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Gesellschaft der Helden

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Gemeinsam kreativ werden, ist beim Graffiti-Workshop der »Hero Society« an der Wehrheimer Limesschule Programm. © Ingrid Schmah-Albert

Wehrheim (sai). Die Corona-Pandemie mit Distanzunterricht, Kontaktbeschränkungen und dem Wegfall von gemeinsamen Erlebnissen wie Klassenfahrten, Ausflügen oder anderen Aktivitäten hat den Kindern in ihrer sozialen und emotionalen Entwicklung geschadet. Das ist an vielen Schulen zu beobachten.

Katharina Lommel-Mank, Leiterin der Limesschule, wundert das nicht. »Die Kinder hatten nur wenig Möglichkeiten, ihre Sozialkompetenz innerhalb einer Gruppe zu üben«, sagt sie. Bei vielen Kindern sei lange Zeit auch nachmittags das gemeinsame Spielen weggefallen und habe teils zu Vereinsamung geführt.

Daher freut sich die Schulleiterin über die Projekttage, die von den Pädagogen und Sozialarbeitern der »Hero Society« in den 4. Klassen der Limesschule als kompensatorische Maßnahme veranstaltet wurden. In Zusammenarbeit mit dem bekannten Hirnforscher Prof. Gerald Hüther hat die gemeinnützige Gesellschaft »Hero Society« mit Sitz in Leipzig ein vielschichtiges Konzept entwickelt, um Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Workshops einen gemeinschaftlichen Impuls für die empathische und gegenseitig wertschätzende Entwicklung zu geben.

Bildung heißt, Potenzial entfalten

»Als Erweiterung des allgemeinen Bildungsbegriffs, der sich auf Leistung bezieht, verkörpern wir einen neuen Bildungsbegriff: Die Bildung als lebenslange Potenzialentfaltung«, betont Betriebsleiter Steve Körner. Hier sei auch ein gesellschaftliches Umdenken nötig, bei dem die Eltern, als erster und für die Kinder prägendster Teil der Gesellschaft, ihren Fokus weg von der leistungsbezogenen Bewertung hin zu den Entfaltungspotenzialen auf allen menschlichen Ebenen lenken sollten, wünscht sich auch Julia Michalla, die als ehrenamtliche Repräsentantin für Hessen die Kooperation mit der Limesschule organisiert hat.

»Den Kontakt hatte unsere Förderlehrerin Susanne Magnani hergestellt und ich war schnell sehr überzeugt von dem Konzept«, berichtet Lommel-Mank. Denn ihr sei ebenso wie den Lehrkräften aufgefallen, wie sehr die Kinder insbesondere in den 3. und 4. Klassen unter den coronabedingten Einschränkungen gelitten haben.

Das 4. Schuljahr sei ohnehin schon immer das anstrengendste für die Kinder, denn sie seien im Kopf schon in der Verabschiedungsphase und mit den Herausforderungen durch den Wechsel auf die weiterführenden Schulen beschäftigt. Zwar haben die Schulen trotz Distanzunterricht den Stoff in den Hauptfächern gut vermitteln können und die Ressourcen, die danach noch übrig waren, zumindest auf den Sport konzentriert, doch solche Fächer wie Musik oder Religion seien zu kurz gekommen, erklärt Lommel-Mank. »Das hat uns sträflich eingeholt« gibt sie zu und es zeige, wie wichtig auch solche »weichen« Fächer für die Bildung der Kinder seien. »Es geht in der Schule auch um Menschenbildung«, bringt die Rektorin es auf den Punkt.

In der heterogenen Lerngruppe, die eine Schulklasse nun einmal sei, hätten sich die Konflikte durch die fehlenden gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnisse und das sich Zurechtfinden innerhalb der Gruppe, auch auf dem Schulhof, verschärft und die Kinder seien oft noch lange mit diesen Konflikten beschäftigt, sodass sie im Kopf und emotional noch zu blockiert seien, um dem Unterricht aufmerksam folgen zu können, so die Beobachtung. Und es fehlten die kreativen Erfahrungen, auch als Ausgleich.

Auch die »weichen« Fächer sind wichtig

Doch bevor es soweit war, dass die Kinder selbst zur Sprühdose greifen konnten, stand erst einmal »Klassenklima« auf dem Programm. Denn hier gehe es um gruppendynamische Prozesse, machte Körner klar. Dabei werde den Kindern zunächst die eigene Wirksamkeit deutlich. Es sei eben bedeutungsvoll, was man tue - oder auch nicht tue, alles habe Folgen und daran gelte es zu wachsen. Das gelte auch ganz besonders für Fehler. Diese würden in unserer Gesellschaft als unerwünscht und Makel gesehen. Doch sie seien wichtig, um zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Die Finanzierung der Projekttage war im Rahmen des »Löwenstark«-Projekts des hessischen Kultusministeriums gesichert.

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