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Mahnmal gegen Zwangsarbeit

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Seit 13 Jahren kümmert sich Siegfried Gäble für die Vogel- und Naturschutzgruppe federführend um die Pflege und Instandhaltung der Anlage am Gedenkstein für die Zwangsarbeiter in Grävenwiesbach. © Andreas Romahn

Grävenwiesbach . Wanderer und Ausflügler waren an den Osterfeiertagen zum Frühlingsspaziergang unterwegs. Viele passierten dabei im Wald zwischen der Wellerstraße und dem Hasselborner Tunnel den Gedenkstein für die Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg. Eine Woche zuvor hatte Siegfried Gäble, aktives Mitglied der Vogelschutzgruppe Grävenwiesbach das Areal rund um den Gedenkstein in Ordnung gebracht.

Seit 13 Jahren führt das rege Vereinsmitglied im Frühjahr Pflegemaßnahmen durch, um den Erinnerungsort für Besucher, Spaziergänger und Touristen in würdigem Rahmen zu erhalten.

Initiative von Michael Lisson

Zweieinhalb Stunden arbeitete Gäble in der Vor-Osterwoche, um das Gelände von Müll und Unrat zu säubern, sowie Unkraut zu jäten. Derzeit blühen die von der Vogelschutzgruppe dort gesteckten Krokusse prächtig. Liegen gebliebenes Gestrüpp entfernen sowie Äste abschneiden, um den Wildwuchs aus dem näherkommenden Wald ein wenig zurückdrängen, gehörte ebenfalls zum Arbeitsprogramm des engagierten Naturschützers. Am 13. Juni 2000 wurde auf unermüdliche Initiative des verstorbenen Michael Lisson, ehemals Gemeindevertreter in Grävenwiesbach, der Gedenkstein eingeweiht. Er erinnerte erstmals an 400 Franzosen, 100 Polen und 90 Russen, sowie zahlreiche Niederländer und Italiener, die zwischen August 1944 und März 1945 als Häftlinge der SS unter unmenschlichen Bedingungen im Tunnel Zwangsarbeit für die Rüstungsindustrie leisteten. Historisch belegt ist die Erschießung von vier Häftlingen, drei wegen Fluchtversuchs und einer nach Kartoffeldiebstahl. Im Buch »So war es einst« des Heimatverein Grävenwiesbach schilderte Willi Born darüber hinaus den tragischen Tod eines holländischen Zwangsarbeiters. Dieser war bei Kriegsende Ostern 1945 den amerikanischen Soldaten zur Begrüßung entgegengelaufen, wurde irrtümlich angeschossen und dabei tödlich verwundet. Nach der Übernahme durch die Vogelschutzgruppe hatte Gäble die Pflegemaßnahmen zunächst mit den zwischenzeitlich verzogenen James Wilson und Attila Kis sowie zuletzt mit dem kürzlich verstorbenen Hans Meurer vorgenommen. Für die Zukunft werden Mitstreiter gesucht, die sich beteiligen, um den wichtigen Ort der Erinnerung für die Grävenwiesbacher und Besucher in würdigem Zustand zu erhalten.

Der Bad Homburger Lokalhistoriker Bernd Vorlaeufer-Germer erinnert regelmäßig in Seminaren und Vorträgen an die Zwangsarbeit im Hasselborner Tunnel während des Zweiten Weltkrieges. Der über 1300 Meter lange Eisenbahntunnel rückte mit dem Bau des »Führerhauptquartiers Adlerhorst« in Ziegenberg-Wiesental 1939 in den Blickpunkt. Denn er wurde »Führertunnel« zur bombensicheren Unterstellung von Hitlers Sonderzug. 1940 entstand am Tunnel ein Luftwaffenhauptquartier von Göring. Nach massivem alliierten Bombenkrieg ab Herbst 1943 gegen Industrieanlagen in Frankfurt wurde die Rüstungsproduktion unter die Erde verlagert. Die VDM Luftfahrtwerke aus Frankfurt-Heddernheim kamen zum Hasselborner Tunnel. Dort entstand die wichtigste Produktionsstätte von Propellern für deutsche Jagdflugzeuge am Ende des Krieges. Für die Verlagerung wurden zwischen August 1944 und März 1945 Gefangene des Außenkommandos Hundstadt des Arbeits-Erziehungslager (AEL) Frankfurt-Heddernheim mit 150 bis 300 Gestapo-Häftlingen eingesetzt. Unter den Kriegsgefangenen, die als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, waren mindestens 90 Russen und 100 Polen. Vorlaeufer-Germer beschreibt im Heimatbuch 2000 des Hochtaunuskreis den Terror der Wachmannschaften. Historisch belegt ist die Erschießung von vier sogenannten AEL-Häftlingen. ARO

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