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„Gell, du hast mich gelle gern“– die „singende Wirtin“ Melissa Zovko holte sich Verstärkung auf die Bühne.

KVG 1948

KVG leitet bei seiner Prunksitzung das Ende der politischen Eiszeit ein

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Die Prunksitzung des KVG 1948 stand unter dem Motto „Eiszeit“. Doch sie wurde alles andere als eine „frostige Angelegenheit“ – auch dank des Sitzungspräsidenten Dr. Lutz Riehl. Mit viel Witz, feinen Spitzen und mitreißenden Tänzen unterhielten die Aktiven das Publikum im Bürgerhaus.

Erstmalig führte Lutz Riehl die Karnevalisten durch die Sitzung. Er hat das Zepter von Simone Keller übernommen und ist laut Karin Kempf ein Sitzungspräsident im XXL-Format. Besonderen Spaß hatte Sitzungspräsident Riehl damit, die Schloßborner Nachbarn auf die Schippe zu nehmen. Dass die Oberemser weitestgehend verschont blieben, lag wohl an der Tatsache, dass mit Mathias Högn ein Oberemser im Elferrat saß und als Protokoller in der Bütt stand.

Die Glashüttener Garden und Schautanzgruppen waren von den Jüngsten bis zu den Großen mit viel Engagement und Spaß bei der Sache und sorgten mit ihren Darbietungen für eine tolle Stimmung im Saal.

Protokoller Mathias Högn nahm mit scharfem Blick und spitzer Feder die Ereignisse des vergangenen Jahres ins Visier. Dass alle großen Parteien ihren Vorsitzenden gewechselt haben, gehörte für Högn genauso zu den Irrungen und Wirrungen der Bundespolitik, wie das sang- und klanglose Verschwinden von Martin Schulz. „Wer sein Fähnchen nach dem Wind hängt, rennt der Blähung hinterher.“ Annalena Baerbock und Robert Habeck sind für Mathias Högn „das neue Prinzenpaar des ökologischen Gewissens“. Und bei den Diskussionen um die Dieselaffäre müsse sich Deutschland wappnen, nicht von „Everybody’s Darling“ zu „Everybody’s Deppen“ zu mutieren.

Trump, eine Katastrophe

Eiskalt: die Cool Blue Girls.

Vom Klimaschutz zur Weltpolitik ist es kein weiter Weg für Högn. Die größte Klimakatastrophe überhaupt sei Donald Trump. Der amerikanische Präsident stelle unter Beweis, dass er formulieren könne, ohne ein Gehirn zu benutzen. Deutschland könne im Jubiläumsjahr der Wiedervereinigung froh sein, dass Trump nicht schon 1989 Präsident gewesen sei, denn dann wäre es höchstwahrscheinlich nichts mit dem Mauerfall geworden.

Högn überließ es Simone Keller, sich den Glashüttener Themen anzunehmen. Die stieg als Mitarbeiterin des Ordnungsamtes in die Bütt. Mit „Eisverkäuferin“ Karin Kempf nahm sie die heimischen Verhältnisse aufs Korn. Ob Überwachungskameras, mit denen die Ordnungshüterin die Kerbemütter und „Alten Schachteln“ im Blick behalten kann, wenn diese die leeren Sektflaschen zum Glascontainer schleppten oder die „Stromsparstraßenlaternen“, die kein Licht ins Dunkle brächten. Keller und Kempf warfen einen Blick „in den Ort und drum herum“.

Doch nicht nur die beiden Damen hatten das Ortsgeschehen im Blick. Im Zuge der politischen Annäherung zwischen Deutschland und Russland besuchte der „Sonderbotschafter der Russischen Förderation Wasili Alexandrowitsch Kaputnik“ alias Sitzungspräsident Lutz Riehl die Gemeinde. Er zeigte sich gut über die Glashüttener Verhältnisse informiert und zog Parallelen zur russischen Politik.

Grüße sollte der Sonderbotschafter seitens seines Zaren..., ach nein, seitens des Präsidenten Putin an die komische Elf überbringen. Es gelte, die politische Eiszeit zu beenden. Und, wo könne das besser geschehen als in Glashütten. „Jeder weiß doch, dass hier ausschließlich die Narren das Sagen haben.“

Man beobachte schon lange, wie die Glashüttener Politik machen. „Alles ist wie bei uns in Russland. Sachen werden geplant und mit Geld bezahlt, das ihr nicht habt.“ Mit besonderem Interesse habe man die Jubiläumsfeierlichkeiten mit der Partnerstadt Caromb beobachtet. Was wäre ein Festumzug doch toll gewesen. Aber, eine Genehmigung habe gefehlt. Ein Glück, dass man zum Fröhlichsein keine Genehmigung brauche, sonst wäre auch das noch schief gegangen.

18 Damen auf St. Pauli

Simone Keller nahm sich der Sicherheit und Ordnung im Ort an.

Rund 20 Minuten unterhielt Riehl mit unnachahmlichem Dialekt als russischer Sonderbotschafter sein Publikum. Glashütten könne stolz sein auf eine ganz besondere Streitkraft. Es sei ihm zu Ohren gekommen, dass 18 schlagkräftige Damen in zwei Tagen Hamburg eingenommen hätten. „Was sind schon russische alte Säcke gegen Glashüttener ,Alte Schachteln‘.“

Die „Alten Schachteln“ wiederum nahmen den gemeinsamen Ausflug zum Anlass, eine neue und bunte Choreographie über die gemeinsame Zeit und das St.-Pauli-Musical „Heiße Ecke“ zu präsentieren.

Pit Flugel kehrte nach vielen Jahren auf die närrischen Bretter der Glashüttener Fastnacht zurück. Mit flotten Sprüchen und selbstverfassten Liedern zeigte er, dass er das Publikum immer noch bestens unterhalten kann.

Lieder gab es auch von der „singenden Wirtin“ Melissa Zovko. Die Wirtin der „Bürgerklause“ gab zwei Klassiker von Margit Sponheimer aus der Mainzer Fastnacht zum Besten. Selbst die jüngsten Fastnachtfans konnten bei „Am Rosenmontag bin ich geboren“ und „Gell, du hast mich gelle gern“ mitsingen.

Als größte „Boygroup Glashüttens“ zeigte sich der Elferrat mit einer Interpretation des Liedes „Zehn kleine Jägermeister“ der Punk-Band „Die Toten Hosen“. Damit bewiesen die Herren, dass sie zu weitaus mehr imstande sind als „tatenlos herumzusitzen“.

Frau Rauscher alias Ingrid Keller kommentierte getreu ihrem Wahlspruch „Ihr Leut, isch kenn misch auf de Glashütt aus“ noch einmal auf ihre eigene Weise das Ortsgeschehen, und für den krönenden Abschluss sorgte das Männerballett die „Glashübber“. Die Männerriege mischte mit ihrer Performance das Bürgerhaus noch einmal so richtig auf.

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