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Normale Härte: Beim Kampfsport Hwal Moo Do setzen Frauen Männer außer Gefecht. Trainer Franco Zanfino schaut zu.

Kampfsport

TZ-Reporterin im Selbstversuch: Blaue Flecken gibt’s ab und zu mal

Egal, ob klein oder groß: Beim Hwal Moo Do lernt ein jeder, wie er sich richtig verteidigen kann. Eine junge TZ-Mitarbeiterin hat am Training teilgenommen und Einblicke in den noch jungen Kampfsport aus Korea erhalten.

Direkt beim Betreten des Friedrichsdorfer Hapkido Muay Thai Centers fallen die vielen Schuhe am Eingang auf. „Bitte die Schuhe ausziehen“, ertönt es auch schon, und so stehen meine Schuhe wenig später neben den anderen Paaren. Barfuß betrete ich den großen Trainingsraum, den sogenannten Dojang, dessen Boden komplett mit weichen Matten ausgelegt ist.

Dojang kommt aus dem Koreanischen und bedeutet so viel wie „Ort zum Trainieren“. Dort haben sich mittlerweile auch schon zwölf weitere Kampfsportler zum Hwal-Moo-Do-Training eingefunden. Ich reihe mich sogleich ein. Wie ein Farbklecks in heller Umgebung muss das von außen wirken.

Schnell wird mir klar: Meine Mitstreiter wissen längst, wie Hwal Moo Do funktioniert. Bei ersten Übungen für die Hand- und Fußgelenke sowie für Schultern, Beine und Rücken stelle ich fest, wie beweglich die Kursteilnehmer sind. Mit fällt es da schon etwas schwerer, mal so eben in den Spagat zu gehen. . . Doch nicht nur die Aufwärmübungen, sondern erst recht die Techniken haben es in sich.

Trainer Franco Zanfino führt Fußtritte und Armbewegungen vor. So lerne ich, wie man einen Schlag korrekt ausführt, besonders aber auch, wie man Schläge eines Gegners am besten abwehrt. Wenig später stehe ich meinem Trainingspartner gegenüber. Er zielt mit seiner Faust auf meine Nase, so dass ich den Schlag mit Techniken wie der „Katzenpfote“, bei der man die Finger seiner Hand leicht krümmt, damit diese wie die Pfote einer Katze geformt ist, sanft zur Seite abwehre. Zwar ist noch immer genug Sicherheitsabstand zwischen meiner Nase und seiner Hand, trotzdem ist es fast so, als würde ich tatsächlich von der Faust getroffen werden.

Ich merke schnell: Beim Hwal Moo Do geht es vor allem um die Verteidigung und die Abwehr von Angriffen – und nicht darum, selbst der Erste zu sein, der zuschlägt.

„Es ist eine Mischung aus Hapkido, Kumodo, Mixed Martial Arts und Kickboxen, es treffen hierbei traditionelle, aber auch sehr moderne und zeitgemäße Kampfstile aufeinander“, wird mir Zanfino später erklären, der schon seit 20 Jahren als Trainer aktiv ist. Gerade die Vielfalt mache den Sport aus, insbesondere im Vergleich zu Kampfkünsten, in denen hauptsächlich klassische Techniken gelehrt würden. Ursprünglich kommt die Kampfkunst aus Korea und wurde dort von Großmeister Moon Byoeng Tae in den 1970er Jahren begründet. Erst vor etwas mehr als 30 Jahren erreichte der Kampfsport Europa.

Mittlerweile gilt Friedrichsdorf sogar als europäisches Herz des Hwal Moo Do, denn hier befindet sich die European Hwal Moo Do Federation, dessen Vorsitzender Zanfino ist. Ziel der „Federation“ ist besonders die weitere Verbreitung des Sports in Europa. Doch nicht nur Hwal Moo Do kann man in der Friedrichsdorfer Kampfsportschule erlernen, auch Boxen, Hapkido und Muay-Thai-Kurse werden angeboten.

Die Friedrichsdorfer sind überaus erfolgreich. Weltmeister und Deutsche Meister hat der Verein schon hervorgebracht. Allerdings steht nicht nur der Erfolg im Vordergrund. Besonders wichtig sei die soziale Ausrichtung des Vereins, erklärt Zanfino (siehe Extra-Text).

Grundsätzlich spielt es keine Rolle, wie alt man ist, um Hwal Moo Do zu erlernen. Was zählt, sind die Freude und der Wille. Frühestens anfangen kann man mit sechs Jahren. Ein Maximalalter gibt es nicht. Auch meine Gruppe ist altersübergreifend, Männer und Frauen trainieren gemeinsam. Ebenfalls ist es nicht entscheidend, dass jeder in etwa gleich gut kämpft, da es neben dem Haupttrainer stets einen zweiten Coach gibt, der bei Problemen hilft. Für mich ist das eine große Erleichterung, denn die eine oder andere Technik ist gar nicht so einfach auszuführen.

Doch nicht nur, dass ich bisher noch nie Hwal Moo Do, geschweige denn eine andere Kampfsportart ausprobiert habe, auch durch meine kurze Sporthose und mein normales Sport-Shirt falle ich auf. Denn außer mir sind alle in weißen Anzügen, dem Dobok, mit bunten Gürteln gekleidet. Die Gürtelfarbe zeigt den jeweiligen sportlichen Entwicklungsstand an. Angefangen von hellen Farben wie Weiß und Gelb bis Schwarz als höchste Stufe.

„Dies bedeutet jedoch nicht, dass man dann mit seiner Entwicklung fertig ist“ sagt Trainer Zanfino. Wer bei einem schwarzen Gürtel angelangt ist, kann durch weitere Prüfungen einen Dan, also einen Meistergrad, erlangen.

Wie bei vielen asiatischen Kampfsportarten ist auch beim Hwal Moo Do die höchste Stufe der 10. Dan. Nicht nur Trainer Zanfino, auch einige andere Kursteilnehmer haben bereits Dan-Prüfungen abgelegt. Derzeit ist der jüngste Schwarzgurtträger des Vereins gerade einmal zwölf Jahre alt, der älteste ist bereits 70, fing aber erst vor etwa zehn Jahren mit dem Sport überhaupt an. „Wenn man oft trainiert und immer 100 Prozent gibt, dann kann man in ungefähr vier Jahren den Schwarzen Gürtel schaffen“ sagt Zanfino. Kommt für mich eher nicht in Frage.

Nicht nur die richtige Schlagtechnik erlernen die Teilnehmer, sondern auch zum Beispiel, wie man sich im Kampf abrollen muss. In Paare aufgeteilt, sollen wir den anderen auf den Boden „werfen“, und ihn dort durch einen bestimmten Griff so festhalten, dass er sich nicht mehr von dort wegbewegen kann. Nachdem ich alle Schritte dafür ein paar Mal durchgegangen bin, bekomme ich es auch langsam hin, meinen wesentlich größeren und älteren Partner am Boden festzusetzen. Dafür muss ich mich schon ein wenig überwinden. Ob mir das bei einem richtigen Kampf auch gelingen würde?

Besonders auffällig bei dieser Übung ist die große Disziplin in der Gruppe. Sobald jemand mit seiner Hand auf den Boden schlägt, hört der Partner sofort auf. „Das ist sehr wichtig, damit keine Verletzungen passieren“ erklärt Zanfino. „Verletzungen sind beim Hwal Moo Do aber grundsätzlich eher selten, blaue Flecken und natürlich Muskelkater, die hat jeder mal ab und zu“, schiebt er hinterher.

So endete letztlich nach eineinhalb Stunden mein erstes Hwal-Moo-Do-Training so, wie es angefangen hatte: mit Dehnübungen. Erschöpft, aber um eine Erfahrung reicher, kann ich meine Schuhe wieder anziehen. Warum man das eigentlich so macht, barfuß trainieren, will ich noch wissen. „Dies liegt an der asiatischen Philosophie. Der Sport ist lediglich ein Teil. Mindestens genauso wichtig ist auch die asiatische Lebensart.“

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