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Streusalz-Kooperation vor dem Aus

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Der nächste Winter kommt bestimmt. Bis dahin wird Glashütten für rund 100 000 Euro ein neues Streusalzlager bauen müssen, weil Hessen Mobil die Mitbenutzung des Silos an der B 8 aufgekündigt hat.

Warum zwei Streusalzlager, wenn es eines genau so gut tut: Seit Jahren nutzen Straßenmeistereien des für Bau und Unterhaltung von Landes- und Bundesstraßen zuständigen Landesbetriebs Hessen Mobil ihre Streusalzlager gemeinsam mit den Gemeinden, auf deren Gebiet die Lager liegen.

Auch in Glashütten ist das so. Das System ist ganz einfach: Die Kommunen lassen das Salz aus dem großen Topf auf die Ladeflächen ihrer Unimogs rieseln, bekommen für die bezogene Menge eine Rechnung, die wird bezahlt und gut ist. Gut war, denn so wird es wohl nicht mehr sein.

Heißt: Hessen Mobil kündigt die kommunale Mitbenutzung der Silos zum nächsten Winter auf. Davon wusste die Gemeinde bisher nichts, jetzt, nach dem Anruf der TZ, aber schon.

Der Grund für die Kündigung: Hessen Mobil streut nicht nur die eigenen Landesstraßen, sondern im Auftrag des Bundes auch die Bundesstraßen in ihrem Bereich. Das ist nicht neu. Neu hingegen ist, dass man sich beim Bund offenbar um das winterliche Fortkommen der Autofahrer sorgt und mehr Angst vor mehr Schnee hat.

Man will auf „seltene Krisenwinter“ vorbereitet sein und nicht wie zuletzt 2010 ohne Salz dastehen. Reichten bislang 100 000 Tonnen als Salzreserve in den 60 hessischen Salzlagern aus, fordert der Bund nunmehr 150 000 Tonnen. Da ist dann kein Platz mehr für Nachbars Salz. Das erklärte Andreas Moritz von Hessen Mobil jedenfalls so in einem Beitrag der „Hessenschau“ vom Mittwoch.

Danach soll zum nächsten Winter die Streusalz-Connection mit sieben hessischen Kommunen gekappt werden, genau diesen: Rüdesheim, Oestrich-Winkel, Heidenrod, Homberg/Ohm, Steffenberg, Tann/Rhön und eben Glashütten.

Die Bürgermeister von Rüdesheim und Oestrich-Winkel, Volker Mosler und Michael Heil (beide CDU), haben – von der Nachricht kalt erwischt – bereits auf dem HR-Bildschirm ihrem Unmut freien Lauf gelassen. Der Oestrich-Winkler Rathauschef wusste gar nichts davon. Ihm ging es so wie Glashüttens Erster Beigeordneten Elvy Mäkitalo (CDU), die bis zum Amtsantritt der neuen Bürgermeisterin die Amtsgeschäfte führt und der die Mittwochs-Hessenschau entgangen war. Sie erfuhr erst von der TZ von der neuen Situation.

Bislang, das wurde aus der Verwaltung bestätigt, gab es vonseiten Hessen Mobil noch keine Information. Vor 14 Tagen war zwar ein Treffen zum Thema „Winterdienst“ im Rathaus geplant gewesen, das sei dann aber von Hessen Mobil abgesagt worden, hieß es.

Für den Fall, dass Glashütten zum nächsten Winter tatsächlich ein eigenes Salzlager braucht, rechnet Dieter Weinell vom Bauamt mit Kosten von 100 000 Euro. Inklusive Radlader, „haben wir nicht, brauchen wir dann aber“.

Kleine Petitesse am Rande: Als vor etlichen Jahren der Rewe-Markt am Dornsweg gebaut wurde, musste das bis dato dort betriebene Salzlager weichen und auf Kosten der Gemeinde – bezahlt hat es am Ende der Supermarkt-Investor – quasi um die Ecke gebracht werden, direkt an die B8.

Natürlich sollte es dort in den Besitz des Landes übergehen. Nach TZ-Informationen ist es das aber nicht. So gesehen, gehört das neue Salzlager nach wie vor der Gemeinde. Wie es heißt, ist es zur Überschreibung nie gekommen. Glashütten hatte damals angeboten, das zu erledigen, das Land aber soll unter Verweis auf eigenes Fachpersonal dankend abgelehnt haben.

Wie es scheint, hatte das bislang aber noch keine Zeit. Der Gemeinde den Stuhl vor die eigene Tür zu setzen, dürfte bei dieser Gemengelage nicht so einfach sein...

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