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Am Donnerstag hat das Ordnungsamt am Ortseingang Grävenwiesbachs das Radargerät aufgebaut, und in den nächsten Wochen soll die zunehmende Raserei wieder eingedämmt werden. Foto: Privat

Anwohner beschweren sich

Corona-Raser auf leeren Straßen - Auf die Reaktion des Ordnungsamtes reagieren viele aggressiv

Die Corona-Krise sorgt für leere Straßen in Grävenwiesbach. Das nutzen einige Autofahrer hemmungslos aus. Das Ordnungsamt wehrt sich mit Blitzern.

  • Corona-Krise sorgt für leere Straßen in Grävenwiesbach
  • Raser sorgen bei Anwohnern für Ärger
  • Ordnungsamt reagiert und stellt Blitzer auf

Grävenwiesbach - Wer gestern Morgen aus Richtung Weilburg auf der Bundesstraße die Grävenwiesbacher Ortsgrenze überquerte, war gut beraten, auf den Tacho zu achten. Denn nicht nur der fest installierte Blitzer wachte über die Geschwindigkeit, keine 100 Meter weiter stand ein mobiles Gerät für alle jene, die beim ersten Blitzer kurz abbremsen und dann wieder Gas geben.

Corona-Raser bekommen Post vom Ordnungsamt

Und es war nicht ohne Sinn, was da gestern ablief. Denn so mancher Autofahrer bekommt in Kürze Post vom Ordnungsamt. Was dann auch beweist, dass die Kommunen Usingen, Grävenwiesbach und Neu-Anspach mit ihrer Entscheidung, die Radarüberwachung wieder aufzunehmen, richtig liegen. Denn eigentlich, so Ordnungsamtsleiter Hans-Jörg Bleher, habe man in Corona-Zeiten die Bürger nicht noch mit Geschwindigkeitsmessungen belasten wollen. "Doch die Realität zeigt, dass viele Autofahrer die leeren Straßen nun nutzen, um aufs Gas zu treten. Und bei uns klingeln im Amt die Telefone, weil Bürger sich über das zunehmende Rasen beschweren." Nun haben die Kommunen die Konsequenz gezogen und schicken den mobilen Messwagen auf die Piste - gestern in Grävenwiesbach. Und dies, obwohl die Ordnungskräfte auch an Wochenenden durch die Krise unterwegs sein müssen und Arbeit bis über beide Ohren haben.

An Bord waren die Anspacher Ordnungsamtsmitarbeiterin Tanja Bonzelius und Mitarbeiter der Firma, die beim Technik-Aufbau nötig ist. Dass die Ordnungspolizistin nicht alleine die Messungen vornimmt, hat nicht nur technische Gründe - also die Hilfe beim korrekten Aufstellen der Geräte -, sondern auch einen Sicherheitsaspekt. Denn beileibe nicht jeder erwischte Schnellfahrer reagiert mit einem Achselzucken und "Na ja, erwischt".

Ordnungsamt: Corona-Raser greifen Mitarbeiter an

Hans-Jörg Bleher und Bonzelius könnten Bücher füllen über das, was das Ordnungsamt und natürlich seine Mitarbeiter direkt an der Anlage erleben. "Vor zwei Monaten hat uns ein Mann handgreiflich angegangen. Da musste ich meine Kollegen zur Hilfe holen, die auch blitzschnell da waren. Zudem war der Randalierer auch noch angetrunken", sagte Bonzelius. Für den Mann hatte das natürlich gerichtliche Konsequenzen. Wenngleich persönliche Angriffe noch selten sind - was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ordnungsamt sich gefallen lassen müssen, ist oft mehr als grenzwertig.

"Es kommt bei jeder Messung vor, dass erwischte Autofahrer anhalten und an den Messwagen kommen. Die meisten wollen einfach nur wissen, wie viel zu schnell sie waren und sind froh, wenn es bei einem Gebührenbescheid bleibt. Aber wir haben auch andere Kandidaten, die sich richtig aufregen." Und manche vergreifen sich sogar am Gerät.

Blitzer sorgt für Beschwerden beim Ordnungsamt

Für Bleher auf der einen Seite verständlich, denn "wer will schon gerne erwischt werden". Aber die Pöbeleien nehmen zu. Dabei sind "Wegelagerer" und "Abzocker" noch die nettesten Titel. Richtig deftige Beleidigungen gibt's natürlich nur über die "sozialen" Medien. Denn dort können die Schmierer anonym aus der Deckung feuern, für eine Namensnennung haben sie ja keinen Mumm.

"Wir reagieren sehr gelassen darauf", sagte Bleher. Bei den Online-Beschimpfungen gar nicht, denn "das macht keinen Sinn". Und wer sich am Telefon aufrege, dem komme man mit Gelassenheit und besonnen entgegen. "Wer uns gegenüber sitzt oder sich auch direkt am Blitzer beschwert, mit dem kann man Auge in Auge meist gut reden." Die Erfahrung hat auch Bonzelius gemacht.

Ordnungsamt kämpft gegen Corona-Raser: Messplan für Blitzer

Am Telefon wird's dann auch schnell mal deftiger. "Unsere Mitarbeiter sind geschult, auf die Angriffe und Proteste richtig zu reagieren", unterstreicht der Ordnungsamtsleiter. Aber es gebe Grenzen: "Wir sind Menschen, und so wie wir anderen mit Respekt begegnen, sollte auch uns dieser Anstand entgegen gebracht werden."

Nun wird also streng nach Messplan vorgegangen - was rund 150 Radarmessungen im Jahr bedeutet, immer wechselnd zwischen Usingen, Grävenwiesbach und Neu-Anspach.

"Eigentlich muss man es nicht noch einmal betonen, aber zu hohe Geschwindigkeit ist die Unfallursache Nummer eins. Und gerade an den neuralgischen Stellen werden wir künftig wieder ein Auge auf den Verkehr haben", so Bleher. Eben am Ortseingang Grävenwiesbachs. Am Ortsausgang von Usingen werde schon viel zu früh aufs Gas gedrückt, obwohl noch Kreuzung und Klinikeinfahrt kommen. Und auch in Anspach, Richtung Saalburg, treten Autofahrer zu früh aufs Gas. 


bur

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