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Von Schulbank und Büro zur erfüllenden Arbeit im Wald

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Von: Katja Schuricht

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Katharina Vetter und Hendrik Spöhrer haben als Bufdis ihre Zeit mit den Kindern im Waldkindergarten sehr genossen. Foto: Schuricht
Katharina Vetter und Hendrik Spöhrer haben als Bufdis ihre Zeit mit den Kindern im Waldkindergarten sehr genossen. Foto: Schuricht © schuricht

Katharina Vetter und Hendrick Spöhrer haben als "Bufdis" Erfahrung bei den Friedrichsdorfer "Fledermäusen" gesammelt. Jetzt sucht der Waldkindergarten Nachfolger

Friedrichsdorf -Raus aus dem Büro, rein in den Wald: Nach dem Abschluss ihrer kaufmännischen Ausbildung und zwei Jahren im Beruf har Katharina Vetter den Schritt gewagt und gekündigt. "Ich habe gemerkt, dass ich mehr mit Menschen zu tun haben möchte - mit Kindern oder im sozialen Bereich arbeiten möchte." In dieser Phase der Neuorientierung war für sie ein kompletter Neuanfang Gold wert. Die Umstellung sei zwar extrem gewesen. Aber: "Mit hat das so gut getan." Vetter kam das Jahr Bundesfreiwilligendienst im Waldkindergarten "Fledermäuse" gerade recht. "Ich habe so genügend Zeit gehabt und gemerkt, was ich wirklich will", erzählt die 25-jährige Grävenwiesbacherin. Schon in der ersten Woche bei den "Fledermäusen" sei eine große Last von ihr abgefallen. "Ich habe mich schon da entschieden, dass ich eine Ausbildung zur Erzieherin machen werde", erklärt sie. Jetzt ist ihre Zeit als "Bufdi", wie die Absolventen eines Bundesfreiwilligenjahres genannt werden, vorbei. Mit ihr verlässt Hendrik Spöhrer (20) auch der zweite Bufdi den Waldkindergarten. "Wir suchen deshalb zwei Nachfolger, die sich vorstellen könnten, bei uns nach den Sommerferien als anzufangen", sagt Roman Seibel vom pädagogischen Leitungsteam des Waldkindergartens.

Vetter und Spöhrer sind beide sehr traurig, dass das Jahr vorbei ist. "Ich habe viel über mich gelernt", sagt Vetter. Mit zu den tollsten Erfahrungen gehört für sie, "dass die Kinder mich so nehmen wir ich bin", erläutert sie. Und: "So viel gelacht wie in diesem Bufdi-Jahr habe ich noch nie zuvor. Man bekommt so viel zurück. Deshalb fällt mir jetzt der Abschied auch sehr schwer."

Mit Kindern zu arbeiten, heißt auch, an sich selbst zu arbeiten, so ihre Erfahrung. "Den ganzen Tag draußen in der Natur zu sein hat mich ausgeglichener gemacht", sagt die 25-Jährige, die auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Vetter lobt auch das Team, das "immer hinter einem steht. Und von ihnen nehme ich einiges an Lebenserfahrung mit."

Auch Hendrik Spöhrer kommt ins Schwärmen. "Ich wusste nach dem Abi nicht, was ich machen will", erzählst der 20-Jährige, wie er zum Bufdi gekommen ist. "Bei mir hat es zwar etwas gedauert, bis ich hier richtig angekommen bin, doch jetzt möchte ich gar nicht mehr weg. Es war sehr bereichernd, mit Kindern zu arbeiten. Dadurch arbeitet man an sich und denkt über den Einfluss der eigenen Erziehung nach, denn diese prägt, wie man mit Kindern umgeht", findet er. Ganz nebenbei habe er gelernt, mit wenig klar zu kommen. "Ich habe zudem mein Allgemeinwissen erweitert und Neues über die Natur und die Tiere gelernt, beispielsweise kenne ich jetzt Käferarten, von denen ich zuvor nie gehört hatte", meint er.

Plötzlich geht es nicht mehr um Noten

Für einen kurzen Moment, verrät er, habe er sich gut vorstellen können, Erzieher zu werden. "Aber ich werde jetzt ganz bewusst einen Kontrast zu dieser Zeit im Waldkindergarten setzen", erzählt er. "Ich werde eine Ausbildung zum Verwaltungsfachmann bei der Gemeinde Grävenwiesbach anfangen und danach ausloten, welcher Bereich der richtige für mich ist." Das Jahr als Bufdi wertet der Köpperner als "gut investierte Zeit."

Die Erfahrungen von Vetter und Spöhrer kann Pädagoge Seibel nur bestätigen. "Wir merken immer wieder, dass gerade für Schulabgänger dieses Jahr eine wertvolle Zeit ist", sagt Seibel, der den Waldkindergarten gemeinsam mit Dr. Karin Dinter leitet. "Die Zeit ist wertvoll für die jungen Menschen, aber auch andersherum sehr wertvoll für uns", betont er. "Die Zeit kann eine Art Selbstfindungszeit sein. Es ist auch das ideale Alter: Direkt nach der Schule übernehmen die jungen Leute hier bei uns das erste Mal Verantwortung. Sie können sich ausprobieren und daran wachsen", meint er. "Sie merken, dass sie wichtig sind und dass es mal nicht um Noten geht."

Dass Bufdis zum pädagogischen Team dazugehören, ist seit Jahren eine Tradition bei den "Fledermäusen". "Idealerweise nehmen wir jedes Jahr zwei Bufdis", berichtet er. Und Katharina Vetter ist nicht die erste, sagt Seibel, die sich nach ihrem Jahr im Waldkindergarten für eine pädagogische Ausbildung entscheidet. "Bufdis zu haben ist bei uns schon eine Tradition, sie gehören zu unserem pädagogischen Konzept", betont Seibel. "Unsere können gerne auch eigene Projekte mit den Kindern auf die Beine stellen", wirbt Seibel. "Wir würden uns sehr freuen, wenn wir möglichst schnell zwei Nachfolger für Katharina und Hendrik finden könnten."

Taschengeld und Dienst-E-Bike

Der Bundesfreiwilligendienst (BFD) ist für alle gedacht, die sich außerhalb von Schule und Beruf für das Allgemeinwohl einsetzen möchten, speziell in soziologischen, ökologischen, sportlichen oder kulturellen Bereichen. Der Einsatz für diejenigen, die den Bundesfreiwilligendienst machen und "Bufdis" genannt werden, dauert meistens ein Jahr. "Nichts erfüllt mehr, als gebraucht zu werden", lautet auch das Motto, mit dem der Friedrichsdorfer Waldkindergarten "Die Fledermäuse" jetzt Verstärkung sucht. Willkommen ist, wer Spaß daran hat, praktische Erfahrungen zu machen und erste Einblicke in die Berufswelt haben wollen. In der Ausschreibung des Waldkindergartens heißt es außerdem, Bewerber sollten "nicht aus Zucker" sein, denn das Toben, Tollen und Basteln mit den Kindern findet bei Wind und Wetter draußen statt. Im Waldkindergarten werden derzeit 23 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren betreut. Das Bufdi-Jahr bei den Fledermäusen startet am 5. September. Neben einem Taschengeld stellt der Waldkindergarten seinen Bufdis ein E-Mountainbike als Dienstfahrrad zur Verfügung. Wer sich bewerben möchte, kann die Anfrage an die Mailadresse info@waldkindergarten-frd.de richten. Weitere Informationen gibt es unter www.waldkindergarten-frd.de.

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