Diesen Helikopter wird man in den kommenden Wochen noch öfter über den Waldgebieten des Hochtaunuskreises schweben sehen. Bis Ende März wird der Waldboden aus der Luft mit magnesiumhaltigem Kalksand versorgt.
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Diesen Helikopter wird man in den kommenden Wochen noch öfter über den Waldgebieten des Hochtaunuskreises schweben sehen. Bis Ende März wird der Waldboden aus der Luft mit magnesiumhaltigem Kalksand versorgt.

Tonnenweise Kalk aus der Luft

Frühjahrskur für den Taunus-Wald

  • vonEsther Fuchs
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Bei der Waldkalkung im Hoch- und Main-Taunus-Kreis wird den Säuregehalt im Boden neutralisiert. Ein Helikopter verteilt 200 Tonnen am Tag.

Hochtaunus -Es rattert und wummert. Wer dieser Tage in Richtung Himmel blickt und die Ohren spitzt, nimmt unweigerlich den in luftiger Höhe fliegenden Airbus Helikopter AS 350 B2 wahr. Seit Dienstag findet in den Wäldern des Main-Taunus- und Hochtaunuskreises die sogenannte Waldkalkung statt. Knapp 16 000 Hektar Waldfläche sollen bis Ende März mit feinstem Kalksand benetzt werden.

Dieser dringt als natürlicher Dünger in die Erdschichten ein und hilft der Natur. Die regionalen Forstämter haben anhand von Bodenproben die zu bekalkenden Waldflächen ermittelt. Die Firma Rheinkalk liefert das Streugut, das von den Hubschraubern der Luftreederei Meravo ausgebracht wird.

"Alle 10 bis 20 Jahre ist so eine Waldkalkung sinnvoll", überschlägt Peter Lepke, Eppsteins Revierförster. Die letzten Waldkalkungen fanden zwischen 1997 und 2000 statt.

Die Waldkalkung, auch Forstkalkung genannt, bringt kohlensauren Magnesiumkalk in stark versauerte Wälder aus der Luft ein. Ziel ist es, den pH-Wert des Waldbodens zu erhöhen und so der Waldbodenversauerung entgegenzuwirken (mehr über den positiven Effekt des Kalks lesen Sie in der Infobox).

Pilot und Baggerfahrer bilden ein Team

Paul Buchner, Pilot des weißen Meravo-Helikopters hat Erfahrung auf dem Gebiet. Alle zwei Minuten steuert er die von seinem Kollegen Ralf Henschel ausgesuchte Freifläche im Forstrevier Eppstein an. Dort belädt Baggerfahrer Falco Heß den mit einem Nylonseil vom Bauch des Helis herabhängenden Streutrichter mit Kalksand. Buchner dreht seine Runden parzellenweise in verschiedenen Gebieten, die von Eppstein rund um den Großen Feldberg, nach Schmitten bis in die Gegend um Bad Homburg reichen.

Katharina Herweh von Hessen Forst, Forstamt Königstein, betreut die revierübergreifende Bekalkung. Der Staatswald weist stattliche 6500 Hektar Waldfläche auf. Bekalkt werden darf jedoch längst nicht jeder Winkel des Waldes. "Es gibt sogenannte Ausschlussflächen, also Teile, die nicht angeflogen werden", erläutert Herweh.

Genaueres verrät Jeremias Gottschalk, Leiter des Forstreviers Kelkheim: "Naturschutzgebiete, Kulturflächen, Biotope oder Gewässer bleiben beispielsweise unberücksichtigt."

Acht Stunden ist Pilot Buchner täglich in der Luft. Hinzu kommen Vorbereitungen, Tankpausen und Nacharbeiten am Ende des Arbeitstages. Fünf 40-Tonnen-Lkw teilen sich die Anlieferung des fein gemahlenen, bräunlichen Kalksteins. Die Kalksandmassen kommen von der Firma Rheinkalk.

Die Zusammensetzung des Streuguts erklärt Tobias Rief, Market Manager Agriculture: "Wir haben es hier mit feinkörnigem Dolomit zu tun. Die braune Farbe ist auf die Geologie des Steins zurückzuführen. Dolomit ist auf natürliche Weise mit Magnesium angereichert. Das hilft dem Boden."

25 Meter langes Nylonseil und ein Trichter

"Das Magnesium ist ein wichtiger Nährstoff der Bäume", so Herweh. Der aus der Luft ausgestreute Sand gelangt durch das Regenwasser in die Erdschichten des Waldbodens. Magnesium hilft den Bäumen bei der Bildung des grünen Blattfarbstoffs Chlorophyll. Nur mit Hilfe von Chlorophyll sind Baumblätter in der Lage, die Energie des Sonnenlichts einzufangen und mit Wasser und Kohlendioxid Traubenzucker (Glucose) zu bilden. Pflanzen betreiben diese Photosynthese zum Überleben.

Die Kalkung hilft daher allen Pflanzen. Noch bis Ende März wird Pilot Paul Buchner seine Runden über diversen Waldgebieten drehen. Das 25 Meter lange Nylonseil und den mit Kalksand gefüllten Trichter hat er immer dabei. Ein Nylonseil ist im Vergleich zu einem Stahlseil beweglicher. Es ermöglicht auch wendige Manöver. Täglich werden in etwa 200 Tonnen Kalk aus der Luft abgeladen.

"Glücklicherweise haben wir zurzeit gute Wetterverhältnisse, die wir ausnutzen", so Mandy Gantz von Hessen Forst. Die Aktion war ursprünglich für Anfang Februar geplant. "Doch da war es einfach zu eisig. Die Zufahrten waren verschneit", erklärt Gantz.

In rund zwei Wochen (Anfang März) soll, so der Plan, insbesondere die Gegend um Königstein und Kronberg gekalkt werden. Auch auf der Billtalhöhe wird der Hubschrauber kreisen. Katharina Herweh bittet Ausflügler, die angeflogenen Waldstellen zu meiden. Wann und wo die Einsätze stattfinden, können Spaziergänger und Wandervögel auf der Homepage www.hessen-forst.de einsehen. VON Esther Fuchs

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