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Friedrichstraße unter der Lupe

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Studenten aus Gießen analysieren derzeit die Friedrichstraße. Die Stadt hofft, von den Ergebnissen profitieren zu können.

Der Verlauf der Friedrichstraße ist ungewöhnlich: Sie beginnt an der Einmündung zur Hainstraße, gegenüber der Ausfahrt des Schlosshotels und führt relativ steil in Richtung Schönberger Ortsmitte hinab. Dort, wo von rechts die Schillerstraße auf die Friedrichstraße stößt, macht sie einen scharfen Knick nach links, bleibt bis zu Kirche St. Alban recht gerade, um an dem Kirchlein scharf nach rechts abzubiegen. Dann geht es bergan am ehemaligen RPZ (links), der Viktoriaschule und der Kita Racker-Acker (beide rechts) weiter in Richtung Oberhöchstadt. Auf dem Weg zur Kreuzung Le-Lavandou-Straße/Oberhöchstädter Straße/Schönberger Straße führt sie am Friedhof (links) vorbei. An der besagten Kreuzung vor der Altkönigschule endet die Straße.

Für vier Studenten der Technischen Hochschule Mittelhessen, Campus Gießen, ist die Straße Forschungsgegenstand. Die angehenden Ingenieure schreiben ihre Bachelorarbeit über diese Ortsdurchfahrt. Dass sie sich mit dieser und keiner anderen Straße befassen, liegt an ihrem Professor im Fachbereich Bauwesen: Professor Dr. Ing. Frank Lademann wohnt nämlich seit 1980 in Kronberg. Und ungefähr genau so lange hält er die Friedrichstraße für „katastrophal“.

Vielleicht können die Arbeiten der Studenten helfen, diese Situation zu verbessern. Ziel sei es, dass die Arbeit nicht in der Schublade landet, sagt Lademann. Die Chancen, dass die Arbeit nicht folgenlos bleibt, stehen nicht schlecht, denn die Studierenden stehen in engem Kontakt mit der Stadt. Diplomingenieurin Eleni Mayer-Kalentzi, im Fachbereich 4 des Rathauses für die Städtebauliche Planung zuständig, firmiert als Koreferentin.

Bei den Besprechungsterminen, wie er gestern Mittag stattfand, nimmt auch Erster Stadtrat Jürgen Odszuck (parteilos) teil: „Für uns ist das eine Riesenchance, dass sich hier jemand mit solch einer Tiefe mit der Friedrichstraße befasst.“ Die Ergebnisse könnten bei künftigen Planungen für die Gestaltung des Ortsmittelpunktes eine Rolle spielen.

Die Studenten Sebastian Käs, Laura Werner und Carina Bender haben jeweils einen Abschnitt (Nord, Mitte, Ost) betrachtet. Alexander Warmbolds Arbeit beginnt, wenn die der anderen abgeschlossen ist: Er wird die Ergebnisse in eine Drei-D-Animation verwandeln.

Sebastian Käs hat sich unter anderem mit der Einmündung an der Hainstraße befasst. Fußgänger, die von der Friedrichstraße zum Schlosshotel wollen, hätten es schwer, dort zu kreuzen. Einmal pro Stunde sei es außerdem zu brenzligen Situationen gekommen, weil die Kreuzung nicht sehr übersichtlich ist, die Autofahrer aber auf der Hainstraße oftmals viel zu schnell unterwegs sind.

Aus verkehrsplanerischer Sicht die vernünftigste Lösung wäre vermutlich ein Kreisel. Doch der wäre aufgrund der Topographie nur mit hohem baulichen Aufwand zu realisieren. Außerdem wäre Grundstückerwerb vonnöten. Angesichts der städtischen Haushaltslage keine praktikable Option. Jeweils eine Verkehrsinsel auf der Hainstraße und eine in der Friedrichstraße, das scheint doch die realistischere Lösung, um die Autofahrer dazu zu bringen, dort die Geschwindigkeit zu reduzieren.

Odszuck nutzt die Gelegenheit, die Studenten zu ermuntern, immer alle Vor- und Nachteile einer Variante darzustellen. Dass die Außendarstellung für Projekte wesentlich sein könne und dass in der Praxis die Politik ein Wörtchen mitzureden hat, auch daran müssen die Ingenieure von morgen denken.

Vielleicht wäre ein versetztes Parken ein probates Mittel, um die Autofahrer im östlichen Abschnitt der Friedrichstraße dazu zu bringen, sich an Tempo 30 zu halten. Carina Bender muss sich jetzt damit befassen, auf welcher Seite sich wo die jeweiligen Parkflächen am besten anordnen lassen – und wie sich verhindern lässt, dass sie mit den Grundstücksausfahrten ins Gehege kommen.

Laura Werner hatte eben noch am Besprechungstisch im Rathaus gezeigt, wo die Fußgänger auf der Friedrichstraße in der Ortsmitte ganz besonders wenig Platz haben (nämlich an der Kirche), während gegenüber die Einmündung zur Wiesenau fast schon verschwenderisch breit erscheint. Jetzt steht sie mit ihrem Professor und den Kommilitonen an genau diesem Punkt und schaut, wo die Busse halten und wo Querungshilfen für Fußgänger am sinnvollsten wären. Zuvor hatte der Trupp noch einen kurzen Ortstermin an der Viktoriaschule. Mit den Akteuren zu sprechen kann nie schaden, wenn man plant, eine Situation zu verbessern.

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