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Die Weiße Mauer mit einem atemberaubenden Blick auf den Großen Feldberg: Die heutige Tour führt nicht direkt zu dieser Stelle, sie verläuft talwärts – für Konditionsstarke lohnt sich aber ein kleiner Abstecher.

TZ-Serie

Das ist der Gipfel für Taunus-Wanderer

Sie sind fasziniert von der Schönheit der Natur, haben eine Leidenschaft fürs Wandern und lieben die Geselligkeit: Die Mitglieder des Taunusklubs, die sich auf 24 Zweigvereine verteilen, kennen den Taunus wie kaum eine andere Gruppe. Vor 150 Jahren hatte sich der Verein gegründet – passend dazu präsentieren die passionierten Wanderer den TZ-Lesern in ihrem Jubiläumsjahr ihre 15 schönsten Touren. Im heutigen 15. und letzten Serienteil geht es noch einmal Richtung Feldberg.

Die heutige Tour führt zum Gipfel des 880 Meter hohen Großen Feldbergs. Der Weg ist auch für Familien mit Kindern, Schulklassen oder Jugendgruppen geeignet. Aber Achtung: Bis zum Plateau gilt es immerhin knapp 600 Höhenmeter zu überwinden!

Los geht’s an der Hohemark – und zum Start gibt es auch gleich ein wenig Geschichte: Die „Hohe Mark“ war eine mittelalterliche Markgenossenschaft zur Waldnutzung im Taunus. Sie bestand bis Anfang des 19. Jahrhunderts und erstreckte sich vom Taunuskamm bis zur Saalburg und bis in die Ebene der Nidda-Aue. Die Markorte lagen ausnahmslos nördlich des Flusses. Heute befindet sich an der Hohemark das 2011 neu eröffnete und vom Zweckverband Naturpark Taunus erbaute Taunusinformationszentrum (TIZ) mit Tourist-Info, Erlebnis- und Entdeckerausstellung und dem Restaurant „Waldtraut“.

Alles liegt hier auf geschichtsträchtigem Boden. Denn in der Nähe befinden sich mit der „Goldgrube“ Teile des keltischen Heidetränk-Oppidums, bekannt durch den „Keltenrundwanderweg“.

Am TIZ startend verläuft der Wanderweg kaum ansteigend parallel zum Heidetränkbach, der aus fünf unterhalb des Fuchstanz’ entspringenden Quellen gespeist wird und ab der Hohemark die Bezeichnung „Urselbach“ trägt. Nach etwa einem Kilometer überqueren wir den Bach auf einer Brücke und erreichen bald darauf eine Infotafel, die den Beginn des „Mühlenwanderwegs“ kennzeichnet. Dieser beliebte Wanderweg erstreckt sich abwärts über rund 15 Kilometer bis zur Mündung des Urselbachs in die Nidda und führt an insgesamt 42 ehemaligen Mühlen vorbei.

Brücke der Kaiserin

Bald sehen wir rechts die 1891 errichtete Kaiserin-Friedrich-Brücke. Diese Dame, die den Mädchennamen Viktoria trug, war die Gemahlin des 1888 verstorbenen 99-Tage-Kaisers Friedrich III. Sie hatte ihren Witwensitz zunächst in Homburg genommen, verlegte ihn aber dann nach Kronberg, wo sie Schloss Friedrichshof bauen ließ. Sie benutzte die Brücke sowie den gleichnamigen Weg bei ihren Kutschfahrten vom Homburger Schloss nach Kronberg.

Links von uns liegen jetzt die Weiße Mauer und hinter dieser der 798 Meter hohe Altkönig. Hier können konditionsstarke Wanderer einen kleinen Abstecher machen. Wir aber laufen auf dem „Unteren Maßbornweg“, und rechts von uns hören wir den Verkehrslärm der Kanonenstraße. Nachdem wir etwa fünf Kilometer gemütlich gewandert sind, geht es jetzt rund 500 Meter steil bergan. Schließlich sind wir im zweithöchsten Mittelgebirge Hessens und nicht in der Mainebene!

Oben angekommen haben wir den Albrechtsweg („Große Kurve“ mit Bushaltestelle und Parkplatz) erreicht. Jetzt wechselt das Wanderzeichen in einen schwarzen Balken über, und zwar bis zum Fuchstanz. Hier haben wir schon eine Höhe von 660 Metern erreicht.

Das Plateau war schon in historischer Zeit eine bedeutende Passhöhe. Eine erste sichere Nutzung ist aus dem 2. Jahrhundert nach Christus belegt, als hier die Römerstraße von Nida (heute Heddernheim) zum Feldbergkastell vorbeiführte. Seit 1987 heißt der Weg offiziell „Pflasterweg“. Zwei Gastwirtschaften laden heute zur Einkehr ein. Wie so vieles im Taunus ist auch deren Existenz unserem Verein zu verdanken. Denn im Jahre 1881 wurde durch den Taunusklub hier eine Schutzhütte errichtet. Erster Wirt der im gleichen Jahre errichteten, zur Bewirtung von Gästen dienenden Hütte war Matthias Müller aus Niederreifenberg.

Von hier aus sind es bis zum Feldberggipfel nur noch 220 Höhenmeter, die wir nach Stärkung am Fuchstanz frohgemut angehen. Auf dem mit schwarzem Andreaskreuz markierten Fernwanderweg E1 können wir unser Ziel nicht verfehlen. Vorsicht beim Überqueren der nach etwa einer halben Stunde am Parkplatz Windeck erreichten Hochtaunusstraße! Dann geht’s noch etwa zehn Minuten etwas steiler hoch zum Feldbergplateau. Vorbei an der Station der Bergwacht Hessen, dem „Falkenhof“ und dem Bergrestaurant „Feldberghof“ erreichen wir den 1949/1950 neu erbauten Feldbergturm, in dem sich das Wanderheim des Taunusklubs befindet.

Hier fand am vergangenen Sonntag auch die alljährliche Weihnachtsfeier der „Abteilung Wegemarkierung“ des Taunusklubs statt. Die Veranstaltung war als kleines Dankeschön für die Helfer gedacht, die sich dieser nach wie vor eminent wichtigen, schon seit Gründungszeiten des Vereins praktizierten Aufgabenstellung verschrieben haben.

Im Taunusklub-Stammklub, der 1868 in Frankfurt gegründet wurde, sind in der Wegemarkierung noch 33 Mitglieder tätig, die ein Wegenetz von 800 Kilometern markieren. Durch den aus 24 Mitgliedsvereinen bestehenden Gesamtverein werden nicht weniger als 2700 Kilometer Wanderwege im Taunus markiert – eine Riesen-Leistung, zumal die Wegemarkierer ehrenamtlich tätig sind und die Aufgabe bei Wind und Wetter angehen. Jeder Wanderer weiß – gerade in unbekanntem Gelände – eine gute Markierung zu schätzen!

Wanderung im Januar

Übrigens: Wer mit dem Taunusklub zum Großen Feldberg wandern möchte, hat am Sonntag, 6. Januar 2019, Gelegenheit hierzu. An diesem Tag geht’s an der Hohemark um 9.45 Uhr los. Gelaufen wird der am Anfang der großen TZ-Serie vorgestellte „Jubläumsweg“. Mittagessen wird im Taunusklub-Wanderheim zu zivilen Preisen angeboten. Eine Anmeldung ist erforderlich und wird bis zum 18. Dezember vom Autor dieser Zeilen entgegengenommen – unter der Telefonnummer (0 69) 66 36 79 47 oder per E-Mail an gerhard-uhl@gmx.de.

Info: Steckbrief

Streckenlänge: rund 10 Kilometer (einfache Strecke).

Dauer:  etwa 3 Stunden (inklusive Pausen) Schwierigkeitsgrad: Es sind rund 600 Höhenmeter zu bewältigen, Strecke ist aber angenehm zu laufen, die Steigungen sind moderat verteilt. Konditionsstarke laufen wieder zurück zur Hohemark. Für alle anderen fährt der Bus vom Feldberg zurück zur Hohemark.

Anforderungen: Gutes Schuhwerk und gute Kondition sind unabdingbar, Wanderstöcke von Vorteil. Vor allem sollte man daran denken, ausreichend Getränke mitzunehmen

Anfahrt mit dem Auto:  über A 661 und B455, Abfahrt „Oberursel/Hohemark“, Parkplatz Hohemark; mit öffentlichen Verkehrsmitteln: U 3 bis Hohemark; Buslinie 57 zur Hohemark (ab Bad Homburg) Einkehrmöglichkeiten: Gaststätten gibt es an der Hohemark, am Fuchstanz sowie auf dem Großen Feldberg, dort befindet sich auch das Wanderheim des Taunusklubs nebst bewirtschaftetem Kiosk.

Weitere Informationen: Kartenblatt „Vordertaunus“ aus dem Verlag Natur Navi im Maßstab 1: 25 000. Literatur:  Siehe die einschlägigen Wanderführer sowie das Angebot der Tourist-Info an der Hohemark.

Infos zum Taunusklub im Internet unter www.taunusklub.de

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