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Voll vermummt haben Sören und Björn Stracke die Eichenprozessionsspinner in Merzhausen abgesaugt.

Gefährliche Raupen

Schädlingsbekämpfer gehen gegen Eichenprozessionsspinner vor

Sie sind nur zu sehen, wenn man genau hinsieht. Doch die Eichenprozessionsspinner sind schon fleißig unterwegs und haben jetzt sozusagen Hochkonjunktur. Auch in Usingen waren nun mehrere Bäume befallen, denen die Stadt mit einer ungewöhnlichen Methode Beine machte.

Usingen - Eichen sollst du weichen, Buchen musst du suchen. Ein Spruch, der in früheren Jahren häufig mit Blick auf ein Gewitter angewendet wurde und selbstverständlich Unfug ist. Mit Blick auf die Insekten, die derzeit an den Eichen unterwegs sind, trifft er allerdings mehr als zu.

Denn der Eichenprozessionsspinner ist derzeit an vielen Eichen unterwegs. Das hat Wadim Heinrich, von der Stadt Usingen beauftragter Baumpfleger, festgestellt. "Wir haben etwa 400 Eichen im Waldbestand", sagt Heinrich. Alle muss er jedes Jahr kontrollieren, denn einige von ihnen stehen auch im Usinger Schlosspark.

Gefährliche Brennhaare

Mit Fernglas und Mundschutz ausgerüstet, sucht er speziell Eichen nach Eichenprozessionsspinnern ab. Deren Kinderstubenzeit beginnt in etwa ab Mai. Dann spinnen die Raupen weiße Nester, die aussehen, als hätten mehrere Spinnen ihre Netze übereinander gewebt. Darin kuscheln sich die Raupen des Nachts zusammen, um dann tagsüber auf Futtersuche zu gehen.

"Dann sind sie auf der Eiche unterwegs und fressen die Blätter ab", erklärt Heinrich. Blöd für die Eiche, die so in einem Frühjahr das gesamte Blattwerk verlieren kann. Das alleine wäre für die Stadt noch kein Grund, die Raupen von den Bäumen zu entfernen. Schließlich dienen sie im besten Fall auch noch als Vogelfutter.

Was die Raupen aber kurz vor ihrer Verpuppung so gefährlich macht, sind ihre Brennhaare. "Kommen die Menschen damit in Berührung gibt es Pusteln", weiß auch Björn Stracke von der gleichnamigen Firma aus Wehrheim. Aber auch Atemnot, Asthma, Husten und Bronchitis, Bindehautentzündungen und einiges mehr löst der Kontakt mit den Brennhaaren aus.

Alles entsorgen

Ab April/Mai beginnen die Raupen, die Haare auszubilden, "ab Anfang Juli werfen sie diese ab", erklärt Heinrich. Deshalb beauftragte er nun die Firma Stracke, die Nester abzusaugen. "Dazu nutzen wir einen Industriestaubsauger", erklärt Björn Stracke, und Sören Stracke ergänzt: "Die Raupen werden dann in einem Behälter gesammelt und anschließend über FES entsorgt."

Gleiches gilt auch für die Schutzanzüge, mit denen die beiden Männer arbeiten müssen, um mit den Insekten nicht in Kontakt zu kommen. Zwölf Bäume hat Heinrich ausgemacht, "im vergangenen Jahr waren es 30."

Im öffentlichen Bereich sind gestern alle Nester entfernt worden, unter anderem am Spielplatz in Merzhausen. "Im Wald machen wir das nicht, da gibt es aber Hinweise", sagt Heinrich.

Wer dennoch ein Nest bei sich oder im öffentlichen Raum entdeckt, kann sich direkt an Wadim Heinrich wenden unter der Telefonnummer (01 51) 18 06 60 60.

VON TATJANA SEIBT

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