterin der Minifeuerwehr Mitte. „Die Kinder lernen spielerisch, dass wir uns bei der Feuerwehr aufeinander verlassen müssen.“ Und Julia Werner, die stellvertretende Leiterin bei der Köpperner Minifeuerwehr, hat erlebt, dass diese sozialen Kompetenzen durchaus positiv auf andere Lebensbereiche der Kinder ausstrahlen können: „Wir hatten hier zwei Jungs, die sich in der Schule viel gestritten und gehänselt haben. Seit sie bei der Minifeuerwehr sind, haben diese Probleme aufgehört. Heute sind die beiden Freunde.“

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