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Geflüchtete helfen Geflüchteten: Weilroder Erbismühle lebt Solidarität vor

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Im wahrsten Sinne »Hilfe ohne Grenzen«; Marion Wiegand (Mitte) und Timo Ranft beim Kistenpacken gemeinsam mit ihren irakischen Helfern, unter anderem Hindirin (2. v. r.) und Vater Amin (l.). © Alexander Schneider

Sie wissen, was es heißt, nur mit den Kleidern am Leib vor einem Krieg fliehen zu müssen: die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Erbismühle in Weilrod. Nun wollen sie etwas zurückgeben.

Weilrod. Hindirin ist zwölf Jahre alt. Der kleine Iraker lebt mit seiner Familie in der Erbismühle. Vor sechs Jahren mussten sie aus ihrem Heimatdorf fliehen. Erinnerung an die schlimme Zeit hat Hindirin, der damals sechs Jahre alt war, kaum, nur so viel: »Ich weiß nur noch, dass wir um unser Leben gerannt sind.« Dass er und sein Vater Amin in der Gemeinschaftsunterkunft Marion Wiegand, die dort seit Tagen Hilfsgüter für die Ukraine sammelt, mit einer Handvoll Helfern sortiert und in Umzugskartons packt, zur Hand geht, ist für ihn selbstverständlich. Vater Amin lässt ihn übersetzen: »Wir helfen gerne, wir wissen, was es heißt, fliehen zu müssen, uns hat man bei der Ankunft auch geholfen, nun wollen wir etwas davon zurückgeben.«

Mit Tränen bei der Arbeit

Marion Wiegand, die fast mit der ganzen Belegschaft ihrer Kranken- und Altenpflegestation in der »Mühle« am Packen ist, ist froh über jede helfende Hand. Zum Team gehört auch Julia Griebel aus Emmershausen. Sie ist Erzieherin im Roder Kindergarten und vor vielen Jahren nach Deutschland gekommen, aus der Ukraine. »Julia ist wichtig, sie kann die Kisten beschriften«, sagt Wiegand und nimmt ihre Freundin in den Arm, denn der stehen schon wieder die Tränen in den Augen. Ihr Bruder ist Arzt in Kiew, eine Cousine Hebamme im gleichen Krankenhaus.

Aus Telefonaten weiß sie, wie dramatisch die Lage dort ist: »Meine Cousine entbindet im Keller und mein Bruder operiert Kinder, denen Gliedmaßen fehlen - schrecklich«, erzählt die tapfere Frau, während sie wieder einen Umzugskarton mit Klebeband verschließt und auf ukrainisch »Babysachen, Windeln« draufschreibt. Marion Wiegand berichtet: »Wir bekommen hier so gut wie alles gebracht, aus Weilrod und weit darüber hinaus, vieles ist extra für uns gekauft worden.

Umzugskartons und Plastikdosen

Allmählich gehen uns aber die Umzugskartons aus, vielleicht kannst du das in der Zeitung schreiben" Hiermit geschehen. Gebraucht wird aber auch Wasser, zum Trinken und Kochen. Viele Spender bringen »Six-Packs« mit Sprudelwasser vorbei, aber auch Matratzen, Konserven, Verbandsmaterial, Medikamente, Decken, Schlafsäcke und Isomatten.

Wiegand hat über einen befreundeten Polen, Julias Ehemann Patrik, Kontakt zu Pani Bulwan, dem Bürgermeister eines winzigen Ortes vier Kilometer von der polnisch-ukrainischen Grenze entfernt, aufgenommen: »Von ihm wissen wir, was alles benötigt wird, auch Tupperware und andere verschließbare Plastikbehälter werden händeringend gesucht.

Darin verpacken sie Essen für die, die nicht mehr für sich kochen können, »an alles hätten wir gedacht, nur nicht an leere Plastikdosen«, muss Wiegand fast ein wenig lachen, nicht wegen der Dosen, sondern weil Hindirin gerade wieder mit seinem Rollwagen heranrauscht, darauf drei Umzugskartons, über die er kaum drübergucken kann.

Nächster Termin am Samstag

Marion Wiegand, unterstützt von Timo Ranft, Jens Lang, Bettina Löw, Isabel Aversano und Tanja Unrau, versucht den Überblick zu behalten und die Ladung für die beiden Transporter mit Anhängern von Michael Meloth und Frieder Schieberle, die den zweiten Weilroder Hilfsgütertransport ins Krisengebiet fahren, zusammenzustellen. »Einfach klasse, dass die beiden, aber auch Jörn Esser und Gerhard Schieberle, die letzte Woche drüben waren, diese Strapaze auf sich nehmen«, sagt Wiegand. Sie ist froh, dass sich ein Spender gefunden hat, der die Spritkosten übernimmt. Weitere Hilfstransporte sollen folgen.

Auch die Gemeinde Weilrod unterstützt die Aktion und verweist auf ihrer Homepage auf die Möglichkeiten, Hilfsgüter zu spenden und an Marion Wiegand in der Erbismühle zu übergeben: Die nächsten Termine: 12. März, 10 bis 12 Uhr, 15. März, 16 bis 18 Uhr, und 16. März, 14 bis 16 Uhr. Die Spenden werden nach Miesjsce Zbiorki an der Ukrainischen Grenze gebracht. Was alles gebraucht wird, ist der Homepage www.weilrod.de zu entnehmen.

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