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Protestaktion mit Folgen: Vor wenigen Wochen enthüllten Laubachs Ortsvorsteher Reiner Butz (links) und Feuerwehrmann Stefan Born ein Schild, das auf die elf Toten am Laubacher Kreuz hinwies.

Das Laubacher Kreuz wird entschärft - Ampel statt Kreisel

Kreis und Hessenmobil präsentieren außergewöhnliche Lösung

  • vonAndreas Burger
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Der Unfallschwerpunkt bei Grävenwiesbach soll bis Mitte 2021 mit einer speziellen Ampel ausgestattet werden, bei der erst einmal alle Autofahrer rot haben

Die Kuh ist vom Eis: Das Laubacher Kreuz wird entschärft - zwar nicht mit einem Kreisel, aber mit einer Ampelanlage der besonderen Art. Spätestens Mitte 2021 soll der Verkehr mit Lichtzeichen geregelt werden können, die Kosten von rund 200 000 Euro trägt die Landeskasse.

Seit Wochen hatte die Politik um die "gefundene Lösung" eine Geheimnis gemacht, bis gestern Erster Kreisbeigeordneter Thorsten Schorr, Bürgermeister Roland Seel (beide CDU) sowie Peter Riegel und Beate Birkenfeld von der Verkehrsbehörde des Kreises in einer Pressekonferenz den Deckel lüfteten. Bereits im August hatte die Unfallkommission getagt, um über die ganze Thematik zu debattieren, denn in den vergangenen drei Jahren war die Kreuzung als Unfallschwerpunkt in den Mittelpunkt gerückt.

Günstiger und sicherer

Die von vielen Bürgern geforderte Kreisel-Lösung bleibt in der Schublade, was gute Gründe habe, wie die Verkehrsexperten erläuterten. Zum einen die Kosten. Eine Ampel kostet rund 200 000 Euro, ein Kreisel etwa eine Million. Zum anderen müssten für einen Kreisel Flächen angekauft werden, für die Ampel nicht. Baurecht braucht eine Ampel auch nicht, sie ist kurzfristig umzusetzen, für den Kreisel wäre das erst 2024 möglich.

Und vor allem die Sicherheit stellten gestern die Planer heraus. "Ein Kreisel ist nachts gerade in diesem ländlichen Gebiet schlecht zu erkennen, da gibt es viele Beispiele von Unfällen", wie Schorr sagte. Eine Ampel dagegen leuchte weithin sichtbar, sei auch bei Nebel oder Regen immer zu erkennen. "Und gerade das hat am Ende den Ausschlag gegeben."

Nicht die Bürgerproteste? "Aktionen für oder gegen eine Planung spielen bei einer sachlichen und fachlichen Entscheidung - wenn überhaupt - nur eine sehr kleine Rolle", betonte der Erste Beigeordnete.

Seel ist froh, dass endlich eine tragfähige Lösung gefunden ist. Und: "Die Ampel ist immer für alle rot. Was bedeutet, dass der Autofahrer schon von weitem die Gefahrenstelle erkennt. Erst wenn die im Boden befindlichen Kontaktschleifen durch einen Wagen geschaltet werden, bekommt der Fahrer, der zuerst kommt, grün. Und nur er, selbst der Gegenverkehr muss stehen bleiben. Die Ampel schaltet dann in der Reihenfolge der an der Kreuzung Ankommenden."

Dass die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil erst von zwei Monaten die gesamte Straße ab Laubacher Kreuz bis Heinzenberg erneuert hat, ohne die Lösung für den Unfallschwerpunkt mit einzuplanen, ist Bürgern und Politikern bereits sauer aufgestoßen. Schorr, Seel und die Vertreter der Verkehrsbehörde versuchten sich in Erklärungen.

Die am Ende darauf hinausliefen, dass in der großen Landesbehörde Hessen Mobil zu wenig Personal vorhanden sei und die Ämter untereinander nicht vernetzt seien. "Aber wir sollten nach vorne schauen und uns über die nun präsentierte Lösung freuen", versuchte Seel sich in Schadensbegrenzung.

Zunächst ein Versuch ohne Blitzer

Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass es - vorerst - keine Blitzer geben wird. "Wir wollen uns die Situation erst einmal anschauen", sagte Schorr, bevor eine solche Lösung in Erwägung gezogen würde. Die Verkehrsbehörde wies aber auch darauf hin, dass einer der Unfallgründe in der Vergangenheit die zu hohen Geschwindigkeiten gewesen seien.

Warum die Behörden nun erst Ende 2020 die Lösung einer Ampel präsentieren, war auch Thema der Pressekonferenz. Denn die Unfallzahlen sind ja bereits länger bekannt. Und auch hier ist eine zeitliche Verzögerung der Information innerhalb verschiedener Behörden die Ursache. Denn die Entwicklung der Unfallhäufigkeit erreicht die Unfallkommission immer erst ein Jahr nach ihrer Erfassung.

Seel betonte aber auch, dass es an dieser Stelle überhaupt keine Probleme gebe, wenn sich alle Verkehrsteilnehmer an Regeln halten würden. "Aber wir können mit dieser Lösung gut leben", sagte er.

Von 2006 bis 2019 gab es 26 Verkehrsunfälle am Laubacher Kreuz, die polizeilich aufgenommen wurden. 2009 und 2013 seien zwei davon mit tödlichem Ausgang verlaufen. Weiterhin gab es zehn schwer und 25 leicht verletzte Personen. Unfallzahlen vor 2006 liegen nicht vor.

Drei Jahre Unfallschwerpunkt

Bereits 2009 und 2010 hat sich die Unfallkommission im Hochtaunuskreis mit der Situation am Laubacher Kreuz befasst, nachdem sich dort fünf sogenannte "Einbiegen-/Kreuzen-Unfälle" ereignet hatten. Damals hatte die Unfallkommission die Umgestaltung zum Kreisverkehr empfohlen. 2011, 2012 und 2014 wurden keine Unfälle in diesem Bereich polizeilich erfasst. Damit wurde dem Laubacher Kreuz aber seit 2011 die Bezeichnung "Unfallhäufungsstelle" entzogen.

2018 sei der Bereich in der Drei-Jahres-Betrachtung dann wieder durch schwer verletzte Personen auffällig geworden. Ein Status, den das Laubacher Kreuz auch 2019 beibehielt. Eine Unfallhäufung als rechtliche Voraussetzung für ein Handeln liegt übrigens laut Vorschrift nur dann vor, wenn an Knotenpunkten oder auf Straßenabschnitten von maximal 300 Metern Länge mindestens fünf Unfälle eines Unfalltyps innerhalb eines Jahres oder drei Unfälle mit schwerem Personenschaden innerhalb von drei Jahren erfolgen. Andreas Burger

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