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Ein Feuerwehrauto als Lebensbegleiter: Ehemaliges Laubacher Einsatzfahrzeug wird Teil eines Hilfskonvois in die Ukraine

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Feuerwehrvorsitzender Stefan Born erinnert sich in der leeren Fahrzeughalle an seine 30 Jahre mit dem LT 35 TSF-W. © Andreas Romahn

Ein ehemaliges Auto der Freiwilligen Feuerwehr Laubach hilft nun in den Kriegsgebieten in der Ukraine - für den Vereinsvorsitzenden Stefan Born bedeutete das das Ende einer ganz besonderen Beziehung.

Grävenwiesbach-Laubach. Vor drei Wochen wurde das Tragkraftspritzenfahrzeug (TSF) der Laubacher Feuerwehr abgegeben und im Rahmen der Ukraine-Hilfe an eine Feuerwehr im Kriegsgebiet gespendet. Für den Feuerwehrvorsitzenden Stefan Born endete damit eine außergewöhnliche Ära. Denn der Laubacher Brandschützer verbrachte sein halbes Leben mit dem Feuerwehrauto, seit er vor 31 Jahren die Schlüssel für den VW LT 35 erhielt. Am 31. März 2022 übergab er diesen Schlüssel persönlich an Vertreter der Frankfurter Feuerwehr, die einen Hilfskonvoi in die Ukraine organisierten.

Abschied mit ein bisschen Wehmut für Laubacher Feuerwehrvorsitzenden Stefan Born

Ein wenig wehmütig stand der erfahrene, nicht so leicht zu beeindruckende Feuerwehrmann vergangene Woche in der leeren Fahrzeughalle im Gerätehaus Laubach. Vor 31 Jahren im April 1991 hatte der frischgebackene Wehrführer Born den neuen VW LT 35 in Giengen in Baden-Württemberg abgeholt. Zusammen mit Mechaniker-Fachmann Reinhard Etzel und Michael Gockel war er mit dem ICE angereist, um im Feuerwehr-Fahrzeugwerk der Firma Ziegler das 70 PS starke VW-Auto abzuholen und 320 Kilometer in den Hintertaunus zu bringen.

Beim Laubacher Feuerwehrfest erhielt der damals 25-jährige Wehrführer offiziell die Fahrzeugschlüssel von Grävenwiesbachs Bürgermeister Hellwig Herber. 26 Jahre lang, von 1991 bis 2017, stand Born an der Spitze der Laubacher Aktiven und fuhr den LT 35 zu unzähligen Einsätzen in der Gemeinde und im Usinger Land. Mehr als drei Jahrzehnte stand das TSF in der alten Fahrzeughalle im Dorfgemeinschaftshaus sowie später im neuen Gerätehaus und wurde von den Laubacher Floriansjüngern liebevoll gepflegt und instand gehalten. Am 21. März 2022 um 18 Uhr war damit endgültig Schluss. Denn an diesem Tag wurde von Born und seinen Kameraden der Funk im Fahrzeug ausgebaut und das TSF offiziell außer Dienst gestellt.

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Als Wehrführer hatte Stefan Born 1991 von Bürgermeister Hellwig Herber bei der Fahrzeugübergabe den Schlüssel übernommen. © Andreas Romahn

Statt Versteigerung großzügige Spende für Ukraine-Hilfskonvoi

Am Donnerstag, 31. März, erfolgte die letzte Fahrt im Usinger Land, als Born mit dem stellvertretenden Gemeindebrandinspektor Sascha Herr den LT 35 nach Frankfurt zur Feuerwache 1 am Hauptfriedhof brachte, von wo ein großer Feuerwehr-Hilfskonvoi startete. Die Gemeindefeuerwehr spendete nicht nur das TSF für die Ukraine, sondern bestückte das Fahrzeug zusätzlich mit wertvoller Brandschutz- und Rettungsausrüstung. Vier komplette Atemschutzgeräte mit Maske und sofort einsetzbare Atemschutzflaschen, ein Schaumrohr, Strahlrohr und Verteiler, neun Nomex-Wetterschutzjacken, Verbandskästen sowie diverse Jacken, Hosen und Atemschutz-Ersatzteile mit passender ukrainischer Übersetzung waren mit an Bord des TSF, um Menschenleben zu retten.

In der Laubacher Feuerwehr war kurzfristig die Idee entstanden, das Fahrzeug, dessen Ersatzbeschaffung in Kürze erfolgen wird, nicht wie sonst üblich offiziell über das Zollamt von der Gemeinde zu versteigern, sondern es der Hilfsaktion für die Ukraine zur Verfügung zu stellen. Nachdem Gemeindebrandinspektor Peter Hess und Stellvertreter Sascha Herr zugestimmt hatten, wurde auf Vermittlung des Mönstädter Feuerwehrkameraden Veit Bosenbecker das Fahrzeug an die Frankfurter Feuerwehr übergeben. An der Feuerwache 1 in Frankfurt war eine Sammelstation eingerichtet. Im Laubacher TSF wurde noch eine Tragkraftspritze, gespendet von der Feuerwehr Eschwege, untergebracht.

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Übergabe des Laubacher Feuerwehr-Fahrzeuges an die Frankfurter Feuerwehr, die einen Hilfstransport in die Ukraine auf der Weg gebracht hat. © Andreas Romahn

Als einziges Auto ohne Defekt bis an die polnische Grenze

Mit dem Hilfskonvoi machten sich insgesamt sechs Feuerwehrfahrzeuge, darunter ein LF 16-Löschfahrzeug aus Langenselbold, sowie neben dem Laubacher weitere Tragkraftspritzen-Fahrzeuge aus Weilburg, Butzbach und zwei aus Lahnau auf den 1200 Kilometer weiten Weg an die polnisch-ukrainische Grenze. Im Konvoi dabei war ein Lastzug mit medizinischer Ausrüstung und technischem Gerät sowie ein Montageauto der Frankfurter Feuerwehr, welches auf dem Weg notwendige Reparaturen der jeweils mehr als 30 Jahre alten Fahrzeuge durchführte.

Besonders stolz waren die Laubacher über die Nachricht, dass ihr Auto es als einziges ohne Defekt am 2. April bis in den polnischen Grenzort Przemysl geschafft hatte, während drei andere Oldies trotz detaillierter Inspektion in Frankfurt auf dem Weg liegen geblieben waren.

Andreas Romahn

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