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Ein nicht gerade alltäglicher Anblick: Oliver Bartes arbeitet in seinem Hof an dem Sarg seiner Mutter.

Moni Bartels

Oliver Bartels gestaltet den Sarg für seine Mutter

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Moni Bartels war eine Marke in Bad Homburg. Jahrzehntelang betrieb sie auf der Louisenstraße einen Secondhandladen. Jetzt ist die begabte Künstlerin im Alter von 72 Jahren viel zu früh verstorben. Ihr zu Ehren gestaltet Sohn Oliver ihren Sarg jetzt individuell. Dass hätte seiner Mutter mit Sicherheit gefallen.

Nicht wenige Leute, die über den kleinen Hof in der Friedrichsdorfer Bahnstraße laufen, reiben sich verwundert die Augen. Da steht doch tatsächlich auf zwei Holzböcken unter einem Sonnenschirm ein weißer Sarg. Hinter dem Fichtensarg steht Oliver Bartels und nimmt Maß. In dem Sarg soll seine kürzlich verstorbene Mutter Moni beerdigt werden – doch was macht das gute Stück im Hof des Sohnes? „Ich individualisiere den Sarg meiner Mutter“, erklärt der 48-Jährige. Das sei zum einen eine Form von Trauerbewältigung. Aber Bartels ist überzeugt, dass das Projekt seiner Mutter gefallen hätte.

Moni Bartels war ein Urgestein der Louisenstraße. Anfangs kaufte und verkaufte sie gemeinsam mit ihrem Mann Bauernmöbel, die vergangenen bald fünf Jahrzehnte hatte sie einen Secondhand-Laden No.1 auf der Louisenstraße, zunächst in der Hausnummer 23, zuletzt in einem Hof in der Louisenstraße 3. Designerjeans, Lederjacken, Kostüme oder Mäntel, all das gab es dort zu kaufen. Der Laden war aber nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit, „sondern auch eine soziale Anlaufstelle. Wer Lust hatte, ein wenig zu reden, kam in den Laden meiner Mutter“, erinnert sich ihr Sohn. Meist saß Moni Bartels dann auf einem Stuhl, eine ihrer geliebten Katzen auf dem Schoss und hörte einfach zu.

Die große Leidenschaft von Moni Bartels war jedoch die Kunst. Sie war eine leidenschaftliche Malerin. Collagen, Ölgemälde oder Aquarellzeichnungen – „meine Mutter hat sich in die Arbeiten unheimlich reingekniet. Wenn sie dann ein Bild verkaufte, konnten auch schon mal Tränen fließen“. Die künstlerische Ader, die auch ihrem Sohn zu eigen ist, hat sie vom ihrem Großvater, der von Berufs wegen Maler war. Von ihm habe seine Mutter den Freigeist und die Liebe zur Kunst mitbekommen.

Ja, man kann davon ausgehen, dass Moni Bartels mit dem Projekt ihres Sohnes einverstanden, sich sogar sehr darüber gefreut hätte. Dennoch war Oliver Bartels zunächst ein wenig mulmig zumute. Was würden die Leute denken, wenn sie dabei sehen wie er einen Sarg künstlerisch verziert? Tatsächlich blieben viele Passanten stehen – doch die Reaktionen seien positiv gewesen. „Sie fanden die Idee schön.“ Der Tod sei etwas Individuelles, warum dann nicht auch der Sarg? Zunächst besorgte der Innovationsmanager – seine „kleine Agentur“ unterstützt Erfinder bei der Produktentwicklung und Finanzierung – den Fichtensarg, den er anschließend weiß grundierte.

Auf der einen Front will er eine Intarsie mit einem Foto seiner Mutter anbringen. Auf dem Deckel wird er Blumenschmuck anbringen, in deren Farbton dann auch die Füße des Sargs bemalt werden sollen. Was die Seiten des Deckels angeht, hatte Bartels zunächst über weiteren Blumenschmuck nachgedacht. „Vielleicht ein floraler Schriftzug mit dem Namen meiner Mutter.“ Doch am Ende hat er sich beidseits für Kassetten entschieden, in denen per Transferdruck hergestellte Collagen eingearbeitet werden. Darauf zu sehen: Stationen aus Moni Bartels Leben – Bilder von ihr selbst, ihrer Familie oder von ihren Katzen.

Trauerfeier

Die Trauerfeier für Moni Bartels findet am morgigen Freitag, 13.30 Uhr, auf dem Waldfriedhof statt. Freunde und ehemalige Kunden sind willkommen.

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