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Forstamtsleiter Jörg Deutschländer-Wolff und Revierförsterin Katharina Romer berichteten dem ULFA von den gravierenden Schäden im Wald, die sich auf den neuen Forstwirtschaftsplan auswirken.

Grävenwiesbacher Forst fährt dickes Minus ein

Knapp 40 000 Euro fehlen im Etat

  • vonMonika Schwarz-Cromm
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Noch im vergangenen Jahr konnte die Taunusgemeinde Grävenwiesbach Geld aus der Waldbewirtschaftung einfahren. Durch die Trockenheit und den Borkenkäfer kann von Einnahmen keine Rede mehr sein, nun muss sogar investiert werden.

Grävenwiesbach – Forstamtsleiter Jörg Deutschländer-Wolff und Revierförsterin Katharina Romer vom Forstamt Weilrod standen den Mitgliedern des Umwelt-, Land- und Forstwirtschaftsausschusses im Dorfgemeinschaftshaus Rede und Antwort. Es ging um den Forstwirtschafts- und Hauungsplan 2021.

Beide Pläne erfreuten die Politiker in keiner Weise. Der Wirtschaftsplan weist ein Minus von 39 172 Euro auf. Von den Hundertausenden an Gewinn ist er in diesem Jahr weit entfernt. Und das werde auch erst mal so bleiben, waren sich die Politiker einig. Das Minus wurde dann aber noch durch Jagdpachterträge von 9000 Euro verringert, teilte Bürgermeister Roland Seel (CDU) mit.

Wegen des katastrophalen Waldzustandes wollte die FWG eigentlich den Antrag stellen, dass der Gemeindevorstand Kontakt zu der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt aufnimmt, damit sich die Gemeinde über die zukünftige Aufforstung beraten lässt. Der neue Forstamtsleiter erklärte jedoch, dass im Forstamt Weilrod bereits genauso verfahren wird. "Das Ziel ist die Waldentwicklung in den kommenden 50 Jahren, die wir anhand von Daten über beispielsweise Bodenart, Niederschlag, Höhenschicht ermitteln", teilte er mit. Es werden kleinstrukturierte Abschnitte von rund zehn Hektar beplant, da sich die standortlichen Rahmenbedingungen rapide verändern.

Katharina Romer berichtete von diesbezüglichen Daten über alle Grävenwiesbacher Waldabteilungen und ihren möglichen Entwicklungszielen mit den entsprechenden Baumarten, die dort geeignet sind. Als Rudi Tillig (SPD) fragte, ob es Einzelergebnisse gebe, die alle nervös machen müssten, lachten die Anwesenden laut auf. Galgenhumor ist tatsächlich jetzt gefragt. Eine solche Situation habe es noch nie gegeben, beschrieb Jörg Deutschländer-Wolff das Szenario im Wald und nannte es eine absolute Katastrophe. Der Boden sei so trocken, dass die Nässe von tief unten nicht mehr hochsteigen könne. Er hoffe auf einen schneereichen Winter, weil Sturzregen nicht "pflanzenverfügbar" sei und das Wasser nur weglaufe.

Jörg Deutschländer-Wolff verwies auf das Frühjahr, um einen Trend ablesen zu können. "Wir machen, was durchführbar und planbar ist", sagte er. Sybille Haas (Grüne) fehlte die Katastrophe im Forstwirtschaftsplan. "Die sieht man doch an der Menge des Holzes und am Preis", meinte Kurt Solz (FWG) als Ausschussvorsitzender. Der Forstamtsleiter berichtete, dass für die anstehenden Arbeiten Hilfe von Fremdfirmen nötig werde. "Mit nur drei Forstwirten ist das nicht mehr zu schaffen", betonte die Revierförsterin.

"Der Walde wird künftig anders aussehen", machte Jörg Deutschländer-Wolff deutlich. Die Fichtenbestände hätten sich aufgelöst. Die Fichte bleibe nur als Mischbaumart erhalten. "Sie hat sich verabschiedet im Container nach China", erklärte er mit Galgenhumor. Derzeit habe sich der Preis stabilisiert. Das erlaube dem Forst, das Käferholz aufzuarbeiten. Aber: Wenn der Borkenkäfer keine Fichten mehr findet, geht er an die Douglasien.

Jörg Deutschländer-Wolff machte auch auf die große Sorge um die Buchen aufmerksam. "Alle Baumarten leiden unter den Klimaveränderungen", betonte er. "Wir setzen momentan auf die Eiche und versuchen sie in den Focus zu nehmen", berichtet der Forstamtschef. Im Grävenwiesbacher Wald gibt es 300 Hektar Schadfläche. Bis das aufgearbeitet und bestockt ist, dauert es. Katharina Romer gab aber zu bedenken, dass nicht alles aufgeforstet werden könne. "Wir müssen auch abwarten, was die Natur kommen lässt", sagte sie. Tobias Stahl brachte am Ende etwas Zuversicht in die düstere Lage. "Wir müssen zusehen, das der Wald, der immer Wirtschaftsfaktor war, wieder da hinkommt."

In diesem Sinn stimmten FWG, CDU und SPD dem Forstwirtschafts- und Hauungsplan 2021 zu. Zwei Enthaltungen stammten aus den Reihen der Grünen und der UB. Monika Schwarz-Cromm

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