So geht Willkommen

Als Dankeschön für die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe richtete die kommunale Jugendförderung ein Konzert mit dem aufstrebenden Duo „Bender und Schillinger“ aus. Auch viele junge Menschen aus den Flüchtlingsunterkünften nutzten die willkommene Abwechslung.

Von XENIA SCHEIN

„Die Band ist wirklich etwas Besonderes“ – Jugendzentrumsleiter Uwe Urban hat Linda Bender und Chris Schillinger auf einem Festival in Worms kennengelernt und war so angetan, dass er ein weiteres Konzert der beiden in Darmstadt besuchte. Gerne erklärten sich „Bender und Schillinger“ bereit, zum Benefizkonzert im Oberhöchstädter Jugendzentrum aufzutreten, zumal Linda Bender, heute wohnhaft in Mainz, aus Königstein stammt und gerne einmal wieder die alte Heimat besucht.

Seit fünf Jahren arbeiten die beiden Berufsmusiker zusammen, bewegen sich dabei im „Kräftefeld zwischen Folk, Pop und Blues“ und schreiben ihre teils melancholischen, teils rockigen Texte selbst. Linda ist eigentlich Lehrerin für Deutsch und Philosophie, Chris hat digitale Medien studiert, aber inzwischen konzentrieren sich beide hauptsächlich auf die Musik.

Groß aufgebaut haben sie heute, mit Schlagzeug und Marimbaphon. Letzteres bringt ganz ungewohnte, zarte Klänge hervor, die ruhigere Stücke schön unterstreichen. Von Stimme und Gitarrenspiel ist das Publikum ebenfalls ganz hingerissen. Eine schöne Abwechslung, vor allen Dingen für die jungen Menschen aus den Flüchtlingsunterkünften, die zur Freude von Theo Schonebeck, Mitarbeiter des Flüchtlingskreises Kronberg, zahlreich auf eigene Faust gekommen sind. Selbstverständlich sei das nicht, sagt seine Frau Heidy Schonebeck.

Der Flüchtlingskreis begleitet und unterstützt jeden Einzelnen, aber es sei auch wichtig, dass sich eine gewisse Selbstständigkeit entwickle. Mit Freude sehen die Schonebecks und die anderen Ehrenamtlichen, wie das Miteinander dank ihrer Integrationsarbeit funktioniert, Schwierigkeiten gab es bisher kaum. „Kronberg ist tatsächlich näher zusammengerückt“, stellt Heidy Schonebeck fest. Bedenkenträger begegnen ihr zwar auch, aber letztlich fragt sie zu Recht: „Was haben wir denn für eine Alternative?“ Die Menschen sind da und die Integrationsarbeit ist nach der Grundversorgung das Wichtigste. „Es braucht die Zivilgesellschaft zur Integration“, so Theo Schonebeck. Weil so viele junge Menschen zu betreuen sind, freuen sich die Schonebecks besonders über die Kooperation mit dem Jugendzentrum. „Die Offenheit hier ist großartig“, sagen sie.

Seit einigen Monaten sind die Räume im Jugendzentrum mittwochs nachmittags im „Internationalen Café“ für alle geöffnet und immer sehr gut besucht. Jugendzentrumsleiter Urban hatte den Kontakt zum Flüchtlingskreis Kronberg aufgenommen, und seitdem „ergibt sich alles Weitere wie von selbst“. Die Idee des internationalen Cafés hat sich schnell herumgesprochen, inzwischen bietet das Jugendzentrum auch eine kostenfreie Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge an. Und der Flüchtlingskreis hält hier auch schon mal seine Besprechungen ab. Besonders das freie WLAN in den Räumen des Jugendzentrums ist für die Geflüchteten wichtig, um den Kontakt in die Heimat halten zu können. „Die Kooperation funktioniert wunderbar“, zeigt sich auch Urban zufrieden und ist voller Bewunderung für die Arbeit des Flüchtlingskreises.

Da haben sich alle Beteiligten mal einen freien Abend verdient. Das erste Konzert von „Bender und Schillinger“ im Jugendzentrum Oberhöchstadt, und sicherlich nicht das letzte, sollte in erster Linie eine Anerkennung für die tägliche ehrenamtliche Arbeit und eine kleine Abwechslung sein – wunderbar gelungen ist das.

Andreas Ramp, Urbans Kollege, machte sich anfangs Sorgen, dass manch potenzieller Besucher vielleicht vom noch nicht ganz überstandenen Blitzeis abgehalten werden könnte, aber im Lauf des Abends fand sich ein bunt gemischtes Publikum ein, das sich vom Können der Band schnell überzeugen ließ und den Abend mit großartiger Musik und tollen Stimmen genoss.

So geht Integrationsarbeit: „Die jungen Männer sollen ruhig sehen, dass hier ein Mädchen am Schlagzeug sitzt“, sagt Heidy Schonebeck. „Das ist hier einfach die Normalität.“

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