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Gläserne Metzgerei geplant

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Ein junges Team führt Alina Henrici gemeinsam mit ihrem Mann Kevin (nicht auf dem Bild) in Neu-Anspach; Jonas Henritzi gehört dazu. © Red

Neu-Anspach (kop). Es gibt immer weniger junge Leute, die sich für eine Handwerksausbildung entscheiden. Und es wird auch immer schwieriger, einen bestehenden Handwerksbetrieb an die nächste Generation zu übergeben. Bei der Metzgerei Henrici in Neu-Anspach ist das wohltuend anders. Die Betreiber Kevin (30) und Alina Henrici (29) suchen sich immer wieder neue Standbeine.

Und sie haben Erfolg.

Mit 14 Jahren schnupperte der heute 20-jährige Jonas Henritzi das erste Mal im Metzgerbetrieb der Henricis rein, er absolvierte ein Schulpraktikum in der Küche des Betriebs. Seitdem ließ ihn die Atmosphäre nicht mehr los. Es folgten weitere Arbeitsferien, dann die Ausbildung. 2020 schloss er diese mit dem Gesellenbrief ab.

Mit voller Unterstützung durch die Betreiber ging Henritzi weiter und legte nach drei Monaten Blockseminar in Weiterstadt seine Meisterprüfung ab. Damit soll noch nicht Schluss sein. Wie sein Chef will auch Jonas Henritzi Weiterbildungen draufsatteln, vielleicht zum Sommelier für Wurstwaren und Schinken.

»Man muss für diesen Job leben«, sagt seine Chefin Alina Henrici. Sie freut sich natürlich darüber, dass ihr Schützling als Innungsbester abgeschnitten hat, ein deutlicher Hinweis auf die Qualität der Ausbildung im Neu-Anspacher Betrieb. Ein Merkmal davon sei, dass die Henricis ihre Mitarbeiter auch einmal etwas ausprobieren lassen. Geht es dann schief, wird es dennoch als Lernerfolg verbucht.

Altes Rollenbild ist Fehlanzeige

»Wir haben hie rein familiäres Verhältnis miteinander. Den rauen Ton, den man von einer Metzgerei erwartet, den gibt es hier nicht«, sagt Alina Henrici. Als Kevin Henrici den Betrieb vor rund zehn Jahren von seinen Eltern übernommen hat, zogen sich diese komplett zurück, überließen ihrem Sohn freie Hand. Nur die Oma hilft noch in der Küche mit, aber auch sie hat nicht das Kommando. Jonas Henritzi gefällt das auf jeden Fall gut, »das alte Rollenbild sucht man hier vergeblich«, sagt er.

Nach und nach haben die Henricis junges Personal für die Arbeit begeistern können. Und so wurden aus zehn inzwischen 35 Mitarbeiter, die in der eigenen Fleischerei, im Metzgerladen, im Bistro, in der Küche oder in der Verwaltung tätig sind. Auch einen Partyservice hat Alina Henrici aufgezogen.

Dann kam Corona, die Aufträge brachen weg. Doch die Henricis haben sich nicht entmutigen lassen und ein anderes Standbein aufgezogen. Seitdem sind sie in einigen Rewe-Märkten der Region mit ihren Waren bei den Direktvermarktern vertreten.

Eigentlich befinden sich die Henricis schon seit 2006 als erster Partner überhaupt in einer Kooperation mit dem Verein und Unternehmen Gutes aus Hessen, das das offizielle Qualitätssiegel des Landes herausgibt. Als Corona dann den Partyservice stilllegte, wurde die Zusammenarbeit intensiviert, sodass die Waren des Betriebs nun in 67 Märkten zu finden sind.

Trotzdem legen die Henricis Wert auf ein moderates Wachstum, wie die 29-Jährige beteuert. »Der Partyservice kommt langsam wieder in Schwung, doch wir agieren hier noch vorsichtig.« Das können sie sich leisten, denn die vielen anderen Standbeine tragen das Geschäft und sichern die Löhne der Mitarbeiter. Trotzdem gibt es immer wieder Planungen. So schwebt den Henricis nun ein Neubau vor, der alle Geschäftsbereiche effizient vereint. Die Stadtpolitik muss darüber noch befinden.

Noch eine eigene Schlachterei

Doch können sich die Henricis schon jetzt vorstellen, auch Schulklassen und Kitas durch ihre dann »gläserne Fleischerei« zu führen. Bereits jetzt verfügt der Betrieb über eine der wenigen verbliebenen eigenen Schlachtereien. Er betreibt auch Lohnschlachtungen für andere Unternehmen. Ein weiterer Punkt, der Jonas Henritzi überzeugt hat. »Ich mache diese Ausbildung ja nicht, um dann an einer Fleischtheke nur fertige Waren auszupacken.«

Nein, er will die Fleisch- und Wurstwaren selbst zuschneiden und auch mit dem richtigen Gewürz-Pfiff versehen. »Es ist ein Beruf mit Zukunft, die Leute müssen immer essen«, ist er überzeugt.

Die Kunden bleiben bei der Stange, auch wenn jetzt erst wegen des Ukraine-Krieges auch hier die Preise angehoben werden mussten - und sie ohnehin schon immer anders als im Supermarkt waren. »Vielleicht kaufen sie etwas weniger, doch die Kunden gehen uns nicht verloren«, ist Alina Henrici überzeugt.

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