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Für Hochwasser gewappnet sein

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In Hunoldstal setzt die Weil immer mal Gärten unter Wasser. © Red

Hochtaunuskreis. Nach extrem schneller Schneeschmelze im Frühjahr oder, wenn Starkregen niedergeht, kommt es auch im Usinger Land immer wieder zu Überschwemmungen. Im Januar vergangenen Jahres kamen etwa Hunoldstal und Dorfweil sowie Rod an der Weil noch einmal glimpflich davon, im Juni dann waren Hausen-Arnsbach und Westerfeld sowie Brombach und Hunoldstal stark von Überflutungen betroffen.

Das war aber alles kein Vergleich zur verheerenden Flutkatastrophe wenige Wochen später im Ahrtal und in Teilen von Nordrhein-Westfalen.

Kalkulierbar sind solche Ereignisse nicht. Dennoch haben alle Kommunen im Usinger Land inzwischen Vorkehrungen eingeleitet, um künftig größere Schäden durch das Wasser zu verhindern. Dabei sind die Gemeinden unterschiedlich weit. An Weil und Usa wurden schon in den vergangenen Jahren an manchen Stellen Durchlässe vergrößert und Bäche renaturiert. Überall werden laut Auskunft aus den Rathäusern regelmäßig Bachläufe, vor allem Einläufe und Einlaufbauwerke geprüft und Unrat und Bewuchs, die schnell zu Hindernissen werden, beseitigt.

Mehr Sandsäcke für den Notfall

Die Feuerwehren in Neu-Anspach und Weilrod haben die Menge an gefüllten Sandsäcken seit dem vergangenen Jahr nach eigenen Angaben deutlich aufgestockt, um im Notfall die Wassermassen bremsen zu können. Die Weilroder Wehr hat für den Transport der Sandsäcke inzwischen einen Gerätewagen-Logistik angeschafft, um wie die Neu-Anspacher viele Sandsäcke auf einmal und damit schnell an eine gefährdete Stelle bringen zu können.

Durch neue Baugebiete und Straßenbaumaßnahmen können sich Gefährdungspotenziale ändern. Möglicherweise hat die Entwässerung der K723 einen negativen Einfluss auf den Fließpfad des Stockbachs, der im Juni in Brombach Keller und Wohnräume überflutete (wir berichteten). Die neuen Fließpfadkarten vom Land Hessen sollen zeigen, welche Straßen oder Plätze bei Starkregen besonders gefährdet sind. Sie sind als rein topografische Geländeanalyse aber nur bedingt aussagefähig.

In Weilrod, Neu-Anspach und Usingen liegen diese Karten schon vor, in Schmitten werden die Ergebnisse im Sommer erwartet, Grävenwiesbach wartet ebenfalls noch darauf. Aber Neu-Anspach Bürgermeister Thomas Pauli (SPD) sagt: »Die Fließpfadkarte hilft uns nicht weiter, sie zeigt uns nur das, was wir schon wissen.« Nicht nur die Stadt Neu-Anspach setzt daher auf eine vertiefende sogenannte Hochwassergefahrenpotenzialkarte. Dafür soll ein Fachbüro eine 50 000 Euro teure förderfähige Studie ausführen. Diese soll laut Pauli für die Klimakommune in Auftrag gegeben werden, sobald der Bewilligungsbescheid vorliegt. Maßnahmen, die sich aus dieser Studie ergeben, könnten damit frühestens in den Haushalt 2023 eingestellt werden.

Studie: Wo sind gefährdete Gebiete?

Auch Bürgermeister Steffen Wernard (CDU) wartet auf den Fördermittelbescheid für die Stadt Usingen, wo die Studie 100 000 Euro kosten wird. »Dafür gibt es 100 Prozent Landesförderung«, berichtet der Rathauschef. Er macht klar, wie wichtig diese weiterführende Studie ist, und sagt: »Die Hochwassergefährdung hat in den vergangenen 20 Jahren um den Faktor sieben zugenommen.« Er hofft, dass die Studie noch in diesem Jahr fertig wird. Über ein Simulationsmodell, in dem auch versiegelte Flächen berücksichtigt werden, werde berechnet, wo im Stadtgebiet das Wasser wie fließt und damit auch wo die größte Hochwassergefährdung ist. Sollten sich aus dieser Untersuchung dringend erforderliche Maßnahmen ergeben, müssten diese politisch auf den Weg gebracht werden.

Schmittens Bürgermeisterin Julia Krügers (CDU) rechnet mit dem Ergebnis der Simulationsanalyse für 2023. Dann soll mit den Feuerwehren und dem Forst ein Maßnahmenplan erarbeitet und im zweiten Halbjahr der Gemeindevertretung vorgelegt werden. Ab 2024 könne es dann in die Umsetzung gehen. Auch der Schmittener Straßenprioritätenplan wird ab 2024 fortgesetzt - auch hier ein Augenmerk auf den Aspekt Schutz vor Schäden von Starkregen gelegt werden.

Da die Feuerwehren in Weilrod gut gerüstet sind, reicht es Bürgermeister Götz Esser (FWG) erst einmal zu wissen, wo die Schwerpunkte einer möglichen Gefährdung liegen. »Bauliche Maßnahmen sind in Weilrod bislang nicht geplant«, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung.

Größe der Kanäle könnte Problem sein

Kleinmaßnahmen für den Hochwasserschutz werden in Grävenwiesbach im Rahmen des Unterhaltes aus laufenden Mitteln bestritten. »Der Entlastungskanal für den Laubach ist noch nicht im Plan«, teilt Bürgermeister Roland Seel (CDU) mit. »Erst wenn klar ist, welche Gebiete in der Gemeinde wirklich gefährdet sind, wird sich zeigen, was nötig ist, und wir können schauen, welche Investition möglich ist.« Die Dimensionierung der Kanäle werde laut Seel das Problem sein, wenn irgendwo unverhofft Starkregen niedergeht.

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