Vitos-Waldkrankenhaus stellt sich vor

Zahlen und Fakten im Festsaal, Informationen und Ansprechpartner zu zahlreichen Diensten. Und für die Kinder ein buntes Programm samt Planwagenfahrten: Gut durchmischt war das Angebot der psychiatrischen Vitos-Kliniken beim Sommerfest.

Obwohl draußen die Sonne lockte und viele attraktive Angebote mit dem Vortrag konkurrierten: Bei der Informationsveranstaltung bezüglich des Klinikneubaus in Bad Homburg, wo die meisten Stationen des Waldkrankenhauses ansässig werden sollen, war der Festsaal nahezu voll besetzt. Den Vortrag hielt der Krankenpflegedirektor von Vitos Hochtaunus, Bernd Kuschel. Vorgesehen ist in dem 25 Millionen teuren Neubau die Ansiedlung von fünf psychiatrischen Stationen: Allgemeinpsychiatrie, geschlossene Allgemeinpsychiatrie, eine integrierte Tagesklinik für Psychosomatik (Wahlleistungsstation), die Gerontopsychiatrie sowie eine Ambulanz und eine Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die auch Schulräume umfasst.

Die Suchtbehandlung wird am Waldkrankenhaus verbleiben und gemeinsam mit der Traumatherapie einen neuen Schwerpunkt bilden, der auch die Klinik Hasselborn angehören wird, sagte die leitende Ärztin im Suchtbereich, Dr. Gabriele Thies-Etzel. Sie versuchte sich gemeinsam mit Psychologin Carola Schreiner an einem Spiegelkasten, der eine mit dem Stift nachzufahrende Rallye abbildete. Das war viel schwieriger als es aussah und Gabriele Thies-Etzel erkannte die diesbezüglichen Fähigkeiten der Kollegin neidlos und selbstironisch an: „Da kommen dann die Jüngeren und machen alles besser.“

Der Tastkasten stamme ursprünglich aus der Arbeit mit Demenzpatienten, erzählte Karin Krüger, Leiterin der Ergotherapie. Sie beurteilt gemeinsam mit ihrem Team, welche arbeitstherapeutischen Maßnahmen zu welchem Patienten passen und nimmt dann die Einteilung in Gruppen vor, damit die Patienten mit Aufgaben, die ihnen entsprechen, wieder Freude am Tun entwickeln.

Auf Möglichkeiten wie diese hinzuweisen ist auch Aufgabe des am Landratsamt Bad Homburg angesiedelten Sozialpsychiatrischen Dienstes, der mit umfangreichem Infomaterial beim Sommerfest vertreten war. Die Sozialarbeiter und Psychologen stehen bei Bedarf für Hausbesuche zur Verfügung und sind erste Anlaufstelle bei psychischen Erkrankungen und Abhängigkeitsproblematiken. „Oft haben sich die Menschen schon sehr zurückgezogen, und finanzielle Probleme stehen im Vordergrund, die erst einmal gelöst werden müssen“, berichtete Jens Laubner von seiner Arbeit. Er ist für die Betreuung im Usinger Land zuständig und weiß, dass für viele Menschen mit einer psychischen Erkrankung schon der Weg zur Beratungsstelle schwer zu bewältigen ist.

Nach Bewältigung dieser Hürde stehen diverse Einrichtungen zur Verfügung, die natürlich auch direkt kontaktiert werden können. Insbesondere Familien brauchen manchmal kurzfristige Hilfe. Hier steht zum Beispiel die ambulante Familienpflege „GANZ e. V.“ zur Verfügung, Träger ist die Diakonie. Das Familienzentrum vermittelt Kinderbetreuung und Hilfe im Haushalt, auch wenn ein Elternteil psychisch erkrankt ist. Manchmal erarbeiten die Betreuerinnen gemeinsam mit den Eltern ganz grundlegende Regeln und Möglichkeiten der Haushaltsführung, das sogenannte „Haushaltsorganisationstraining“, Hilfe für Senioren gehört ebenfalls zum Programm des Vereins.

Hemmschwellen abzubauen und Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen zu überwinden ist den Veranstaltern ein besonderes Anliegen, das Sommerfest soll offen für alle sein und niedrigschwellige Angebote bekannter machen. Unverzichtbarer Bestandteil ist dabei auch die Arbeit des Vereins „Laienhilfe Miteinander“, dessen Mitglieder ehrenamtlich am Waldkrankenhaus Köppern tätig sind und zum Beispiel regelmäßig Konzerte organisieren, das „Lädchen“ mit Secondhandkleidung führen und Kaffeenachmittage veranstalten – nunmehr schon seit 50 Jahren. Das war Anlass genug, um während einer Feierstunde auf dem Sommerfest die Arbeit der Ehrenamtlichen ausgiebig zu würdigen.

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