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Ob Enkeltrick, angeblicher Monteur oder vermeintlicher Polizist: Gauner haben viele Möglichkeiten gefunden und perfektioniert, Senioren um ihr Erspartes zu erleichtern. Dem wollen die Seniorensicherheitsberater entgegenwirken.

So schützen sich Senioren

Gesundes Misstrauen wecken: Hier gibt's Hilfreiche Tipps

Mit immer neuen Tricks versuchen Kriminelle, Senioren um ihr Erspartes zu bringen - und auch die alten Tricks funktionieren teilweise erschreckend gut. Die Seniorensicherheitsberater wollen das ändern. Jetzt hat das 13-köpfige Team einen neuen Koordinator.

Bad Homburg - Überrumpelt werden können Menschen jeden Alters, doch bei Senioren haben Ganoven ein leichteres Spiel als bei jüngeren. 16 000 Menschen über 60 Jahren leben in der Stadt, die Region ist einkommens- und vermögensstark - für kriminelle eine äußerst erfolgversprechende Kombination.

Peter Hoefler will das ändern und weiß dabei ein starkes Team hinter sich. Der 62-jährige Reisebürokaufmann ist neuer Koordinator der Seniorensicherheitsberater der Stadt Bad Homburg. Seit über einem Jahr gibt es das Team, das im Rahmen eines Modellprojekts einen Kampf gegen die Windmühlen aufgenommen hat.

Das Ziel ist ambitioniert: Die Senioren und ihr Umfeld so gut zu informieren und zu schulen, dass sie nicht zum Opfer von Kriminellen werden. Das passiert häufig und mit teilweise abstrusen Maschen, die weit über den Enkeltrick hinausgehen: Da bitten vermeintliche Polizeibeamte telefonisch, zu nächtlicher Zeit Schmuck aus dem Fenster zu werfen, um diese vor möglichen Einbrechern in Sicherheit zu bringen. Auch gibt es einen Fall, in denen ein "Zivilbeamter" Bargeld mit zur Wache nehmen wollte, um zu überprüfen, ob die Scheine aus einem Bankraub stammen. Hinzu kommen Trickbetrüger, die sich unter einem Vorwand Zugang zur Wohnung verschaffen - ob angeblicher Monteur, ein vermeintlich Hilfesuchender oder eine Dame, die sich als Mitarbeiterin eines Pflegedienstes ausgibt -, nur mit dem Ziel, eine zweite Person unbemerkt hereinschlüpfen zu lassen, die dann auf Beutezug geht . . .

Diese Tricks sollen, geht es nach Hoefler, Stadträtin Lucia Lewalter-Schoor (SPD) und der Polizei, künftig ins Leere laufen. "Wir wollen so viele Infos wie möglich in die Öffentlichkeit bringen", gibt Hoefler als Losung aus und ergänzt: "Die Kriminellen wollen mit ihren Maschen immer einen Schritt voraus sein - das müssen wir umkehren."

Dabei sind die Gegner professionell. "Die kleinen Gangster sind zwar aus Deutschland, die Köpfe dahinter sitzen aber meist im Ausland", weiß Hoefler zu berichten. "Die sprechen akzentfreies Deutsch und sind teilweise psychologisch gut geschult" - sie rufen ihre Opfer mehrmals täglich an und schaffen es, diese irgendwann zu überzeugen."

Menschen sensibilisieren

Da gelte es anzusetzen, indem man Senioren, aber auch Familien und Nachbarn sensibilisiert. "Man sollte Fremden nicht die Tür öffnen und bei einem verdächtigen Anruf einfach auflegen oder sagen, dass man die Polizei anruft", erzählt Hoefler und steuert eigene Erfahrungen bei: "Meine Schwiegermutter hat neben dem Telefon eine Trillerpfeife für solche Fälle liegen . . ."

Die Kunst ist es, ein gesundes Misstrauen zu schaffen. Senioren seien meist hilfsbereit und lieb, "und sie freuen sich über Kontakte", so Lewalter-Schoor. Das mache sie anfällig.

Gleichzeitig müsse man den Spagat schaffen, dass in wichtigen Fälle, etwa wenn die Feuerwehr oder der Rettungsdienst vor der Tür steht, ein Grundvertrauen erhalten bleibt. Das geschieht durch die Beratungsangebote der Sicherheitsberater, etwa in den Stadtteilzentren, beim DRK oder mittlerweile auch in anderen Vereinen und Institutionen.

Der Stadträtin ist wichtig, dass das Programm weiter wächst. "Das muss Chefsache sein - mir war es wichtig, das die Seniorenberater direkt bei mir angesiedelt sind." So soll es bald auch ein Büro im Rathaus geben, in dem das Team Sprechstunden anbietet.

Stamm bleibt an Bord

Das Konzept der Sicherheitsberater wurde 2016 in Hessen eingeführt, um die Polizei bei der Präventionsarbeit zu unterstützen. In Bad Homburg gehörten der ehemalige Polizei-Dienststellenleiter Erwin Paske und dessen Kollege Jürgen Stamm zu den Initiatoren. Nachdem Paske sich bereits zurückgezogen hatte, wolle sich nun auch Stamm auf seinen Ruhestand und die politische Arbeit als SPD-Fraktionschef konzentrieren. Er bleibe zwar als Berater aktiv, wollte die Koordinierung aber abgeben, berichtete Lewalter-Schoor.

Auch Hoefler kennt die Arbeit der Polizei gut: Er ist seit 14 Jahren im Freiwilligen Polizeidienst tätig.

Bad Homburger Senioren, die Fragen zur Sicherheit haben, können sich telefonisch unter (01 72) 9 76 28 15 an Peter Hoefler und sein Team wenden.

Bei der Polizei Bad Homburg gibt es ebenfalls eine Beratungsstelle, die für den ganzen Kreis zuständig ist. Polizeioberkommissarin Nicole Meyer ist persönlich unter (0 61 72) 12 02 50 erreichbar, auch unter (0 61 72) 12 00 gibt's Antworten auf Fragen zum Thema Sicherheit.

Die Seniorensicherheitsberater sind zudem am kommenden Samstag, 11. Mai, von 9 bis 14 Uhr mit einem Info-Stand vor der Hofapotheke in der Louisenstraße vertreten. red

In Zusammenhang mit Trickbetrügereien geben Stadt und Polizei folgende Hinweise:

Lassen Sie grundsätzlich keine Fremden in die Wohnung.

Ziehen Sie telefonisch einen Nachbarn hinzu, wenn unbekannte Besucher vor der Tür stehen oder bestellen Sie den Besucher zu einem späteren Termin, wenn eine Vertrauensperson anwesend ist.

Wehren Sie sich gegen zudringliche Besucher, notfalls auch energisch. Sprechen Sie diese laut an und rufen Sie um Hilfe.

Da sich viele Täter Nummern anhand von Telefonbucheinträgen heraussuchen und dabei auf Vornamen achten, die auf frühe Geburtsjahrgänge schließen lassen, sollten Betroffene überlegen, den Eintrag löschen oder auf den Nachnamen verkürzen zu lassen. red

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