1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus

"Gehen, um die Welt besser zu machen"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

tz_anspach5-B_152141_4c_2
Hervorragende Ergebnisse und Verdienste: Auch der Abi-Jahrgang 2022 hat seine Leistungsträger, die besonders ausgezeichnet werden. Jahrgangsbeste mit 1,0 ist Julie Völkert (im hellblauen Anzug). © Saltenberg er

Entlassungsfeier des Abijahrgangs der Adolf-Reichwein-Schule

Neu-Anspach -"Endlich als Jahrgang wieder gemeinsam feiern können!", freute sich der Leiter der Adolf-Reichwein-Schule, Dirk Schulz, gleich zu Beginn seiner Rede; denn das war Corona geschuldet zwei Jahre nicht möglich. Aber auch der jetzt entlassene Jahrgang absolvierte die letzte Phase der Schulzeit noch unter den Pandemie-Bedingungen. Er sei deshalb ein besonderer Jahrgang, so Schulz weiter. Er freue sich auch auf die mündlichen Prüfungen: "Ich weiß, das sehen Sie anders als ich", räumte er ein, aber er sehe dann, wie die Schüler an Aufgaben wüchsen.

"Die Gewissheiten, mit denen sie aufgewachsen sind, müssen sie heute fast wöchentlich hinterfragen", spielte Schulz auf Pandemie, Krieg, Klima und die vielen Debatten dazu an. Dennoch gab er sich als Optimist und sah auf ein positives Ende.

"Es gibt ein Leben nach dem Abitur"

Schulz brachte auch das "ewig Wiederkehrende" ins Spiel und griff dabei das Sisyphos-Motiv auf, die scheinbaren Schleifen, in denen sich der Mensch bewegt. Beziehungsarbeit immer wieder neu beginnen sei zum Beispiel eine Herausforderung.

Es gebe ein Leben nach der Schule und mit dem Abitur in der Tasche hätten die Schüler gute Voraussetzungen, dieses anzugehen. Abitur bedeute im Lateinischen auch "weggehen", was er, so Schulz, im Falle seiner Schüler auch bedauere.

"Wir sind die, die weggehen, um die Welt besser zu machen, sie hat es bitter nötig." Mit diesem Appell wandte sich Schülervertreter Luca Bark an seine Mitschüler. Aber er hatte auch starke Botschaften für das System Schule im Gepäck: "Das System Schule ist zu starr geworden, der Reformbedarf ist riesengroß". Schule müsse Spaß machen, fuhr er fort, der Mensch sei kein Computer, den man mit Wissen füllen könne.

Auch das Benotungssystem stellte er in Frage. Die mündlichen Noten seien subjektiv. Bark schlug auch versöhnlich Töne an: "Nach dreizehn Jahren harter Arbeit habe ich auf diesen Moment gewartet, aber ab heute werde ich die Schule schon vermissen". Und etwas Corona-Frust klang ebenfalls aus seiner scharfen, aber auch launigen Rede. So bedauerte er, dass nicht alle zusammen auf Klassenfahrt gegangen sind.

"Jede Generation

trägt ihr Päckchen"

Für die Tutoren sprach Lehrerin Maren Schröder, die zur älteren Lehrergeneration gehört. Aus ihrer Rede ging hervor, wie sich die Bedingungen für jede Generation ändern: "Jede Generation hat ihr Päckchen zu tragen". So auch die Nachkriegsgeneration, geprägt von ihrer Elterngeneration und der Aufbruchsstimmung: "Meinen Kindern soll es einmal besser gehen". Bürgermeister Thomas Pauli sah gerade im Zeitgeist eine Reihe von Gefahren. So sei es in Mode gekommen, Ideologien über Fakten zu setzen. Dies führe zu Unsicherheit und zum Erstarken populistischer Kräfte.

Starke Schülerleistungen würdigten Alexander Wolf vom Förderverein der Schule, Elternbeirat Jens Petroci sowie die Lehrerinnen Ulrike Rockstroh und Bettina Billen. Letztere trug mit einem Tango von Astor Piazzolla zum musikalischen Teil der Feier bei; das taten umso mehr die Schülerin Maite Rauh, Gesang, und Schüler Benedict Voss, Gitarre, im Duo mit einigen besinnlichen Songs.

Das Vokalensemble der Europa AG begleitete zusammen mit der Schulband die Verabschiedung des Realschuljahrgangs einen Tag zuvor.

Auch sie wurden mit Glückwünschen zum Schulabschluss und den besten Wünschen der oben Genannten und ihrer Lehrer verabschiedet. Zudem hatte sich der Jahrgang mit einer Präsentation beziehungsweise Diashow ihrer Klassen beteiligt. Die Bilder hielten die lustigsten und schönsten Momente der letzten Schuljahre fest.

Nach der Ausgabe der Zeugnisse, schloss sich jeweils ein Sektempfang im Foyer der Aula an. Dann war die Schule für die Hauptschul- und die Realschulabsolventen sowie die Abiturienten der Adolf-Reichwein-Schule endgültig Geschichte.

Auch interessant

Kommentare