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Rattenfänger will Publikum in seinen Bann ziehen

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Von: Olivera Glicoric-Fürer

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Die Kinder auf der Freilichtbühne in Burgholzhausen scharen sich bei den Proben zum neuen Stück der Burgspielschar um den "Rattenfänger von Hameln" (Oliver Riemann). Foto: ogf
Die Kinder auf der Freilichtbühne in Burgholzhausen scharen sich bei den Proben zum neuen Stück der Burgspielschar um den "Rattenfänger von Hameln" (Oliver Riemann). Foto: ogf © ogf

Nach zwei Jahren Pause gibt es auf der Freilichtbühne Burgholzhausen am kommenden Samstag endlich wieder eine Premiere zu feiern

Burgholzhausen -Derzeit ist viel los auf dem Gelände der Freilichtbühne "Alte Burg" in Burgholzhausen. Mädchen und Jungen im Kindergarten- und Grundschulalter, mit Mauseohren, langen Schwänzen, unförmigen Roben oder langen Kutten laufen dort herum. Sie verhalten sich so, wie Kinder sich in dem Alter eben verhalten: sprunghaft, fröhlich, ausgelassen. Eltern würden ihre Kinder wahrscheinlich zur Ruhe bewegen wollen, damit die Schauspieler auf der Bühne nicht gestört werden. Tja. Wenn Väter oder Mütter denn anwesend wären . . .

Der Grund für den Betrieb auf der Freilichtbühne sind die bevorstehenden Aufführungen des Sommerstücks der Burgspielschar: "Der Rattenfänger von Hameln" steht auf dem Programm, die Premiere ist am kommenden Samstag (lesen Sie dazu die Box), die Proben befinden sich im Endstadium. "Ich muss jetzt ein bisschen Stress machen", sagt Regisseurin Tanja Garlt, doch wirkt dabei ganz entspannt. Während der Probe sitzt sie auf einem weißen Plastikstuhl mit Blick auf die grüne Bühne, auf welcher mittig die selbstgezimmerte, halbfertige Kirche aus Holz steht: "Der Kirchturm muss noch draufgesetzt werden", erklärt Jan-Tore Ohlsen, Vorstandsmitglied der Burgspielschar. Rechts der Kirche befinden sich drei Häuser, gartenhüttengroß, mit aufgemaltem Fachwerk auf weißem Gewebe: "Ich habe ganz schön viel Farbe auf dem Stoff verteilt", beschreibt die sechsjährige Mona Harff, während sie ihren langen, am Hosenboden angenähten Rattenschwanz immer wieder in der Hand zwirbelt.

Vom Froschkönig verabschiedet

Ist sie eine Ratte? "Nein, ich bin der Kommandant", korrigiert das zierliche Mädchen selbstbewusst. "Beim Bühnenbau helfen alle mit", verweist Ohlsen auf die gut funktionierende Teamarbeit innerhalb der Burgspielschar-Familie. Nach zweijähriger coronabedingter Zwangspause ist sich das Ensemble in seiner Vorfreude einig: "Endlich mal wieder ein Sommerstück." Das Märchen "Der Froschkönig" war ursprünglich geplant, erklärt Ohlsen, doch irgendwie war nach mehreren gescheiterten Probe-Anläufen die Luft raus. Das Ensemble setzte alles zurück auf Anfang und wählte ein neues Theaterstück aus. "Beim Sommerstück spielen immer Kinder mit", Kindergarten- und Grundschulkinder, Teenager, Jugendliche, aber auch Erwachsene: "Für mich macht es keinen Unterschied, ob Erwachsene oder Kinder spielen", erklärt die freiberufliche Regisseurin aus Rodgau. Garlt leitet sonst Erwachsenen- und Jugendensembles im Frankfurter Raum und führt zum ersten Mal Regie in Burgholzhausen. "Es ist erfrischend", beschreibt die erfahrene Regisseurin die Arbeit mit den jüngeren Schauspielern, auch wenn sie merke, dass die Aufmerksamkeitsspanne beim Nachwuchs schnell nachlasse, so sei es gut, dass Erwachsene mitspielen. Das wirke ausgleichend.

Dann klatscht Garlt doch noch einmal in die Hände und ruft zu mehr Disziplin auf: "Wir haben nur noch wenige Probentage", sagt sie in die Runde, die Ratten und der Rattenfänger, die Soldaten, all die anderen Kinder, der Bürgermeister und der Chronist blicken sie an, weitere Regieanweisungen erwartend. Die Autobahn hört man an diesem Tag laut, der Wind kommt wie üblich von Westen, die Stimmen der Schauspieler und der Regisseurin hört nur, wer aufmerksam lauscht. Mit Mikrofonen probt das Ensemble noch nicht, diese werden aber bald zum Einsatz kommen. "Ihr seid ganz schön oft um mich herum gelaufen", bemerkt Johannes, der Rattenfänger, gespielt von Oliver Riemann.

Natürlich soll der Rattenfänger mit seinem Flötenspiel die Ratten anlocken, doch der Ringeltanz war zu viel. Wie ist das mit der Flöte? "Ich kann eigentlich keine Flöte spielen", schmunzelt Riemann, die Musik werde, so der Plan, bei den Vorstellungen vom Band eingespielt. Schließlich wird die Szene wiederhol und nach diesem Durchlauf zeigt sich die Regisseurin zufrieden und lobt die Kinder für ihre Kreativität, weil diese sich "Freestyle" in ihrer Rolle bewegten, an Blumen schnupperten, tuschelten, imaginäres Töpfergut oder Schmuck begutachteten. "Es nimmt Form an", freut sie sich.

Requisiten werden noch benötigt, stellt Garlt fest: Seifenblasen, Schmuck, Papierblumen, Körbe. Franziska Hosseini, Gabi Kunkel und Lissy Kaupp notieren, was besorgt werden muss. Ohlsen berichtet, dass viele neue Schauspieler dabei sind. Oliver Riemann, der Rattenfänger, sei wegen seiner Tochter geblieben und Heinrich Löw erzählte, dass seine Enkelin ihn überredet hatte. Nun spielt er den Chronisten.

Doch ist die ursprüngliche Sage um den Rattenfänger von Hameln nicht eher unheimlich, weil nicht nur die Landplagen, sondern kurz darauf auch Kinder aus dem Dorf verschwinden? "Keine Sorge, wir haben das Ende umgewandelt", lacht Ohlsen, "es ist ein Familienstück und wir wollen keine Kinder erschrecken!"

Sieben Aufführungen geplant

Der Rattenfänger feiert seine Premiere am kommenden Samstag, 25. Juni, auf der Freilichtbühne in Burgholzhausen. Beginn ist um 17 Uhr. Am Sonntag, 26. Juni, geht's um 11 Uhr los. Weitere Termine sind an den Sonntagen, 3., 10. und 17. Juli, sowie an den Samstagen, 9. und 16. Juli. Samstags beginnen die Aufführungen um 17 Uhr, sonntags um 11 Uhr - bis auf die am 3. Juli. Da geht es um 16 Uhr los. Karten gibt's im Vorverkauf im Reisebüro Holiday Land Stosius im Taunus Carré sowie an der Tageskasse. Erwachsene zahlen 9, Kinder ab 3 Jahren: 6 Euro. Inhaber eines Seniorenpasses der Stadt zahlen 8 Euro.

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