Die erste lokale Impfreihe startete gestern in der Lehmkauthalle Grävenwiesbach. Die Fachleute gaben Einblicke in den Ablauf der Termine. Mit dabei: Kreisbeigeordneter Thorsten Schorr (von rechts), Landrat Ulrich Krebs, Dr. Christian Nattermann, Arzt Timothy Jäckel, Klinik-Chefin Dr. Julia Hefty, Peter Oldorf und Bürgermeister Roland Seel.
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Die erste lokale Impfreihe startete gestern in der Lehmkauthalle Grävenwiesbach. Die Fachleute gaben Einblicke in den Ablauf der Termine. Mit dabei: Kreisbeigeordneter Thorsten Schorr (von rechts), Landrat Ulrich Krebs, Dr. Christian Nattermann, Arzt Timothy Jäckel, Klinik-Chefin Dr. Julia Hefty, Peter Oldorf und Bürgermeister Roland Seel.

In Grävenwiesbach startet die lokale Impfreihe

Kliniken arbeiten sich mit Terminen durch das Usinger Land

  • vonAndreas Burger
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180 Anmeldungen der über 80-Jährigen - 18 Helfer stehen in Lehmkauthalle bereit

Die Präsentation des ersten Impftermins lief noch, da strömten bereits die ersten über 80-Jährigen in die Lehmkauthalle. Punkt 10 Uhr fiel gestern der Startschuss für die lokalen Impfzentren. Begonnen wurde mit Grävenwiesbach, dann folgt Weilrod (27. Februar) und anschließend die anderen Kommunen des Usinger Landes. "Wir impfen in diesen lokalen Zentren nach der Strategie von weit weg zu nah dran!", sagte Landrat Ulrich Krebs (CDU) und verwies darauf, dass mit dieser Strategie den Älteren der Weg in das Bad Homburger Impfzentrum oder gar nach Frankfurt erspart bleibe.

Das Interesse ist auf jeden Fall groß, denn über 180 Anmeldungen hat die Geschäftsführerin der Hochtaunuskliniken, Julia Hefty, alleine aus Grävenwiesbach auf dem Tisch liegen. Und die Helferschar aus den Kliniken ist groß. Zum Teil tauchen auch Namen auf, die manchem im Usinger Land noch sehr vertraut sind.

So geben der ehemalige Chefarzt der Usinger Klinik, Dr. Christian Nattermann, und sein Kollege Peter Oldorf derzeit sowohl beim Impfzentrum Bad Homburg als auch bei den Impfungen in den Seniorenheimen und den lokalen Impfungen Gastspiele. Die beiden haben sich neben anderen Ärzten und Helfern freiwillig gemeldet und den Ruhestand sozusagen für die Impfreihe unterbrochen. Insgesamt stellt die vom Kreis mit den Impfungen beauftragte Klinik derzeit vier Impfteams, die sich aus Klinik-Mitarbeitern, reaktivierten Ärzten und freiwilligen Helfern zusammensetzen.

In Grävenwiesbach waren es gestern 16 Helfer, aufgeteilt in die Bereiche Verwaltung, um die Patienten zu erfassen, klinisches Fachpersonal für Impfung und Nachbetreuung sowie Apotheker, die den Impfstoff aufbereiten. In 21 Tagen (16. März) kommen dann die gestern geimpften Bürger erneut in die Halle, um den zweiten Schutz zu erhalten. Generell aber gibt es nur einen Impftermin für Grävenwiesbach. "Wer diesen Termin nicht wahrnehmen kann, dem stehen viele Möglichkeiten durch Helfer offen, die eine Fahrt nach Bad Homburg anbieten", erklärte Krebs.

Auf Lieferung angewiesen

Geimpft wird, was geliefert wird. Oldorf und Hefty betonten, dass sie in den verschiedenen Impfstoffen keine großen Unterschiede sähen, denn alle seien wirksam. "Und wir können nur das impfen, was wir auch geliefert bekommen", sagte Krebs. Der Kreis verteile weder noch produziere er das Medikament, sondern sei auf die Lieferung angewiesen. "Deshalb können wir vorerst auch nur die Termine in den Kommunen verbindlich ausmachen, für die ausreichend Impfstoffe vorhanden sind." Derzeit kämen sowieso nur Seren von Biontech-Pfizer oder Astrazeneca im Kreis an. Das Mittel wird bei minus 70 Grad aufbewahrt und taut dann langsam über die Kette Tiefkühltruhe, Kühlschrank, Kühlbox auf, um bei Zimmertemperatur gemischt und verabreicht zu werden. Aufgetaut hält sich das Medikament dann etwa sechs Stunden.

Landrat Krebs und Grävenwiesbachs Bürgermeister Roland Seel (CDU) bedanken sich beim Impfteam und den Kliniken für den Einsatz und wiesen auf die umfangreiche Aufgabenstellung hin, die Erster Beigeordneter Thorsten Schorr (CDU) in diesem Zusammenhang zu leisten gehabt habe.

Deutlich unterstrich Krebs auch, dass es im Hochtaunuskreis keinem Politiker, egal welcher Position, eingefallen wäre, sich als Ausnahme impfen zu lassen: "Die Vorgänge aus dem Nachbarkreis werde ich hier nicht kommentieren", sagte Krebs. Dort haben sich mehrere Politiker auf Kreisebene impfen lassen - ohne an der Reihe zu sein. Mit der Begründung, dass noch Impfstoff übrig gewesen sei. "Das wird es hier nicht geben", sagte Seel. Wenn tatsächlich noch einzelne Vorräte nach der Impfung vorhanden seien, würden die Feuerwehren und Rettungsdienste angesprochen.

Der Bürgermeister betonte außerdem, dass er sehr oft angesprochen worden sei von den älteren Bürgern, die eine lokale Impfmöglichkeit begrüßten. "Auch deshalb müssen wir allen Verantwortlichen im Kreis und den Kliniken Danke sagen, dass dies heute klappt."

Für die Hochtaunus-Kliniken sind die kommenden Wochen sicher arbeitsreich. Es stehen nicht nur die üblichen Impfungen im Bad Homburger Zentrum an, sondern eben auch die lokalen Impftermine. Hinzu kommt eine neue Verordnung des Landes, dass nun innerhalb von zwei Wochen auch alle Hausärzte durchgeimpft werden sollen. "Aber ich bin mir sicher, dass die Kliniken dies mit den sehr engagierte Teams schaffen", sagte Hefty. Nebenbei: Gestern verkündeten Innenminister Peter Beuth und Gesundheitsminister Kai Klose, dass die Registrierung für die zweite Impfgruppe ab sofort online und telefonisch möglich sei, betroffen sind etwa 1,5 Millionen Menschen.

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