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Der Blick auf die Übersicht bleibt vor allem an der Wahlbeteiligung hängen: Nur 29,7 Prozent der Berechtigten haben bei der Landratswahl am Sonntag ihre Stimme abgegeben.

Landratswahl

Geringes Interesse an der Wahl gibt zu denken

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Dass Ulrich Krebs Landrat bleibt, steht seit Sonntag fest: Der Christdemokrat wurde mit 57,3 Prozent im Amt bestätigt. Wo aber hat er besonders stark abgeschnitten? In welchen Kommunen haben die unterlegenen Bewerber Ellen Enslin (Grüne) und Holger Grupe (FDP) ihre Fans? Und wo waren die Bürger besonders wahlmüde?

Ulrich Krebs (CDU) schaut Richtung Stichwahl. Nein, der 49-Jährige muss sich einer solchen nicht stellen, wurde er doch am Sonntag im ersten Wahlgang im Amt bestätigt. 57,3 Prozent hatten für Krebs votiert, der am 12. März erneut ins Amt eingeführt wird und dessen dritte Amtszeit am 9. Mai beginnt. Die Stichwahl, die Krebs im Blick hat, ist die ums Bürgermeisteramt in Königstein. Er kündigte an, Leonhard Helm in den kommenden Wochen unterstützen zu wollen. Amtsinhaber und Christdemokrat Helm muss dort in die Stichwahl gegen Nadja Majchrzak (ALK).

Die Themen, mit denen sich Krebs weiterhin im Kreis zu befassen hat, sind bekannt, Schulbau und Verkehr gehören dazu. Nach Ansicht von CDU-Kreischef Jürgen Banzer kommt ein weiteres Ziel hinzu: der Erhalt der polyzentrischen Struktur der Region Rhein-Main. „Wir müssen uns gegenüber Frankfurt behaupten.“

Krebs ist Banzers Nachfolger als Landrat und hat nun ein ähnliches Ergebnis geholt wie bei seiner ersten Wahl 2006: Seinerzeit hatten 56,5 Prozent für ihn gestimmt, 30,4 Prozent für Manfred Gönsch (SPD) und 13,1 Prozent für Ellen Enslin (Grüne). 2012 hatte Krebs 63,3 Prozent bekommen, sein Herausforderer Norman Dießner (Grüne) 36,7 Prozent.

Zurück zur Wahl 2018: Krebs hat alle 13 Kommunen gewonnen, hatte 15 565 Stimmen Vorsprung. Im Usinger Land war er besonders stark: In Weilrod holte er mit 67,7 Prozent sein bestes Resultat. Auch in Grävenwiesbach (63,5) und Schmitten (60,6) steht die 6 vorne, im Vordertaunus nur in Bad Homburg (60,2). Nach Meinung von Parteikollegen, darunter der Wehrheimer Bürgermeister und Fraktionschef der Kreis-CDU, Gregor Sommer, setzt sich Krebs stark fürs Usinger Land ein, betrachtet den Kreis als Einheit. Nur in einer Kommune blieb Krebs unterhalb der 50-Prozent-Marke: In Steinbach bekam er lediglich 48,2 Prozent. Die Stadt ist eine FDP-Hochburg. Entsprechend gut schnitt dort der 41 Jahre alte liberale Landratskandidat Holger Grupe mit 22,5 Prozent ab, der kreisweit 15,3 Prozent bekam. Somit war Grupe in Steinbach noch etwas besser als an seinem Wohnort Kronberg (20,5 Prozent). Das beste FDP-Ergebnis gab’s jedoch in Königstein mit 22,6 Prozent, das schlechteste in Grävenwiesbach mit 8,7 Prozent.

Grünen-Bewerberin Ellen Enslin (57) holte insgesamt 27,4 Prozent und damit ein deutlich besseres Ergebnis als bei ihrer ersten Kandidatur 2006. „Damals war ich noch nicht so bekannt“, gab sie zu bedenken. Beobachter und politische Mitbewerber waren sich einig, dass Enslin wohl das linke Lager hinter sich versammelt hatte, denn weder die SPD – sie koaliert im Kreis mit der CDU – noch die Linke hatten einen Bewerber aufgeboten. Das bürgerliche Lager hingegen hat sich auf Krebs und Grupe verteilt.

Enslins Hochburg ist Oberursel: Dort haben sich 32,8 Prozent für die Grüne entschieden. Auch in Friedrichsdorf, wo mit Horst Burghardt ein Grüner Bürgermeister ist, stand für sie die 3 vorne: 31,9 Prozent. Enslin lebt in Usingen, dort votierten 29,7 Prozent für sie. Am wenigsten überzeugen konnte sie im konservativen Königstein, wo sie 21,6 Prozent holte.

Während manch Gegner, wenn meist auch nur hinter vorgehaltener Hand, sagte, dass Enslins Ergebnis zu hoch ausgefallen sei, lasen die Grünen eine Bestätigung ihrer Politik aus dem Resultat. „Ein deutliches Ergebnis gegen die Kreis-Koalition“, meinte Dießner.

„Gut, dass es drei Kandidaten gab“, sagte Christof Fink als Sprecher der Hochtaunus-Grünen. Auch FDP-Bewerber Grupe habe „ein „respektables Ergebnis“ erzielt. Ähnlich wie die Grünen äußerte sich die FDP, die ebenfalls eine gestärkte Opposition sah.

Ein Ziel hat die FDP allerdings verpasst. Sie hatte, wenn auch nicht ganz ernst gemeint, gesagt, die Wahlbeteiligung verdoppeln zu wollen. 2012 hatte diese bei 26,2 Prozent gelegen. Dieses Mal waren es 29,7 Prozent: Von 178 224 Wahlberechtigten hatten nur 53 007 Frauen und Männer von ihrem Recht Gebrauch gemacht. Wobei Königstein wegen der gleichzeitigen Bürgermeisterwahl die Zahl noch nach oben trieb: Dort war die Landratswahlbeteiligung mit 52,8 Prozent am höchsten, in Steinbach mit 23 Prozent am niedrigsten.

Davon zeigten sich Politiker aller Couleur enttäuscht, sprachen von „Wehmut“ und „Wermutstropfen“. Die Wahlbeteiligung sei „schlecht wie immer“ bei diesen Wahlen“, sagte CDU-Mann Jürgen Banzer. Eine mögliche Erklärung, die am Wahlabend im Landratsamt immer wieder genannt wurde: Viele Bürger wissen nicht, welche Aufgaben bei der Kreispolitik allgemein und beim Landrat im Besonderen liegen. „Wir müssen kontinuierlich kommunizieren, was der Kreis macht“, sagte Holger Grupe, der auch FDP-Fraktionsvize im Kreistag ist.

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