In ein geradezu magisches Licht wird die Lahnbrücke in Limburg bei dem inklusiven und demokratischen Kunstprojekt von Daniela und Pascal Kulcsár getaucht, bei dem jeder Zuschauer mitmachen kann.
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In ein geradezu magisches Licht wird die Lahnbrücke in Limburg bei dem inklusiven und demokratischen Kunstprojekt von Daniela und Pascal Kulcsár getaucht, bei dem jeder Zuschauer mitmachen kann.

Traum-Projekt

Glashüttener Lichtkunst zum Selbstgestalten

  • VonDavid Schahinian
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Daniela und Pascal Kulcsàr haben zum Hessen-Jubiläum ein demokratisches Projekt entwickelt

Königstein/Glashütten -Man nehme Sehenswürdigkeiten wie den Bad Homburger Schlossturm oder das Kloster Lorsch, tauche sie des Abends mit starken Beamern in bunte Animationen und lasse die Zuschauer die Projektionen live per Smartphone mitsteuern. Was dabei herauskommt, muss man gesehen haben, um es in Gänze zu erfassen. Für das Künstlerehepaar Daniela und Pascal Kulcsár ist es ein Traum-Projekt, für das sie von der Hessischen Staatskanzlei gebucht wurden: Noch bis Anfang Dezember touren sie anlässlich des Jubiläums "75 Jahre Hessen" durch insgesamt 30 Städte im Bundesland. Und sind damit gleichzeitig leuchtendes Beispiel für Kreativität made in Oberems.

"Die Menschen nehmen es dankend an, und auch die Städte können auf sich aufmerksam machen", sagen die beiden zu der Tour. Anfangs sei das Echo zwar noch etwas verhalten gewesen. Einfach, weil sich viele nicht so recht vorstellen konnten, was sie erwartet. Mittlerweile hat es sich herumgesprochen: Auf der Wasserkuppe und an der Lahnbrücke in Limburg hat die Zuschauerzahl kürzlich geschätzt jeweils die 1000er-Marke gekratzt. "Einige reisen uns mittlerweile sogar hinterher und nennen sich selbst Fans", berichtet Pascal Kulcsár. Für zwei Termine konnten Bürger selbst Vorschläge einreichen, was sie zahlreich taten. Das Rennen machten die Flörsheimer Warte und der Diebsturm in Grünberg.

Das Ganze ist für die beiden Lichtkünstler und Designer ein sich ständig weiterentwickelndes Projekt. Anders als bei vielen anderen Projektionen gibt es keine vorgefertigten Videosequenzen. Die Formen und Umrisse zeichnen sie an Ort und Stelle jeweils individuell. Mittels QR-Code gelangen Zuschauer während der Projektion auf eine Website, auf der sie Farbe oder Blendeffekte steuern können. Manche Erwachsene werden da wieder zu Kindern, wenn etwa der Höchster Schlossturm auf ihren Fingerdruck hin einen sanft-gelben oder grell-grünen Anstrich erhält.

"Oftmals erhalten wir schon vor dem Termin erste Anfragen, von welchem Ort aus man besonders schöne Fotos machen kann." Ist die Vorstellung dann im Gange, häufen sich Fragen etwa nach den Projektoren und der Software. "Daher erklären wir mittlerweile mehrere Male an einem Abend, wie das Ganze funktioniert." Da die Gastspiele mehrere Stunden dauern, bleibt genug Zeit, um ins Gespräch zu kommen und ausgiebig zu experimentieren. Man verpasst daher auch nichts, wenn man nicht gleich zu Beginn der Veranstaltung kommt.

Die hessenweit gestiegene Popularität schlägt sich auch in Anfragen an das selbstständige Künstlerpaar nieder. "Vielen hat sich der Zauber bei einem Besuch erschlossen, und es entstehen Ideen für weitere Projektionen." Etwas Besonderes wird die Tour für sie aber bleiben. Auch, weil sie für Pascal Kulcsár in einem größeren Zusammenhang steht: "Es ist ein durch und durch inklusives und demokratisches Projekt. Inklusiv, weil es für Menschen aller Altersgruppen und kultureller Hintergründe geeignet ist, die miteinander schauen und staunen." Gerade in einer Zeit, in der die Gesellschaft zu zerfasern scheine und Aufgeregtheit herrsche, sei das wohltuend. Demokratisch, weil jeder sehe, dass er etwas verändern kann. Es ist eine unkonventionelle, aber schöne Art, Selbstwirksamkeit zu erfahren, indem man riesige Bauwerke in seinen eigenen Lieblingsfarben und -formen erstrahlen lässt.

Die verbleibenden Termine können im Internet auf hessen.de unter dem Button "75 Jahre Hessen" abgerufen werden. Weitere Informationen und Fotos gibt es unter flashlines.net.In dem einen oder anderen Haushalt der Kurstadt steht er schon: der Königsteiner Lichterbogen aus Holz. Eine Stadt pro Jahr wird auf diese Weise von den Kulcsárs in aufwendiger Arbeit gestaltet. Diesmal fiel die Wahl auf Idstein. Aber der Königsteiner Bogen aus dem letzten Jahr ist wie auch die Stecksilhouette für Teelichter nach wie vor im Sortiment. Mit einer weihnachtlichen Klappkarte haben sie zudem handlichen Zuwachs mit Lokalkolorit bekommen. "Das Motiv ist dichter gestaltet, weil der Lichterbogen sehr viel breiter ist als eine Karte", erklärt Daniela Kulcsár. Die Licht-Schatten-Optik des Bogens mit dezentem Schneefall sollte aber auch auf der Karte erhalten bleiben. Zusätzlich wurden die Flocken und weitere Elemente wie die Hausdächer mit Glanzlack veredelt. Erhältlich sind die weihnachtlichen Produkte bei der Kur- und Stadtinformation, Hauptstraße 13, oder im Onlineshop unter www.atypisch.shop.

Von David Schahinian

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