„Rotary macht glücklich“

Jung und ziemlich weiblich: Zum neu gegründeten Rotary Club Friedrichsdorf gehören 11 Frauen und 13 Männer. Präsidentin Beate Schellhas erhielt aber nicht nur die offizielle Gründungsurkunde, sondern auch eine rote Laterne.

Von CHRISTIANE PAIEMENT-GENSRICH

Eine Präsidentenkette für Beate Schellhas und eine Urkunde aus den Vereinigten Staaten von Amerika haben es am Samstag offiziell gemacht: Der Rotary Club Friedrichsdorf ist nun vollwertiges Mitglied der Wohltätigkeits-Organisation Rotary International. Professor Dr. Bernhard Maisch, Governor des Rotary Distrikts 1820 (Hessen) überreichte der Präsidentin bei der Charter-Feier des Clubs in der Main Taunus International School Insigne und Dokument.

Damit ist Rotary Friedrichsdorf nicht nur der jüngste der nun 70 hessischen Rotary Clubs. Er ist auch der Club mit den durchschnittlich jüngsten Mitgliedern. Und er ist der weiblichste Club aus dem District. Unter den Gründungsmitgliedern sind 11 Frauen und 13 Männer. 33 der hessischen Clubs dagegen sind noch reine Männerbastionen, berichtete Maisch. Gemischte Clubs gibt es seit 1989. Maisch zitierte auch die vier rotarischen Prinzipien: „Ist es wahr? Ist es fair? Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen? Wird es Freundschaft und guten Willen fördern?“ Und er betonte: „Wir wollen keine Ego-Shooter-Gesellschaft sein.“ Rotary mache glücklich, das sehe er immer wieder an den strahlenden Augen von Club-Mitgliedern, die sich bei Wohltätigkeitsaktionen engagierten. Wolf-Dieter Wörth, Präsident des Rotary-Clubs Bad Homburg-Kurpark, der bei der Gründung des Friedrichsdorfer Clubs Pate gestanden hatte, gab den Friedrichsdorfern mit auf den Weg: „Seien Sie tolerant und leben Sie die Freundschaft.“ Dazu überreichte er als weitere Insignien eine Tisch-Glocke und ein passendes Hämmerchen.

„Dass Sie auch Frauen die Möglichkeit geben, sich zu engagieren, haben Sie uns voraus“, sagte Bürgermeister und Lions-Club-Mitglied Horst Burghardt (Grüne). Der Friedrichsdorfer Lions-Club nimmt nach wie vor nur Männer auf. Burghardt lobte weiter: „Es ist immer gut, wenn sich Menschen in einer Kommune für andere einsetzen, sei es in Sport, Kultur oder Wohltätigkeit.“ Ohne das bürgerschaftliche Engagement hätte es die Stadt nicht geschafft, die Flüchtlinge unterzubringen und zu betreuen. „Wir müssen zusammenstehen. Und ich bin als Bürgermeister stolz darauf, dass es hier so gut läuft.“

Präsidentin Schellhas zog eine Parallele zur Integration der Hugenotten, die im 17. Jahrhundert als Glaubensflüchtlinge aus Frankreich gekommen waren und sagte: „Man hat auch die Hugenotten damals registriert und geschaut, wo man sie ansiedeln kann. Und auch damals gab es Eifersüchteleien in den Nachbardörfern.“ Bei den heutigen Flüchtlingen gehe es ebenfalls um mehr, als ihnen ein Dach über dem Kopf zu geben: „Jetzt müssen wir sie integrieren.“

Ein Schritt dazu wird sicher die erste gemeinsame Aktion mit dem Rotary-Club Bad Homburg-Kurpark sein. Reinhard Fröhlich von den Bad Homburger Rotarieren, der zusammen mit Jörg Goll bei der Neugründung des Friedrichsdorfer Clubs geholfen hat, bot dazu Folgendes an: „Sport ist hervorragend für die Integration von Flüchtlingen geeignet.“ Ende Mai solle daher jedes Mitglied der beiden Clubs zusammen mit einem Flüchtling zu einem Heimspiel der Frankfurter Eintracht gehen. „Ich würde die Tickets für die Flüchtlinge bezahlen“, kündigte Fröhlich an.

Auch Dr. Gerd Brücks vom Friedrichsdorfer Lions-Club bot den Rotariern die Freundschaft seines Vereins, sowie die Zusammenarbeit bei Aktivitäten, etwa in Sachen Flüchtlinge, an. Und Schellhas berichtete, das sie zwecks Zusammenarbeit auch bereits Kontakt zum Verein Wir Friedrichsdorfer aufgenommen habe. Auch die Jugend liege ihr und ihren Rotary-Freunden sehr am Herzen, fügt sie hinzu.

Als Motto ihres Clubs nannte Schellhas, in Anspielung auf den Friedrichsdorfer Telefonerfinder Philipp Reis: „Durch Kommunikation entsteht Freundschaft.“ Das Bildsymbol des Clubs ist, außer dem rotarischen Zahnrad, auch das Philip-Reis-Telefon. Als Geschenk für die beiden Gründungspaten Goll und Fröhlich hatte Schellhas, die Goldschmiedin ist, zusammen mit ihrem Mann daher goldene Anstecknadeln mit dem eingravierten Reis-Telefon gefertigt.

Und dann war da noch die Sache mit der roten Laterne: Das alte Eisenbahn-Schlusslicht hatte Stephan Karl vom Club Hochheim-Flörsheim-Oberer-Rheingau der Präsidentin mitgebracht. Die Leuchte muss immer vom neusten Rotary-Club gehütet werden, so lange bis wieder ein neuer gegründet wird. Zum Trost hatte Karl aber auch einige Flaschen Wein dazugepackt. Einen Rotary-Wimpel schließlich überreichte Irene Müller im Namen des Nachbarclubs aus Kelkheim. Dann durfte getanzt werden.

Als Moderatoren führten die Rotarier Karen Engelhard und Markus Gürne durchs Programm. Für die passende Musik waren Knut Wagner (Klavier und Schlagzeug) sowie Oliver Zimmer (Trompete), Oliver Kube (Saxophon und Klarinette), Dieter Wierz (Piano), Mike Mihayovic (Bass) und Cornelia Ott (Gesang und Saxophon) verantwortlich. – Und die Rotarier und ihre Gäste selbst. Denn unter der Regie von Musikschulleiter Bert Jonas sangen sie im Chor den von Rotarier Matthias Adler getexteten Song: „Always Look On Rotary’s Side Of Life“ (nach der Melodie von „Always Look On The Bright Side Of Life“).

Die nächste Gelegenheit, Mitglieder des Rotary-Clubs Friedrichsdorf zu treffen, ist am kommenden Sonntag beim Tag des Telefons. Dann verkaufen Mitglieder Modeschmuck für einen guten Zweck.

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