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Haben zu den aktuellen Entwicklungen in der Grundschule Stellung bezogen: Sozialpädagoge Malte Meister (von links), Bianca Heider aus dem Vorstand des Schulelternbeirates und Schulleiter Jan Drumla.

Dringlichkeitsantrag

Engpass bei der Betreuung am Nachmittag: Grundschule appelliert an Politik

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Die Wiesbachschule in Grävenwiesbach hat seit rund zehn Jahren ein eigenes Betreuungszentrum. Durch einen überdurchschnittlichen Schülerzuwachs gab es jüngst Engpässe bei der Betreuung, die langfristig nur durch die Eröffnung einer weiteren Gruppe gelöst werden könnten.

Grävenwiesbach hat eine Grundschule für alle sechs Ortsteile, die Wiesbachschule, die rund 200 Kinder besuchen. Eine Besonderheit ist, dass die Schule auch ein Betreuungszentrum unter Trägerschaft des Hochtaunuskreises beheimatet, um berufstätige Eltern zu entlasten. Betreut werden dort Schüler von 7.30 bis 17 Uhr.

Im Mai / Juni dieses Jahres zeichnete sich ab, dass das Betreuungszentrum nicht alle Kinder aufnehmen können wird, die nach den Sommerferien die Schule besuchen wollen. Die genaue Zahl kann Schulleiter Jan Drumla nicht sagen, aber die Zahl der Neuanmeldungen sei überdurchschnittlich gewesen. Um diesen Engpass beim Betreuungszentrum zu überbrücken, hat Drumla alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den, wie er sagt, „Super-GAU“ zu verhindern. Der hätte so ausgesehen, dass Kinder von 18 Familien keinen Betreuungsplatz bekommen hätten. Der Engpass im Betreuungszentrum wurde, kurz gefasst, überbrückt, indem die Hausaufgaben-Betreuung um eine weitere Gruppe erweitert wurde. Diese war vor zwei Jahren für zehn Kinder (primär aus sozial schwachen Familien, aber nicht ausschließlich) gegründet worden.

Für den Schulfrieden

Im Betreuungszentrum lag der Betreuungsschlüssel bei 40 Kindern, es wurden sechs bis acht mehr aufgenommen, als dieser vorsieht. „Es wurde versucht, alle Kinder zu betreuen. Und um das zu schaffen, wurde der gesetzliche Rahmen ausgelotet.“ Ein FSJler betreute einen Teil der Schüler bei den Hausaufgaben – bis der Kreis diesem Vorgehen einen Riegel vorschob. Die genauen Gründe für das plötzliche Umdenken kennt Drumla nicht. Er habe jedenfalls jeden Schritt immer transparent gemacht.

Es kamen also zwei Dinge an der Grundschule zusammen: Die Schülerzahl wuchs und eine Kraft im Betreuungszentrum fiel weg. „Ich habe unseren Sozialpädagogen Malte Meister überredet, dass er in der Hausaufgaben-Betreuung mitarbeitet – seit den Sommerferien bis heute“, so der Schulleiter der Wiesbachschule. Es sei die Lösung gewesen, um den Schulfrieden nicht zu gefährden.

Der Vorstand des Elternbeirates hat jüngst sogar einen Hilferuf (der Brief liegt der TZ vor) an die Eltern verschickt, mit der Bitte, die Politiker des Gemeindevorstandes zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt auf das Problem anzusprechen.

Die Lösung sehen er und die Schulleitung in der Eröffnung einer zweiten Betreuungsgruppe. „Die Räumlichkeiten für eine zweite Betreuungsgruppe werden vorgehalten und können genutzt werden, wenn die Gemeinde 500 000 Euro an den Kreis zahlt“, heißt es in dem Brief an die Eltern, der allerdings nicht nur positiv bei der Schulleitung ankam. „Der Brief wurde mit bestem Wissen und guten Gedanken verfasst, aber enthält an einigen Stellen auch unglückliche Formulierungen“, so Drumla. Der Elternbeirat hat reagiert: „Wir werden den Brief in irgendeiner Form ergänzen“, sagte Bianca Heider aus dem Vorstand.

Die Politik hat das Thema jedenfalls bereits gestern Abend auf die Tagesordnung des Gemeindeparlaments genommen. Dort sollte laut Bürgermeister Roland Seel (CDU) ein Dringlichkeitsantrag eingebracht werden, damit der Gemeindevorstand bei den Haushaltsplanungen die notwendigen Mittel für eine zweite Betreuungsgruppe mit einplant. Seel unterstützt die Bestrebungen, denn es gehe um einen wichtigen Standortfaktor. „Aber es ist eine Entscheidung der Gemeindevertretung, der kann ich nicht vorgreifen.“

Es gab bereits Pläne

2012 hatte die Gemeinde bereits mit dem Kreis vereinbart, dass die 500 000 Euro in Raten von 100 000 Euro pro Jahr gezahlt werden – damals war schon mal die Einrichtung einer zweiten Gruppe im Gespräch. Dazu kam es laut Seel dann aber nicht, weil damals doch keine weitere Betreuungsgruppe erforderlich gewesen sei.

Entstanden ist der Engpass offenbar auch, weil manche Eltern mit dem Prozedere schlicht überfordert waren und sich nicht an die Fristen hielten: Für einen Platz im Betreuungszentrum ab dem 1. August (neues Schuljahr) müssen Kinder bis zum 15. Februar angemeldet worden sein.

Heute sind es 27 Kinder, die in zwei Gruppen bis 14 beziehungsweise 15.30 Uhr die Hausaufgaben-Betreuung besuchen. Der Verein VzF hat die Personalwirtschaft inne. Kommende Woche soll eine neue zweite Kraft anfangen, kündigte Drumla an. Die Betreuung wird über Spenden finanziert – jüngst konnte sich die Schule über 3000 Euro von mehreren Spendern freuen. Eltern zahlen lediglich für das Mittagessen.

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