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Eltern bauen ersten Spielplatz

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In der Sommerhitze des Juni 1973 wurde der Wasserschlauch auf der Spielplatz-Baustelle von Kindergärtnerin Adelheid Bonne kurzerhand zur Abkühlung der Kinder genutzt. © Andreas Romahn

Grävenwiesbach . Kindergarten vor 50 Jahren: Im letzten Teil unserer Serie über den Alltag in der Kita in der Grävenwiesbacher Gartenstraße 22 blicken wir auf ein besonderes Bauprojekt zurück: Denn der erste Kindergarten-Spielplatz entstand nur, weil die Eltern selbst kräftig Hand anlegten.

Vor 50 Jahren im April 1972 war der neue Kindergarten drei Monate in Betrieb. Zum Genuss der frischen Frühlingsluft und der ersten wärmenden Sonnenstrahlen gingen die Erzieherinnen mit den Kindern am Wiesbach spazieren. Denn das Außengelände rund um die Kita bestand aus Schutt, Erdhügeln, dem bei Kindern durchaus beliebten Matsch - und ansonsten kahler Fläche. »Kein Baum, kein Strauch, keine Hecke und kein Spielgerät«, so beschrieb Eva-Maria Lehr 1997 in der Festschrift zum 25-jährigen Bestehen des Kindergartens das triste Bild beim Blick aus dem Fenster.

17 Väter errichten Fort und Palisaden

Sie war 1972 zusammen mit Gudrun Fuchs und Adelheid Bonne Erzieherin in der Einrichtung. Es dauerte ein Jahr, bis ein Gartenarchitekt mit der Gestaltung des Außengeländes beauftragt wurde. Am 5. April 1973 kam Bürgermeister Karl Gruber persönlich zu einem Elternabend in die Kita, um die Gestaltungspläne vorzustellen und um Mithilfe der Eltern beim Bau und der Ausgestaltung nachzufragen. Spontan erklärten sich die Eltern zum Arbeitseinsatz bereit. Sodann stellte Gruber in Aussicht, dass der Spielplatz Mitte des Jahres 1973 fertig sein könnte. Verabredet wurde ein weiteres Treffen mit den Vätern, um die Einzelheiten der Arbeiten zu besprechen. Zum Elternabend am 29. Mai 1973 erklärten 17 Väter ihr Kommen zum Baubeginn am Samstag den 2. Juni.

Interessanterweise leitete der damalige Kreisjugendpfleger Schuster die Besprechung über die Spielplatzgestaltung und gab laut Kindergartentagebuch in den Gesprächen »nähere Erläuterungen zur Ausführung«. Die drei Erzieherinnen wurden bei dem Projekt offensichtlich gänzlich außen vorgelassen. So berichtete der »Usinger Anzeiger« Ende Juni 1973 von einer wertvollen Bereicherung der Einrichtung, weil Kindergarteneltern an vier Samstagen einen Naturspielplatz gebaut hatten. Zusammenfassung: »Unter Anleitung von Kreisjugendpfleger Schuster wurde eine Anlage nach Maß geschaffen.«

In den amtlichen Bekanntmachungen im Grävenwiesbacher Gemeindeboten wurde mitgeteilt, dass die Herren Zwengel, Pauly, Best, Füssel, Beaz, Alvarez, Daum, Ullrich, Pröser, Erlbeck, Müller, Ciupke, Reuter, Fuchs, Schuster, Richter und Berghöfer dem Aufruf zur Beteiligung am Spielplatzbau am 2. Juni gefolgt waren: »Die Arbeit verlief in sehr heiterer und gelockerter Atmosphäre. Es machte allen Spaß zu sehen, wie schnell es voranging.« Die Palisaden für den großen »Sandkasten« waren bis zum Mittag alle gesetzt. Anschließend wurde mit dem sogenannten Fort begonnen. »Gegen 14 Uhr mussten die Arbeiten eingestellt werden, da das nötige Holz fehlte.« Der damals schon nachhaltig nur aus Holz gebaute Spielplatz erhielt seinen Baustoff direkt aus dem Grävenwiesbacher Gemeindewald. Unter Leitung von Oberförster Köhler sorgten die Waldarbeiter dafür, dass das Holz aus dem Grävenwiesbacher Wald geschält und auf die gewünschten Längen zugeschnitten auf der Baustelle ankam. So entstand der Spielplatz mit einem großen Sandbereich mit Sonnenschutz, Palisaden, einem Fort mit Holzhaus und einem Indianerzelt. Die Gemeinde dankte den Helfern noch einmal öffentlich mit dem Hinweis, dass ohne die ehrenamtliche Arbeit der Spielplatz nicht zu realisieren gewesen wäre.

Aufruf im Gemeindeboten

Mit einem Einweihungsfest in Form einer Grillparty wurde das erfolgreiche Projekt gefeiert. Der Gemeindebote schloss mit einem weiteren Aufruf an alle: Wer zu Hause noch brauchbare von den Kindern nicht mehr verwendete Spielsachen habe wie Sandspielzeug, Roller, Dreirad oder Sonstiges, solle diese bitte abgeben. Der Kindergarten war übrigens in der Woche vor dem Start der Bauarbeiten komplett geschlossen, weil das Gesundheitsamt wegen einer Masernepidemie die Schließung der Einrichtung verfügt hatte. In der ersten Juni-Woche nach Rückkehr in die Kita wurde der Sandbereich eingeweiht. Das Tagebuch notierte: »Die Kinder spielen begeistert.« Wegen großer Sommerhitze wurde das neue Gelände von Anfang an viel genutzt; Abkühlung kam aus dem Wasserschlauch. Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte erhielt der Außenbereich jedes Jahr etwas mehr Grün, wurden weitere Spielgeräte angeschafft und entstand ein großzügiger, parkähnlicher Spielplatz.

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