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Hässlicher Anblick: eines der verlassenen Philipp-Reis-Schulgebäude.

Wegen Schwimmbad-Lärm

PRS-Ruine bleibt noch lange stehen

Eine acht Meter hohe Mauer braucht zwar nicht mehr quer durchs Freibad gebaut werden. Trotzdem macht der Schwimmbad-Lärm bei der Bebauung des alten Schulgeländes Probleme.

Die Ruine der alten Philipp-Reis-Schule (PRS) am Hohen Weg wird so schnell nicht verschwinden. Das künftige Wohngebiet, das an ihrer Stelle entstehen soll, muss nach wie vor aufwendig vor Schwimmbad-Lärm geschützt werden – und die Planungen dafür kosten viel Zeit und Geld. Mit dieser Nachricht erschreckte Bürgermeister Horst Burghardt (Grüne) die Gäste am Sonntag beim Jahresempfang der Stadt im Forum Friedrichsdorf. Viele Friedrichsdorfer hatten gehofft, dass wenigstens die Offenlage des Bebauungsplans noch dieses Jahr vom Stadtparlament beschlossen werden könnte. Damit sei nicht vor Juni zu rechnen, so der Rathauschef. Den Bebauungsplan könne das Stadtparlament frühestens Ende 2018 beschließen.

Im Januar 2012 war die Schulgemeinde ins neue Haus in der Färberstraße gezogen. Seitdem gammeln die alten Gebäude vor sich hin. „Aber während für uns die Ruine mit der Zeit immer hässlicher wird, wird sie für die Natur immer schöner“, sagte der Bürgermeister. Fledermäuse, Eidechsen die womöglich umgesiedelt werden müssten, und Pflanzengesellschaften nähmen die verlassenen Gebäude in Beschlag. Und vor jedem Bebauungsplan müsse ein Artenschutzgutachten angefertigt werden. „Das jetzige gilt nur für fünf Jahre.“ Die Folge: Der Investor müsse ein neues Gutachten erstellen lassen, das wiederum verteuere letztlich die Wohnungen.

Das Thema Lärmschutz habe sich zwar, im Vergleich zum Jahresbeginn, entspannt. Damals ging es noch um eine acht Meter hohe Mauer, hinter der das Spaßbecken mit seinen Badegästen verschwinden sollte. Eine Gesetzesänderung im Bund half den Friedrichsdorfern im Frühjahr aus der Patsche. Trotzdem müssen die künftigen Mehrfamilienhäuser vor Lärm geschützt werden. Burghardt zählte auf: „An der Südseite soll man dort kein Fenster öffnen können, und die Südseite der Balkone soll eingeglast werden.“ Daran, dass er das skurril findet, ließ der Rathauschef keinen Zweifel: Das Freibad sei ohnehin nur an vier Monaten im Jahr geöffnet. Es gebe vielleicht zehn Tage im Jahr, an denen zugleich Wochenende und bestes Schwimmbadwetter sei. An diesen Tagen sei es in der Tat laut, denn dann tummelten sich 3000 bis 3500 Menschen im Schwimmbad.

Verärgert ist er auch über die Landesregierung, die von August 2018 an allen Eltern an Wochentagen sechs Stunden kostenlose Kinderbetreuung verspricht. Pro Kind zahle das Land dafür 136 Euro an die Stadt. „Es kostet uns aber 210 Euro pro Kind.“ Burghardt nannte diese Zuschüsse daher ein „vergiftetes Geschenk“. Jede Kommune könne sich zwar aussuchen, ob sie kostenlose Kindergartenplätze anbieten wolle und den Landeszuschuss in Anspruch nehme, oder nicht. „Aber wer sich dagegen entscheidet, wird das politisch keine zehn Minuten lang durchhalten.“ Insgesamt werde die Stadt die Sache 760 000 Euro kosten.

Ärgernis Nummer 3: Die Hessenkasse. „Wir haben auf vieles verzichtet, um einen gut strukturierten Haushalt zu haben.“ Aber das Land verteile Zuschüsse nach dem Prinzip: „Wer nichts macht, dem wird geholfen. Und wer sich anstrengt, der hat Pech gehabt.“ Vor diesem Hintergrund wisse er gar nicht, ob er große Lust habe, weiterhin die noch fehlenden Pensionsrückstellungen für Beamte aufzufüllen. „Wir haben 2,7 Millionen Euro Pensionsverpflichtungen. Rückstellungen in Höhe von 1,1 Millionen Euro haben wir schon gebildet.“ Andererseits: „Ich möchte zum Ende meiner Amtszeit meinem Nachfolger sagen: Hier ist das Kassenbuch, es ist alles in Ordnung. Und nicht: „Ich habe Schulden angehäuft und weiß nicht, wie ich sie bezahlen soll.“

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