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Das Tipi (rechts) ist abgedeckt und zeugt davon, dass derzeit kein Kinderlachen in der Jugendherberge in Grävenwiesbach zu hören ist.

Unterkunft im Usinger Land

Die Jugendherberge in Grävenwiesbach befindet sich im „Winterschlaf“

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Es gibt etwas, dass das Usinger Land dem Vordertaunus voraus hat: es kann mit zwei Jugendherbergen aufwarten. Eine in Oberreifenberg und eine in Grävenwiesbach. Ein weiterer Standort ist Bad Homburg. Noch ist Winterpause in Grävenwiesbach, aber schon jetzt lohnt sich ein Ausblick auf das noch junge Jahr.

Wer dieser Tage eine Übernachtung in der Jugendherberge buchen will, der hat leider Pech gehabt. Denn seit Mitte Dezember steht der Gästebetrieb im Wald oberhalb Grävenwiesbachs still. Und das wird auch noch rund eine Woche, bis Mitte/Ende Januar so bleiben.

Das hat einen ganz einfachen Grund. „Wir machen Urlaub“, erklärt die Herbergsmutter Andrea Baues, die seit vielen Jahren zusammen mit ihrem Ehemann Rudolf Baues die Jugendherberge führt. Das mit dem Urlaub ist aber so eine Sache. Denn unter Urlaub stellt sich manch einer etwas anderes vor. Im Falle der Jugendherberge heißt das, Großreinemachen ist angesagt. Irgendwann müssen ja die Gardinen mal alle gewaschen und die Wände neu gestrichen werden. Das passiert in der Zeit kurz vor Weihnachten bis Januar so oder ähnlich in jedem Jahr, berichtet Andrea Baues. Im Sommer, wenn das Haus voll belegt ist, könnten solche Maßnahmen auf keinen Fall durchgeführt werden.

170 Betten

Voll belegt heißt: es stehen 170 Betten in 32 Zimmer zur Verfügung. Das sind neun Zweibettzimmer mit Dusche und WC, sieben Vierbettzimmer, davon vier mit Dusche und WC, drei Sechsbettzimmer, zwölf Achtbettzimmer und ein Zehnbettzimmer. Dazu gibt es in der Jugendherberge noch sieben Gemeinschaftsräume. Zum Service gehört auch, dass für Familien mit kleinen Kindern Kinderbetten, Hochstühle, Kindertoilettensitze und Wickelauflagen zur Verfügung stehen. Für Radfahrer bietet die Jugendherberge ebenfalls besonderen Service. Es gibt einen abschließbaren Fahrradraum mit Platz für 25 Räder, einen Trockenraum und natürlich ausführliches Kartenmaterial.

Andrea Baues ist derzeit mit den Jahresabschlussarbeiten im Büro beschäftigt. Dann gelte es, die Verträge mit den angemeldeten Gästen zu schreiben, erklärte sie. Weihnachten gebe es sowieso keine Anfragen für Übernachtungen. „Wenn jetzt aber plötzlich eine Anfrage mit 100 Gästen käme, dann würden wir alles möglich machen, sie unterzubringen“, sagt sie. Ja die beiden Herbergseltern leben für ihre Jugendherberge und identifizieren sich sehr stark mit ihrem Arbeitsplatz.

Silvester habe es in den vergangenen Jahren doch immer wieder mal Anfragen gegeben. Dann mussten die 15 Herbergs-Angestellten eben schichtweise arbeiten und hatten nicht frei. Dieses Jahr war das nicht so. Für Januar gebe es aber bereits Anmeldungen. „Das ist die Zeit der Schulchöre und -orchester, die hier bei uns gute Möglichkeiten zum Üben vorfinden“, berichtet Andreas Baues. Und im März geht es mit den Schulklassen und deren Klassenfahrten weiter. Da ziehen sich die Anmeldungen schon bis ins Jahr 2021 hin. Die Grävenwiesbacher Jugendherberge ist eben beliebt. Kein Wunder bei dem Erlebnisprogramm, das geboten wird.

Keine Abenteurer auf der Burma-Hängebrücke: Natur und Brücke liegen im Winterschlaf.

Bei der spannenden Reise durch Wildnis und Kulturlandschaft wird beispielsweise mit erfahrenen Umweltpädagogen das Leben in Tümpel und Wald erforscht und selbst Frischkäse hergestellt. Team- und Grenzerfahrungen bietet das Abenteuer im Seilgarten, bei dem es auf einer überdimensionalen Strickleiter in die Höhe geht. Die Teilnehmer wachsen dabei als Team zusammen. „Und über sich selbst hinaus“, ergänzt Herbergsvater Rudolf Baues. Denn wer es über die 36 Meter lange und 18 Meter hohe Burma-Hängebrücke geschafft hat, der schafft alles andere auch.

Zirkus und Hängebrücke

Es locken zudem die klassische Zirkusvorstellung, bei der im Team kreative Ideen zu einer Bühnenschau umgesetzt werden, sowie die Black-Box, ein fantasieanregendes Schwarzlicht-Theater. Und wie wäre es mit einem Rollenspiel in freier Natur? Dabei verwandeln sich die jungen Teilnehmer in Ritter, die den verlorenen Schatz der Könige suchen. Das ist ein richtiges Abenteuer, bei dem Erlebnis-, Rätsel- und Bewegungsaufgaben warten, für die ordentlich Fantasie gefragt ist und die gleichzeitig jede Menge über die eigene Persönlichkeit preisgeben und ein faires Miteinander fördern.

Ja, Jugendherberge ist längst nicht mehr das, was es zu Zeiten der Gründung durch Richard Schirrmann war, einzig ein günstiger Schlafplatz.

von Monika Schwarz-Cromm

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