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Abgeerntete Getreidefelder prägen derzeit das Bild im Usinger Land, wie hier in der Gemarkung Merzhausen.

Heuernte

Gemischte Gefühle bei Landwirten

Nicht nur die extreme Hitze bringt die Landwirte im Usinger Land derzeit ins Schwitzen. Bevor die nächsten Gewitter übers Land ziehen, müssen sie die Getreide- und Rapsernte einbringen. Der Weizen steht meist noch auf dem Halm. Die Zwischenbilanz ist gemischt und hängt stark vom Standort ab, auch bei der Heuernte.

Usinger Land - Beinahe unmöglich ist es derzeit einen Landwirt ans Telefon zu bekommen. Im Wettlauf gegen die Zeit und drohende Gewitter sind sie fast rund um die Uhr im Einsatz. Usingens Ortslandwirtin Miriam Preiß nimmt sich in einer kurzen Pause dennoch Zeit für ein Gespräch mit der Zeitung.

"Die Wintergerste ist komplett gedroschen, und das Ergebnis war eigentlich sehr gut", berichtet sie. Damit meint sie die Menge und die vorsichtige Gewichtsabschätzung. Zur Qualität kann sie noch nicht viel sagen. "Wir haben die Ernte erst einmal eingelagert." Doch schon von der Optik der vollen Körner ausgehend dürfte auch die Qualität besser sein als im Vorjahr. "Wir hatten ein gutes Frühjahr und durch die Niederschläge deutlich bessere Wachstumsbedingungen als im vorigen Jahr", meint sie.

Das deckt sich auch mit den Meldungen vom Hessischen Bauernverband (HBV). Danach liegen die bisher ermittelten Durchschnittserträge bei Wintergerste deutlich über dem Niveau des Dürrejahres 2018 und leicht über dem Durchschnitt der letzten Jahre.

Während Hitze und Trockenheit von Mitte Juni bis zur ersten Juliwoche der bereits ausgebildeten Wintergerste nicht geschadet haben, rechnet der HBV beim Weizen mit spürbaren negativen Folgen für Erträge und Qualitäten. Denn die Kornfüllungsphase war beim Weizen noch nicht abgeschlossen, ist jetzt deutlich verkürzt, und die zweite Hitzewelle lässt die Körner schneller reifen. Das befürchtet auch die Ortslandwirtin, auf deren Feldern der Weizen noch nicht reif ist. "Noch sieht es gut aus, aber bei der Hitze kann das standortabhängig je nach Wasserhaltefähigkeit des Bodens sehr schnell gehen - wir müssen abwarten," sagt sie.

Weil in den nächsten Tagen Gewitter und Regen angesagt ist, ist das mit dem Warten so eine Sache. In der Anlieferung beim Raiffeisen-Agrarzentrum in Usingen stehen die Landwirte mit ihren Hängern voll Getreide und Raps derzeit Schlange. "Das geht hier oft bis weit nach Mitternacht", berichtet Elke Schmidt. Tagsüber kommen die Vollerwerbslandwirte. Ab 17 Uhr geht es dann richtig rund, wenn die Nebenerwerbslandwirte ihre Ernte bringen.

Jede Anlieferung wird nicht nur gewogen, sondern auch auf Qualität geprüft. In aller Kürze teilt Schmidt mit: "Viele Körner sind kleiner als sonst, weil stellenweise notreife Bestände geerntet wurden."

Furcht vor Unwetter

Schmidt hofft, dass die Landwirte noch rechtzeitig den Raps einfahren können. "Da gibt es in diesem Jahr sowieso deutlich weniger, weil die Saat wegen der Trockenheit nicht überall aufgegangen ist und ganze Felder umgepflügt und durch Gerste ersetzt wurden." Ein einziger Gewitterregen könne jetzt dazu führen, dass der Raps flach auf dem Boden liegt. Das erschwert wie bei dem sogenannten Lagergetreide den Drusch, mindert die Erträge und erhöht den Wassergehalt.

"Wenn man sich rundum umschaut, sieht es momentan gar nicht so schlecht aus", stellt dazu Preiß fest. Sie hat einen Teil des Rapses schon geerntet, aber wie die Gerste ebenfalls noch nicht bei Raiffeisen angeliefert. Einen Teil des Rapses hält Preiß sowieso als Saatgut fürs nächste Jahr und als Futter zurück. Was die Futterversorgung fürs Vieh angeht, ist Preiß auch nicht unzufrieden. Der erste Schnitt von Ende Mai ist bei ihr überwiegend direkt ins Silo gewandert.

"Der war für Preißsche Verhältnisse normal", meint sie. Auf einigen Grünflächen ist auch der zweite Schnitt schon durch, und diese Flächen seien jetzt richtig braun und ausgedörrt. Ob sich auf höheren, trockenen und steinigen Lagen der zweite Schnitt überhaupt noch lohnt, will sie abwarten. "Unter Umständen ist es einfacher den spärlichen Wuchs vom Vieh abweiden zu lassen."

von Evelyn Kreutz

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