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Jens Kleemann, Riklef von Schüssler und Jochen Ball (von links) sind die Macher hinter "groundr", dem Gründerzentrum. Seit vergangene Woche hat das Zentrum auch eine physische Heimat - mitten in der Stadt, nämlich im Kurhaus.

Start-up-Unternehmen sind jetzt im Kurhaus angesiedelt und haben jede Menge Ideen

Zweieinhalb Jahre ist es her, dass sich eine Initiative zusammentat, die dafür Sorge tragen wollte, die Stadt attraktiver für Jungunternehmer zu machen. Für Gründer eben. Perspektivisch wollte die Initiative denn auch ein Gründerzentrum errichten. Das ist nun gelungen. Vergangene Woche wurde das Zentrum eröffnet.

Bad Homburg - Bill Gates wird unter Gründern sicher oft genannt. Wie er damals in seiner Garage Microsoft gründete. Weswegen man auch als Nicht-Unternehmensgründer davon überzeugt ist, dass Start-Ups in der Regel irgendwo im Hinterhof ihre Anfänge nehmen. Möglicherweise. Aber keinesfalls in Bad Homburg. Denn hier gibt's seit Dienstag ein Gründerzentrum mitten in der Stadt - im Kurhaus.

Und tatsächlich hätten Riklef von Schüssler, Jens Klemann, Jochen Ball und Dr. Matthias Klöpper, die Macher hinter "groundr", wie sich das Gründerzentrum nennt, keinen besseren Standort finden können als hier. Denn, wie von Schüssler sagt: "Zugegeben, das Kurhaus ist nicht unbedingt die typische alte Fabrik mit Backsteinfassade, aber die Lage ist einfach unschlagbar." Denn dort seien die Start-up-Unternehmer sichtbar für ihre potenziellen Kunden.

Und was die dort zu sehen bekommen: Zum Beispiel ein ganz besonderes Raum-Farbkonzept, für ein Büro, in dem man sich eben auch gerne aufhält, ohne zu wissen, wieso eigentlich. Geschaffen hat es das Team des gerade erst im Juni gegründeten Start-ups von "Fabel Innovationsbau", das eben einiges mehr bietet als die üblichen Malerarbeiten.

Kunst, die Lärm schluckt

Wer Probleme hat, im Großraumbüro zu sitzen - und im Prinzip sind die 150 Quadratmeter im Erdgeschoss des Kurhauses genau das - dem helfen die Gründer von "Visionwall". Die Idee von Geschäftsführerin Julia Metje ist bestechend: Sie verkauft - natürlich hat sie bereits Kooperationen mit Künstlern und Nachwuchstalenten - schallabsorbierende Kunst. Die sieht nicht nur cool aus, sondern dämmt eben den Lärm im Zimmer und steigert so das Wohlbefinden von jedem, der sich darin aufhält.

Jungunternehmer haben in der Regel kein Geld für Autos. Sie fahren mit dem Fahrrad. Aber das ist ja nun nicht immer ungefährlich. Gerade in einer Stadt wie Bad Homburg, die gerade erst dabei ist, ihr Radverkehrskonzept auf den Weg zu bringen und wo bekanntlich noch viel getan werden muss. Da kommt die Idee von "Revoluxio" doch gerade recht: ein Tagfahrlicht für Fahrräder. Start-up kann ja so einfach sein.

Der Nachwuchs braucht eine Zahnspange? Was das nur kostet! Und dann diese dauernden Besuche beim Kieferorthopäden. Von wegen! Das Team von "Braceless" macht den Besuch in der Praxis sozusagen überflüssig. Man bekommt ein Set zugeschickt, mit dem man daheim Abdrücke des Kiefers nimmt. Die werden eingeschickt und dann wird eine transparente Zahnschiene gefertigt. Kosmetische Zahnkorrektur war vermutlich nie einfacher.

Solche und weitere Ideen werden künftig also im Gründerzentrum im Kurhaus geboren. "Was davon nachhaltig und erfolgreich wird, wird sich zeigen", sagen von Schüssler und Kleemann unisono, aber wichtig, sei die Lust an der Innovation, der Mut, etwas auszuprobieren. Kleemann: "Und selbst wenn man in der ersten Runde scheitert, werden die Erfahrungen die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten in der zweiten Runde erhöhen. Denn es ist wichtig, nach einem Misserfolg auch wieder aufzustehen und weiterzumachen."

Bestens vernetzt

Das hört die Stadt sicher gerne. Sie ist, wie mehrfach berichtet, einer der Haupt-Förderer des Gründerzentrums, unterstützt die Sache mit 80 000 Euro.

Geld ist eine Sache, die Arbeit professionell zu machen, eine andere. Um Gründungs-und Nachfolgeprozesse zu professionalisieren, hat ein weiterer Hauptpartner von "groundr", die Accadis-Hochschule, das "accadis Institute of Entrepreneurship" aus der Taufe gehoben. Das Institut erforscht Phänomene rund um Unternehmensgründungen, Unternehmensnachfolgen und Unternehmertum und entwickelt daraus für die Praxis anwendbare Konzepte.

Ein Konzept, zumindest ein räumliches, hat die "groundr"-Initiative selbst einem weiteren Förderer zu verdanken: Der Taunus Sparkasse. "Vorstandsvorsitzender Oliver Klink fragte uns vor vier Monaten, wann denn nun ein physisches Zentrum für die Gründer käme", sagte von Schüssler bei der Einweihung vergangene Woche. "Wir sagten, bald. Er sagte: Lasst uns das jetzt machen. Wir haben doch Raum hier im Kurhaus. Das war klasse."

Klasse war vor allem, zu sehen, wie vernetzt die Gründer und ihre Gönner und Mentoren bereits in der Frühphase sind. So fungierte in den vergangenen beiden Jahren Accadis-Studentin Maria Hademer - die übrigens ein Stipendium hatte, das die Frankfurter Neue Presse mit ihren Regionalausgaben, zu denen auch die Taunus Zeitung gehört, in Zusammenarbeit mit accadis alljährlich vergibt - als "Connector", wie von Schüssler sie nannte, also als Bindeglied zwischen, ja nun, allen. Inzwischen hat sie ihren Bachelor in "Media and Creative Industries Management" gemacht und will nun ihren Master draufsetzen. Wer weiß, welche Start-up-Ideen sie im Rahmen dessen so entwickelt. In einer Garage wird sie dafür jedenfalls keinen alten Tisch aufstellen müssen.

VON SABINE MÜNSTERMANN

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