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Udo Laun, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Wasser- und Bodenschutz beim Hochtaunuskreis, begutachtet den Arnsbach in Westerfeld. Sowohl dieser als auch der Häuserbach werden bei der Gewässerschau abgelaufen.

Begutachtung

Gewässerschau: Mehr Platz für den Bach

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Bei der Gewässerschau des Kreises werden bald wieder Usa, Arnsbach und Co. abgelaufen, um ihren Zustand zu kontrollieren. Landwirte, Naturschützer und Mitarbeiter der Kommunen nehmen die Gewässer dort unter die Lupe, wo sie unweit von Straßen und Häusern fließen.

Usinger Land - Es wimmelt nur so von Vögeln rund um Häuserbach und Arnsbach, die unweit des Neu-Anspacher Stadtteils Westerfeld ineinander fließen. Feldhasen toben am Bach entlang. Kurzum: Es ist ziemlich idyllisch an den Bächen, die durchs Usinger Land fließen. Und wer diese besondere Natur einmal selbst erleben möchte, der hat diese Möglichkeit bei einer der Gewässerschauen, die im Februar und März im Vorder- und Hintertaunus stattfinden (siehe Info-Box).

Doch diese Idylle ist nicht der Grund, warum Thomas Golla, Leiter des Fachbereichs Wasser- und Bodenschutz beim Hochtaunuskreis und sein Stellvertreter Udo Laun die Bäche ablaufen. Vielmehr obliegt ihrem Fachbereich die Überwachung der Gewässer im Kreis. „Unterhaltungspflichtig sind die Kommunen, wir haben die Aufsicht“, sagt Golla. Strafzettel verteile er jedoch nur in negativen Ausnahmefällen, wenn ein Gewässer beschädigt wurde – das kommt kaum vor.

Beton oder Substrat

Beim Besuch des Arnsbachs, eingerahmt von Westerfeld oberhalb und neuer Heisterbachstraße unterhalb, sind die beiden Gewässer-Experten überrascht, wie viel Wasser darin fließt. Hier werden die Unterschiede jeweils zwischen einem sehr naturnahen und einem noch wenig renaturierten Abschnitt des Baches ganz besonders deutlich.

Auf der einen, weniger renaturierten, Seite fließt das Wasser ziemlich schnurgerade und das schneebedeckte Feld grenzt fast direkt an. Geht man von diesem aus ein paar Meter zum Wasserlauf hinunter, sieht man, dass das Wasser aus einem Rohr hinausschießt. Diese sieht man häufig, sie sind jedoch nicht naturnah. „Alles, was darin ist, zum Beispiel natürliche Substrate, wird rausgespült – vergleichbar mit einer Rohrreinigung “, sagt Golla. Auf diesen Substraten befinden sich wiederum häufig Larven, die dann bei starkem Regen auch schon mal zwei Kilometer weitergespült werden, ergänzt Laun. „Das ist ein Problem für die Ökologie“, sagt Laun und verweist auf die Debatte zum Insektensterben.

Und nun die andere Seite des Übergangs, dort fließt der Arnsbach langsamer, er hat mehr Platz sich auszubreiten und das Wasser kommt nicht aus einem Rohr geschossen, sondern aus einem mehr rechteckigen Durchgang unterhalb des Feldweges, der nur drei Wände hat – der Boden ist frei von Beton. Dort können sich die Larven ohne Probleme entwickeln. Sie sind eine wichtige Nahrungsquelle für viele andere Tiere.

Schutz vor Hochwasser

Rechts und links dieses Bachabschnittes gibt es breite Gewässerrandstreifen, wo Pflanzen wachsen und sich Tiere zurückziehen können.

„Die Renaturierung bietet nicht nur Schutz für die Natur, sondern hat auch einen Nutzen für die Menschen, denn dadurch verringert sich die Gefahr für eine Überschwemmung“, sagt der Fachbereichsleiter.

Denn der Bach tritt nicht so schnell über die Ufer, je besser er sich ausbreiten kann: „Zehn Prozent des Regens, der auf eine natürliche Fläche fällt, läuft zeitnah ins Gewässer, bei einer versiegelten Fläche ist es das fünf- bis siebenfache, also in etwa 50 bis 70 Liter statt zehn Liter“, sagt Golla.

Ein paar Meter querfeldein gelangt man an die Stelle, wo der Häuserbach in den Arnsbach einmündet. Der Bachlauf wird breiter, dazwischen kleine Inseln, auf denen sogar auch Bäume wachsen.

Ein ähnliches Bild, wie in Westerfeld zeigt sich beim Sattelbach, der vom Usinger Stadtteil Merzhausen weiter Richtung Weilroder Ortsteil Oberlauken fließt. Wie reingeschnitten ins Feld sieht der Sattelbach unweit der Kreisstraße 741 aus. Je weiter man parallel zur Straße Richtung Oberlauken läuft, desto natürlicher wird das Gewässer wieder.

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