Stedter Passionsspiele

Was Gott zu sagen hat

  • schließen

Es gibt Dinge, die lassen sich nicht modernisieren. Doch bei den ersten Stedter Passionsspielen ist der Sprung ins Hier und Heute geglückt.

Die älteste Geschichte der Welt in neuem Gewand? Das haben einige versucht. Auch das Pfarrerehepaar Miriam Külmer-Vogt und Dr. Fabian Vogt, hat, angeregt durch die Passionsspiele in Oberammergau (TZ berichtete), einen solchen Gedanken mit den Laienschauspielern Anke Drape, Martina Süß und Claus Schmidt-Seidenfaden verfolgt. Herausgekommen sind die ersten Stedter Passionsspiele, die an drei Tagen in der Alten Wache zu erleben waren.

Doch hier ging es nicht darum, wie Jesus verraten, mit dem Kreuz den Berg hinangetrieben und schließlich mit der Dornenkrone auf dem Haupt gekreuzigt wurde. Die Vogts und ihre Freunde konzentrierten sich auf den Moment danach. Außerdem haben sie ihre Spiele ein wenig modernisiert, der heutigen Zeit angepasst und mit einer Prise Humor gewürzt.

Hanna (Anke Drape) sitzt traurig und verzweifelt auf einer Kiste. Jakobus (Claus Schmidt-Seidenfaden) ist bei ihr und schaut ins Leere. Es klopft. Aufgeregt springen die beiden Anhänger Jesu auf. „Wenn das die Römer sind, um auch uns zu holen, ich will nicht sterben, schlimm genug, dass Jesus tot ist“, ruft Jakobus angsterfüllt. Doch vor der Tür steht Miriam (Miriam Külmer-Vogt), die auch zur Gruppe der Freunde Jesu gehört. Sie weint, doch bald will sie ein Requiem über Jesus schreiben.

Später kommt auch Petrus (Fabian Vogt) hinzu, der sich schämt und einen Versager nennt: „Drei Mal habe ich ihn verleugnet, er hat es mir am Abend zuvor prophezeit.“ Die vier diskutieren ihre verschiedenen Sichtweisen und Befindlichkeiten. Einerseits möchten sie weiter glauben, andererseits sind sie von tiefen Zweifeln geplagt.

Da kommt Claudia, die Frau von König Herodes (Martina Süß), der Jesus töten ließ, hinzu: „Gott hat Euch etwas zu sagen.“ Die vier Freunde sind verblüfft und skeptisch zugleich. Doch Claudia, ihre vermeintliche Feindin, schafft es, die Anhänger Jesu wieder zuversichtlich zu stimmen. Sie hören davon, dass Jesus aus seiner Grabhöhle verschwunden ist. „Vielleicht ist das nicht das Ende“, sinniert Hanna, und Petrus fügt hinzu: „Vielleicht ist das der Anfang.“

Mit einem wunderschön gesungenen „Amazing Grace“ verabschieden sich die Darsteller der ersten Stedter Passionsspiele von der Bühne. Dabei steht symbolisch für das Ende der Geschichte die Textzeile: „I was blind, but now I see . . .“ – „Ich war blind, aber jetzt verstehe ich . . .“ Passionsspiele, wie man sie noch nie gesehen habe, haben die Vogts und ihre Freunde versprochen. Nach Ansicht der Zuschauer der Premiere haben sie dies auch gehalten.

Weitere Informationen über Veranstaltungen der Alten Wache sowie das neue Programmheft für April bis September gibt es auf .

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare